Einfluss von LED-Leuchten auf Puten LED-Leuchten im Putenstall

LED-Leuchten im Putenstall

Leuchtdioden, umgangssprachlich LED-Leuchten genannt, gewinnen auch in der Putenhaltung an Bedeutung und ersetzen zunehmend herkömmliche Leuchtstoffröhren. Neue Entwicklungen in der LED-Technologie gestatten es, Leuchtmittel als intelligente Komponenten in komplexe elektrotechnische Schaltungen zu integrieren und digital zu steuern. 

Es ist allerdings noch wenig darüber bekannt, ob und inwiefern LED-Leuchten zu gesundheitlichen Einschränkungen bei Puten führen können. Zu klären war darum, was das Lichtflimmern für Puten bedeutet und welche Flimmerfrequenzen als kritisch anzusehen sind.

Lichtflimmern und kritische Flimmerfrequenz

Der Begriff Lichtflimmern beschreibt die Helligkeitsschwankungen einer elektrisch betriebenen Lichtquelle. Diese Schwankungen werden durch das Design und die Steuerung der Lichtquelle verursacht und beeinflußt. LED-Leuchten beispielsweise setzen Stromschwankungen direkt in Lichtstromschwankungen um. Glühlampen tun dies nicht.

Bekannt ist, dass Lichtflimmern bei Geflügel Stress auslösen kann und in der Folge das Verhalten beeinflußt. Kritisch wird es vor allem dann, wenn die Flimmerfrequenzen als Dauerlicht wahrgenommen werden - der sogenannten kritischen Flimmerfrequenz. Obwohl Hühner Flimmern über 87 Hertz nicht bewusst wahrnehmen, deuten Werte der Elektroretinographie auf unbewusste Lichtreizwahrnehmung bei über 100 Hertz hin. Die Elektroretinographie, ERG, ist ein Messverfahren zur Untersuchung der Sinneszellen der Netzhaut auf ihre Funktion.

Auswirkungen von LED-Leuchten im Putenstall

Weil es auch bei Mastputen an Wissen über die Auswirkungen von Flimmerfrequenzen elektrischer Lichtquellen mangelt, widmete sich eine Forschungsgruppe des Instituts für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts Celle, der Hochschule Hannover und des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie Dummerstorf explizit diesem Thema. 

Unter dem Titel „OPtiLima - Irritierendes Blinklicht oder geflügelfreundliche Beleuchtung - sind Flimmerfrequenzen von LED-Leuchten ein potenzieller Stressfaktor in der Haltung von männlichen Mastputen?“ wurde untersucht, inwiefern bestimmte Flimmerfrequenzen von LED-Leuchten das Verhalten bei männlichen Puten beeinflussen. Im Fokus standen Verhaltensauffälligkeiten wie verletzendes Picken, die Wachstumsleistung und die endokrine Stressreaktion wie die Kortikosteronkonzentration in den Federn.

Lichtdesign der Studie

Die Studie setzte sich aus drei Versuchen zusammen, bei denen insgesamt 1.646 männliche Eintagsküken der Rasse British United Turkeys 6, (B.U.T. 6), mit intakten Schnäbeln 20 Wochen lang in zwölf Stalleinheiten von je 18 Quadratmetern aufgezogen wurden. Jedes Stallabteil wurde mit zwei Vollspektrum-LED-Lampen beleuchtet. In den Leuchten wurden unterschiedliche Flimmerfrequenzen eingestellt - 165 Hertz, 500 Hertz und 16 Kilohertz. 

Die Emissionsspektren der verwendeten Leuchten umfassten sowohl sichtbares Licht, (Tageslicht, 6.500 Kelvin) als auch UVA-Spektren (Vollspektrumbeleuchtung). Die Beleuchtungsintensität wurde über drei verschiedene Lichtkanäle -Sonnenlicht, Kalklicht und Ultraviolett - bereitgestellt, die alle mit einer gemeinsamen Frequenz moduliert wurden. 

Das Licht wurde am Ankunftstag 22 Stunden lang bereitgestellt, wobei es von zwei intermittierenden Dunkelphasen von jeweils einer Stunde unterbrochen wurde. Der tägliche Hell-Dunkel-Rhythmus, LD, änderte sich von einem 21L-3D-Beleuchtungsplan am 2. Tag zu einem 16L-8D-Beleuchtungsplan am 7. Tag. Morgens und abends wurden Dämmerungsphasen von 20 Minuten eingelegt. Am ersten und zweiten Lebenstag wurde die Beleuchtungsintensität schrittweise alle 48 Stunden um 20 Lux von 100 Lux auf eine Mindestbeleuchtungsstärke von 20 Lux reduziert. 

Um das Flimmern präzise messen zu können, musste eine Messmethode entwickelt werden, die den elektrischen Strom in den LEDs der Leuchte erfasst. Die Lösung fand das Forscherteam in einer hochpräzisen Stromzange. 

Gute Leistungen bei 165 Hertz

Die Ergebnisse zeigen, dass Flimmerfrequenzen von 165 Hertz oder höher wie 500 Hertz und 16 Kilohertz bei männlichen Puten keine negativen Auswirkungen auf Wachstumsleistung, Verletzungspicken oder endokrine Stressreaktion haben. Die Tiere zeigten in der Studie keine signifikanten Unterschiede in der Lebendgewichtsentwicklung, im Futterverbrauch oder in der Prävalenz von Verletzungen oder Tötungen durch Artgenossen. Bemerkenswert war, dass die Puten die Leistungsziele des Zuchtunternehmens um etwa 8 Prozent übertrafen. 

Durch Artgenossen verursachte Verletzungen waren vor allem am Hinterkopf oder Nacken - oft durch hautdurchdringende Schnabelhiebe bis zum Schädel oder zur Wirbelsäule bedingt – zu finden. 

Die Flimmerfrequenzen der LED-Beleuchtung beeinflussten auch die Kortikosteronkonzentration in den Federn der Puten nicht. Somit verursachten sie bei den Tieren keinen zusätzlichen Stress. Das Projektteam folgerte daraus, dass Flimmerfrequenzen von 165 Hertz oder höher keine nachteiligen Effekte auf Lebendgewicht und Verhalten von Mastputen haben.

LED-Leuchten scheinen geeignet für Puten

Aus diesen Ergebnissen schließen die Forschenden, dass die in der Studie geprüften Flimmerfrequenzen die Tierwohlstandards in Deutschland erfüllen und für die Beleuchtung von Putenmastställen geeignet sind. Wichtig ist, dass sie ein Lichtspektrum emittieren, das auf die Wahrnehmung der Tiere abgestimmt ist.

Letzte Aktualisierung 30.12.2025

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