Robustputen Robuste Puten für extensive Haltung

Robuste Puten für extensive Haltung

Im EIP-Projekt „Robustpute“ wurden gängige Putenhybride mit Tieren der beiden alten Rassen Ronquières Pute und Cröllwitzer Pute gekreuzt. Die Nachkommen eignen sich gut für extensive Freilandhaltung und aufgrund ihrer Größe für die Direktvermarktung. 

Die gängigen Leistungshybride von Puten eignen sich nur bedingt für die Haltungsbedingungen und Vermarktung in der Freilandhaltung und im Ökolandbau. Die Tiere werden zu groß, sind stressanfällig und sie stellen hohe Ansprüche an Aufzucht und das Futter. Es entstand ein Bedarf nach einer robusteren Pute, die auch unter extensiven Haltungs- und Fütterungsbedingungen vital und widerstandsfähig ist. Gleichzeitig sollte sich eine solche Pute für die Direktvermarktung auch kleinerer Betriebe eignen. 

Im EIP-Projekt „Entwicklung einer wirtschaftlichen Öko-Putenkreuzung für den direkt vermarktenden Landwirt" ging eine Gruppe von Fachleuten aus der Landwirtschaft, Veterinärmedizin und landwirtschaftlichen Beratung der Frage nach, ob die Kreuzung vorhandener Leistungshybriden mit Puten der beiden alten Rassen Ronquières Pute und Cröllwitzer Pute eine Gebrauchskreuzung mit den gewünschten Eigenschaften hervorbringt.  

Das EIP-Projekt Robustpute

Mit der Kreuzung wollte man die Eigenschaften alter Putenrassen, wie höhere Widerstandskraft gegen Krankheiten, gutes Futtersuchverhalten bei extensiven Haltungsbedingungen und einen typischen Fleischgeschmack, mit der höheren Mastleistung der Leistungshybriden zusammenbringen. 

Damit sollte die Grundlage für eine Gebrauchskreuzung gelegt werden, die zu einer extensiven Haltung und zu Betrieben mit Direktvermarktung passt. Bei Mastende sollte das Schlachtgewicht bei etwa sechs bis acht Kilogramm liegen. Ziel war es, gerade kleineren Betrieben damit die Vermarktung zu erleichtern, da solche Schlachtkörper gut als Ganzes verkauft werden können. 

Im EIP-Projekt wurden Hennen der Leistungshybridputen mit Hähnen der Rassen Ronquiéres und Cröllwitzer angepaart.

Nach dem Ausbrüten der Eier wurde ein Teil der Küken von Ammen aufgezogen und ein anderer Teil in Handaufzucht. In den Ställen wurde mithilfe von Kameras das Verhalten der Tiere beobachtet. Außerdem führte das Projektteam regelmäßig Verhaltenstests bei den Küken durch und erfasste die Gewichtsdaten der Herden. 

Nach der Aufzucht wurden die Putenjungtiere an die am Projekt beteiligten Mäster verteilt und zwölf Wochen gemästet. Die Schlachtung der Tiere erfolgte im Alter von etwa 22 Wochen. 

Robuste Puten mit akzeptablen Leistungen

Die Robustputen-Kreuzungen erwiesen sich als sehr aktiv und widerstandsfähig. Die Fachleute gehen davon aus, dass auch weniger erfahrene Mäster die Robustputen gut aufziehen können. Sie weisen allerdings darauf hin, dass Robustputen als Jungtiere flug- und aufbaumfreudiger sind als herkömmliche Mastputen. Sie gehen ihrem arteigenen Verhalten nach, sobald sie die Möglichkeit dazu haben. Als vorteilhaft erwies sich die Aufzucht durch Ammenmütter, insbesondere mit Hennen der Rasse Cröllwitzer Pute. Diese zeichnen sich durch eine gute Mütterlichkeit aus, was sich nach Einschätzung der Projektnehmer positiv auf die Tiergesundheit auswirkte und das Management im Betrieb vereinfachte.  

Mast- und Schlachtleistungen der Robustpute

  • Die Schlachtgewichte der Robustputen beurteilen die am Projekt Teilnehmenden als vielversprechend. Die Gewichte differierten in beiden Durchgängen allerdings stark und schwankten zwischen knapp über 2 Kilogramm bis 7,8 Kilogramm. Einige Tiere lagen also bereits im für die Direktvermarktung angestrebten Bereich von 6 bis 8 Kilogramm Schlachtgewicht. Die Gründe für die große Schwankungsbreite der Schlachtgewichte sehen die Forschenden in den sehr unterschiedlichen Elterntieren, die bei der Anpaarung zum Einsatz kamen. Ihre Empfehlung lautet, künftig pro Herde nur Hähne einer Rasse einzusetzen.  
  • Die durchschnittliche Ausschlachtung lag im ersten Durchgang bei 64 Prozent und im zweiten bei etwa 67 Prozent. Bei den Hennen war sie im zweiten Durchgang mit 68,5 Prozent etwas höher als die bei den Hähnen mit 64,5 Prozent. 
  • Die Futterverwertung der Robustputen hält das Expertenteam allgemein für verbesserungswürdig.

Im Verlauf des Projektes erwiesen sich die Ronquiéres-Hähne im Vergleich zu den Cröllwitzer Hähnen als robustere Kreuzungspartner. Ronquiéres Puten gelten als ursprünglicher als Cröllwitzer Puten. Die Experten nehmen deshalb an, dass sich Ronquiéres-Hähne eventuell besser für die Gebrauchszucht einer Robustpute eignen könnten. Die Gründe hierfür sollen weiter erforscht werden. Dies gilt auch für die Leistung der Tiere. 

Robustputen als Chance für Direktvermarkter

Nach Ansicht der Experten haben Robustputen eindeutig das Potenzial, in der bäuerlichen Haltung Fuß zu fassen.

Landwirtin und Initiatorin des Projektes, Christine Bremer, hält heute Elterntierherden mit Cröllwitzer Putenhähnen und Mastputen-Hennen. Robustputen-Bruteier oder Eintagsküken können von ihr bezogen werden.

Die Verantwortlichen des Projektes sehen in der Haltung von Robustputen eine Chance auch für Betriebe, die keine langfristigen Lohnmastbeziehungen eingehen möchten. 

So ist ein entsprechendes Netzwerk entstanden. Dieses Netzwerk stellt allgemeine Informationen für die Haltung von Robustputen zusammenzustellen. Es bietet eine zuverlässige Infrastruktur für die Kreuzungen der Puten und begleitet Interessierte bei ihrem Vorhaben. 

Letzte Aktualisierung 30.12.2025

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