Eutergesundheit: Bei ROT sofort handeln!

Eutergesundheit: Bei ROT sofort handeln!

Ein Ampelsystem hilft Signale der Eutergesundheit schnell zu erfassen und aufmerksam zu werden,
wenn Handlungsbedarf besteht.

Das bedeuten die Ampelfarben bei #FitForCows allgemein:

  • Grün: Physiologischer Zustand! Kein Handlungsbedarf
  • Gelb: Leichte Veränderung: Auffälligkeiten beobachten. Wenn mehr als zwei Tiere
    betroffen sind Kontrolle des Herdenmanagements um ein Bestandsproblem
    auszuschließen oder zu identifizieren
  • Rot: Schwerwiegende Veränderung: Akuter Handlungsbedarf! Ggf. Tierarztpraxis
    einschalten

Ampelsystem Eutergesundheit im Projekt #FitForCows

Ein zentraler Bestandteil des #FitForCows-Tools ist das Ampelsystem zur Beurteilung der Eutergesundheit. Es liefert praxisnahe Orientierungshilfen, um den Gesundheitsstatus der Herde objektiv einzuschätzen und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls einzuleiten.

Grün: Eutergesundheit ist stabil

Die Eutergesundheit der Herde befindet sich im optimalen Bereich. Steigt der Zellgehalt in der Milch einzelner Kühe über 100.000 Zellen/ml, deutet dies bereits auf eine subklinische Mastitis hin – also eine Entzündung ohne sichtbare Veränderungen an Euter oder Milch. In eutergesunden Herden liegt der Zellgehalt bei mehr als drei Vierteln der Tiere unter diesem Schwellenwert.

Betriebe im grünen Bereich führen routinemäßig Laboruntersuchungen bei klinischen Mastitisfällen durch. Dabei sollten keine ansteckenden Mastitiserreger nachgewiesen werden. Eine stabile Eutergesundheit fördert nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern ist auch eine wesentliche Voraussetzung für ein hohes Tierwohl im Milchviehbetrieb.


Gelb: Risiken erkennen und abstellen

Sinkt der Anteil eutergesunder Kühe auf etwa 50 % oder infiziert sich jede vierte Kuh neu während der Trockenstehphase, besteht Handlungsbedarf. In diesem Fall gilt es, Risikofaktoren systematisch zu identifizieren und zu beheben.

Häufige Ursachen sind:

  • Eine mangelhafte Zitzenkondition, die den Schluss des Strichkanals beeinträchtigt.
  • Belastendes Melken bei Milchflüssen unter 1 kg/min („Blindmelken“) oder ein zu hohes Melkvakuum.

Rot: Sofortiges Handeln erforderlich

Schnelles Eingreifen ist notwendig, wenn mindestens einer der folgenden Befunde vorliegt:

  • Die Euterkennzahlen erreichen den roten Bereich (siehe Tabelle).
  • Zitzenhauterkrankungen wie Warzen treten gehäuft auf.
  • Ansteckende Mastitiserreger (z. B. Streptococcus agalactiae, Staphylococcus aureus oder Mykoplasmen) werden im Labor nachgewiesen.

Neben kurzfristigen Sofortmaßnahmen ist eine systematische Risikoanalyse im Bestand unerlässlich, um die Ursachen langfristig zu beheben. Typisches Vorgehen:

  1. Laboruntersuchung der Mastitismilchproben zur Bestimmung der Leitkeime.
  2. Identifikation der Erregerquellen und Analyse möglicher Übertragungswege.
  3. Kontrolle relevanter Risikofaktoren, insbesondere Immunabwehr von Kuh und Zitze.
  4. Erstellung und Umsetzung eines betriebs- und leitkeimspezifischen Bekämpfungsplans.

Das Ampelsystem von #FitForCows unterstützt Landwirtinnen, Landwirte und Fachschulen dabei, die Tierbeobachtung zu verfeinern und auf Veränderungen frühzeitig zu reagieren. Nur durch ein strukturiertes Monitoring lassen sich die komplexen Einflussfaktoren auf die Eutergesundheit effektiv kontrollieren – für gesunde Tiere und nachhaltiges Tierwohl in der Milchviehhaltung.

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