Pflanzenkohle für Puten Pflanzenkohle für Fußballengesundheit?

Verbessert Pflanzenkohle Fußballen bei Puten?

Ob die Eigenschaften von Pflanzenkohle auch Einfluß auf die Fußballengesundheit von Puten haben, wurde im EIP-Agri-Projektes „CarboFeet“ untersucht. Auch, ob weniger Protein im Futter einen Effekt haben könnte. 

Stehen Puten auf feuchter Einstreu, kommt es schnell an ihren Fußballen zu Schäden. Deshalb ist es sehr wichtig, bei der Haltung und dem Management von Puten die Einstreu im Stall trocken, locker und scharrfähig zu halten. Wesentlich hierfür ist auch eine gute Darmgesundheit der Tiere. Leiden Puten unter Durchfall, führt dies oft zu feuchter Einstreu und das Risiko von Fußballenschäden steigt.

Warum Pflanzenkohle im Futter einsetzen?

Könnte Pflanzenkohle auch indirekt der Fußballengesundheit helfen? Seit Jahrhunderten gilt sie als bewährtes Hausmittel gegen Verdauungsstörungen. Das hängt mit ihrer Oberflächenstruktur zusammen, die es der Pflanzenkohle gestattet, Wasser bis zu einem Fünffachen ihres Eigengewichtes aufzunehmen. Dabei bindet sie die im Wasser gelösten Stoffe wie zum Beispiel Stickstoffverbindungen, krankmachende Keime oder Toxine. Diese Eigenschaften könnten so dabei helfen, den Organismus der Pute im Krankheitsfall zu stabilisieren. Bei einer Durchfallerkrankung könnte überschüssiges Wasser gebunden und dadurch die Kotqualität verbessert werden.

Versuche mit der Verfütterung von Pflanzenkohle an Puten laufen seit einigen Jahren. Dabei zeigten sich folgende positive Effekte:

  • eine Steigerung der Futteraufnahme,
  • eine bessere Ausnutzung der Nährstoffe des Futters,
  • höhere Gewichtszunahmen,
  • trockenere Einstreu und eine Verbesserung der Fußballengesundheit,
  • reduzierter Ammoniakgeruch in Gülle und Stallluft,
  • eine geringere Sterblichkeit sowie
  • eine bessere Fleischqualität.

Im Projekt der EIP-Agri „CarboFeet - Beimischung von zertifizierter Pflanzenkohle im Mischfutter von Putenhähnen und Masthühnern unter besonderer Berücksichtigung von Tierwohlaspekten“ (EIP = Europäische Innovationspartnerschaft) galt es herauszufinden, ob sich diese positiven Effekte auch in der Praxis bestätigen lassen. 

Geprüft wurde auch, inwieweit der Rohproteingehalt in der Gesamtration gesenkt werden kann. Denn eine rohproteinarme Ration entlastet den tierischen Organismus während des Wachstums und vermindert physiologischen Stress während der Anfangsmast.

Sie bewirkt auch eine Verminderung der Stickstoffemissionen. Die Wissenschaft geht von bis zu 30 Prozent geringeren Emissionen aus. 

Und letztlich reduziert eine rohproteinarme Fütterung Nährstoffeeinträge der Tierhaltung in die Umwelt.

Das Projekt wurde von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Tierärztlichen Hochschule Hannover gemeinsam mit sechs landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt.

Pflanzenkohle im Futtertest

Das Projekt gliederte sich in mehrere Projektphasen. An eine Vorbereitungsphase schlossen sich drei Versuchsphasen an. Pro Betrieb standen jeweils ein Versuchs- und ein Kontrollstall zur Verfügung. Um eventuelle Umwelteffekte zu minimieren, wurden die Ställe nach jedem Durchgang gewechselt. 

In der ersten Versuchsphase kam die Pflanzenkohle zum Standardfutter in einer Konzentration von 2 Kilogramm pro Tonne. 

In der zweiten Phase wurde die Wirkung der Kohle bei einem um 1,5 bis 2 Prozent abgesenkten Rohproteingehalt untersucht. Dazu wurde das Futter mit Weizen verschnitten. 

Die dritte Phase galt der praktischen Überprüfung der Ergebnisse aus den Phasen 1 und 2.

Erhoben wurden biologische Leistungen, Tiergesundheitsparameter, die Qualität der Einstreu, der Stickstoffgehalt des Mists und die Schlachtleistungen. 

 

Biologische Leistungen

Bei der Variante mit dem Standardfutter wurden bezüglich der Gewichtsentwicklung keine nennenswerten Unterschiede festgestellt, wenn die Putenhähne zusätzlich Pflanzenkohle erhalten hatten. Das galt in der Regel auch für die anderen Leistungsparameter wie zum Beispiel für die Futterverwertung. Beim abgesenkten Rohproteingehalt konnten die Tiere ihre Leistung durch kompensatorisches Wachstum halten. Die Tiere, die diese Variante erhalten hatten, wogen 800 Gramm mehr als die Puten, die mit der Standardvariante gefüttert worden waren.

Tiergesundheitsparameter

Auch hinsichtlich der erhobenen Tiergesundheitsparameter waren durch die Gabe von Pflanzenkohle in der Standardvariante keine wesentlichen Unterschiede ersichtlich. In der proteinreduzierten Variante beeinflusste die Pflanzenkohle den Gesundheitsstatus keine der untersuchten Parameter wie Fußballengesundheit, Fersenhöckerentzündugen und Verletzungen.

Qualität der Einstreu

Auf die Qualität der Einstreu wirkte sich der Einsatz der Pflanzenkohle dagegen positiv aus. Wenn die Ration zusätzlich proteinreduziert war, bewirkte dies bei allen Betrieben eine trockenere Einstreu.

Stickstoffgehalt des Mistes

Den niedrigsten Stickstoffgehalt wies der Mist von denjenigen Tieren auf, die mit der rohproteinreduzierten Variante gefüttert worden waren. Hier betrug der Stickstoffgehalt 2,19 Prozent der Originalsubstanz. Die Autoren vermuten, dass bei einem geringeren Proteingehalt im Futter auch weniger Stickstoff ausgeschieden wird.

Schlachtleistung

Bei den Teilstücken gab es einige signifikante Unterschiede zwischen den Varianten mit und ohne Pflanzenkohlegabe zu verzeichnen. 

Die Teilstücke Ober- und Unterkeule wogen 90 Gramm beziehungsweise 110 Gramm mehr, wenn dem Futter Pflanzenkohle zugesetzt worden war. Bei den restlichen Parametern wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt.

Im Vergleich der Standardvariante mit der proteinreduzierten Fütterung ergaben sich Unterschiede beim Schlachtgewicht. Hier lag die prozentuale Ausschlachtung der Standardvariante mit 78,85 Prozent um 1,78 Prozent höher als diejenige der rohproteinreduzierten Gruppe und unterschied sich im Versuch damit signifikant. Auf die Teilstückgewichte hatte die proteinreduzierte Fütterung keine Auswirkungen.

Für den geringen Effekt der Pflanzenkohle halten die Autoren verschiedene Ursachen für denkbar:

  • die Beschaffenheit der in diesen Versuchen eingesetzten Kohle.
  • die Konzentration im Futter von 2 Kilogramm Pflanzenkohle je Tonne 
  • eine permanente Supplementierung des Futters mit Kohle sollte überdacht werden, da die Kohle nicht nur Schadstoffe, sondern ungewollt auch Mineralien adsorbieren könnte.
  • Schließlich muss auch in Erwägung gezogen werden, dass die Kokzidiostatika im Futter die Effekte der Pflanzenkohle überlagerten.

Weniger Eiweiß im Futter lohnt

Trotz der geringen Effekte in den Versuchen berichten einige am Projekt beteiligte Landwirte von guten Erfahrungen beim Einsatz der Kohle. Sie finden, dass deren Verwendung vor allem bei Problemen mit Durchfallerkrankungen und feuchter Einstreu einen Versuch wert ist. Dennoch würden nur Wenige Pflanzenkohle auf ihrem Betrieb weiter einsetzen, vor allem weil der finanzielle Mehraufwand und die zusätzliche Arbeit nicht durch verbesserte Leistungen der Tiere kompensiert werden.

Was die Darreichungsform, das Dosierungsverhältnis und die qualitative Beurteilung von Pflanzenkohlen angeht, sehen die Projektteilnehmenden weiteren Forschungsbedarf. Wer Pflanzenkohle einsetzen möchten, sollte mit einer niedrigen Dosierung beginnen und diese nur langsam steigern, um eine eventuelle Überdosierung zu vermeiden.

In Bezug auf die Nachhaltigkeit und das Tierwohl in der Geflügelhaltung, stellt vor allem die Variante der proteinreduzierten Mast einen vielversprechenden Ansatz dar. Mit ihr lassen sich akzeptable Mastleistungen erzielen und Nährstoffe einsparen.

Letzte Aktualisierung 09.01.2026

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