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Eine Jungtiergruppe an Robustputen. Bild: Florian von Rüden
Im EIP-Projekt „Robustpute“ wurde unter anderem untersucht, inwiefern eine von Ammen geführte Aufzucht Potenzial für kleinere Betriebe bietet. Die Fragen waren: Inwiefern unterscheiden sich von Ammen aufgezogene Robustputen von mit der von Hand aufgezogene? Und kann die Ammenaufzucht eine Alternative zur Handaufzucht sein?
Bei Puten ist die Aufzucht der Küken besonders arbeitsintensiv und teuer. Putenküken sind sehr empfindlich, weshalb großes Fachwissen gefragt ist. In Niedersachsen gibt es darüber hinaus keine Jungputen-Aufzüchter, wie dies beispielsweise bei Legehennen der Fall ist. Deshalb bekommt der landwirtschaftliche Betrieb entweder Puten-Bruteier oder Puten-Eintagsküken und muss die Aufzucht selbst übernehmen. Für kleinere Betriebe, die nur wenige Puten halten, ist dieser Aufwand meist zu groß.
Im EIP—Projekt „Entwicklung einer wirtschaftlichen Öko-Putenkreuzung für den direkt vermarktenden Landwirt" ging eine Gruppe von Fachleuten aus Niedersachsen - Landwirte, Biologen, Tierärzte und landwirtschaftliche Berater – der Frage nach, ob sich von Ammen aufgezogene Robustputen von mit der Hand aufgezogenen Robustputen unterscheiden und ob die Ammenaufzucht gerade für kleinere Putenhaltungen eine Alternative zur Handaufzucht sein kann.
Für die Ammenaufzucht wurden Hennen der Rasse Cröllwitzer Puten ausgewählt. Diese Rasse ist bekannt für ihre guten mütterlichen Eigenschaften. Jeder Cröllwitzer Pute wurden zwölf Küken untergeschoben. Den Tieren stand ein Stall mit Auslauf zur Verfügung. Die Ausstattung mit Kameras erlaubte eine gute Tierbeobachtung während der etwa achtwöchigen Aufzucht. Wöchentlich zeichneten die Kameras ein 24-Stunden-Tagesprofil auf.
An vier Terminen pro Durchgang wurden die Gewichte aller Tiere sowie Gesundheitsdaten, wie der Zustand der Fußballen, des Gefieders oder Verletzungen, erfasst. Um die Haltungsumgebung als Einflussfaktor minimieren zu können, wurden zusätzlich Klimadaten, generelle Daten zum Herdenmanagement und Daten zur Mortalität erhoben. Nach der Aufzucht kamen die Putenjungtiere an am Projekt beteiligte Mäster.
Beim Vergleich zwischen Ammen- und Handaufzucht zeigte sich, dass die Küken, die von Ammen aufgezogen wurden, generell aktiver waren und ihre Haltungsumwelt intensiver erkundeten als die Tiere in den Handaufzuchten.
Der Tagesablauf der Küken, die von einer Amme geführt wurden, war darüber hinaus deutlich strukturierter als der der handaufgezogenen Küken. Es konnten vier Tagesphasen abgeleitet werden, eine „Aufwachphase" (7 Uhr) eine „aktive Phase" (10 Uhr), eine „Einschlafphase" (15 Uhr) und eine „Schlafphase" (22 Uhr).
Die Ergebnisse zeigten, dass die Küken vornehmlich in den Abendphasen die Nähe zur Amme suchten. Morgens, vormittags und nachmittags bewegten sie sich unabhängiger vom Aufenthaltsort der Amme. Die Amme trägt also zu einem geregelten Tagesrhythmus der Küken bei, lautet die Einschätzung der Forschenden.
Die Nähe der Küken zur Amme nahm außerdem im Aufzuchtverlauf ab. Der Tagesrhythmus jedoch blieb erhalten.
Im Gegensatz dazu hatten die Küken aus der Handaufzucht keinen erkennbaren Tagesrhythmus. Aktivitätsphasen gab es sowohl tagsüber als auch nachts. Zudem verhielten sich die Tiere nicht einheitlich.
Die Aufzucht mithilfe einer Amme erwies sich nach Beurteilung der am Projekt „Robustpute“ beteiligten Fachleute im Hinblick auf eine Alternative zur Handaufzucht als sehr vielversprechend.
Die Ammen waren gute „Mütter". Daraus ergibt sich für den Betrieb eine erhebliche Arbeitserleichterung. Große Erleichterung besteht schon darin, dass die Amme den Küken Wärme spendet. Bei der Handaufzucht muss das eine gut eingestellte Wärmelampe übernehmen.
In der Handaufzucht müssen außerdem die Stallbedingungen in den ersten Lebenstagen regelmäßig alle paar Stunden kontrolliert werden.
Darüber hinaus zeigten sich bereits in diesen ersten Vergleichsversuchen positive Effekte in Bezug auf das Tierwohl.
Hinsichtlich der Leistung stellten die Forschenden keine Unterschiede zwischen den Haltungsformen fest. Die Ammenaufzucht wirkte sich nicht negativ auf die Gewichtsentwicklung der Tiere aus.
Die Aufzucht durch eine Amme kann auch in der Direktvermarktung beworben und ein Verkaufsargument werden.
Der Einsatz von Ammen bietet eine Alternative für die Putenaufzucht im kleinen Rahmen, so die Fachleute, und er eigne sich für Betriebe, die nicht mit der Aufzucht von Putenküken vertraut seien. Erste Versuche, Ammen zusammen mit den Küken an die Mastbetriebe abzugeben, hätten sich im Projekt als aussichtsreiche Chance erwiesen, auch weniger spezialisierten Betrieben die Möglichkeit zu eröffnen, selbst Küken aufzuziehen.
DVS-Video: Robustpute – Ökoputen für die Direktvermarktung (Youtube)
Letzte Aktualisierung 13.01.2026