In ihrem Vortrag im BZL-Webseminar ging Frau Dr. Anke Römer von der LFA MV der Frage nach, seit wann in der Praxis gelehrt wurde, dass ein Kuh jedes Jahr ein Kalb bekommen sollte. Eine Fundstelle von 1974 bestätigte die Lehrmeinung, die von damals - vergleichsweise - hohen Leistungen von durchschnittlich 3.500 kg Milch ausging, dass eine Kuh jedes Jahr ein Kalb bekommen sollte. Kann diese Empfehlung auch für bei einer Milchleistung von 10.000 kg und mehr gelten? Ist die Praxis mit den steigenden Milchleistungen mitgegangen?
Verlängerung der Laktationszeit - die Lösung?
Hochleistungskühe werden häufig mit einer Milchleistung von 30 Litern trockengestellt. Das ist für den Organismus der Kuh eine Herausforderung, weil der Stoffwechsel und das Gewebe auf Produktion eingestellt sind. Durch das Trockenstellen muss der Körper im ersten Schritt von Milchbildung auf Resorption umstellen. Er muss 30 Liter Milch wieder aus dem Euter zurückbilden. Das ist eine Achterbahn der Hormone und Stoffwechselprozesse und sehr schmerzhaft für die Kuh. Die Idee war es, die Laktationskurve etwas weiter zu ziehen und bei einer geringeren Milchmenge, also später trockenzustellen.
An der LFA werden seit zwanzig Jahren Daten zu längeren Zwischenkalbezeiten (ZKZ) erhoben. Die Wissenschaftler nahmen als Berechnungsbasis retrospektiv die Daten von Kühen ab einer Nutzungsdauer von mindestens fünf Jahren in zwei Gruppen von jeweils fünf Kalbungen und drei Kalbungen im gleichen Zeitraum. Das Ergebnis: Die Kühe mit drei Kälbern waren 98 Tage länger in der Milch und hatten wirtschaftlich einen Vorteil. Wie kann das validiert werden? Retrospektiv konnte nicht festgestellt werden, warum die Kühe später tragend oder später trockengestellt wurden.
Mit der Förderung im Projekt konnten die Forscher 10 Demonstrationsbetriebe beteiligen, die jeweils 75 Kühe für die Verlängerung der Laktation und eine entsprechend große Kontrollgruppe mit praxisüblichen Bedingungen bereitstellen konnten. Insgesamt waren es 1.300 Kühe der Rasse Schwarzbunt. Keiner der Betriebe hatte Erfahrung mit der längeren Laktation. Die Kühe sollten während des Projekts ganz bewusst und nach den Vorgaben der Wissenschaftler trockengestellt und wieder tragend werden.
Die Ergebnisse sind vielversprechend und lassen den Schluss zu, dass die Verlängerung der Laktationszeit ein Game-Changer in der Milchkuhhaltung werden kann. Lesen Sie mehr in der Fortsetzung.
VerLak passt nicht in jeden Betrieb, dennoch sind die Ansätze vielsprechend. Unter den Seminarteilnehmden waren laut Umfrage nur 3 % der Ansicht, das alles so bleiben soll, wie es war.
Zwischenbericht: Leistungsstärkere Kühe durch längere Babypause
Wie findet man den optimalen Trockenstellzeitpunkt?
Die Forscher entwickelten ein Modul zur Berechnung des tierindividuellen Besamungsstarts (TBS-Rechner). Das Modul wurde mit den Daten von über 30.000 Laktationskurven gefüttert. Mehr Informationen finden Sie in den Folgeartikeln. Fortsetzung folgt:
Teil II Tierindividuelle Besamungsstarts - was leistet der TBS-Rechner?
Bei Fragen zum Projekt und zum Vortrag: Dr. Anke Römer

