Zwischenergebnisse

#FitForCows und das Jahr 2023

Viel zu oft werden wichtige Signale der Milchkühe, die auf Abweichungen der Tiergesundheit und des Tierwohls hindeuten, übersehen. Dies führt zu Schmerzen und Leiden, die nicht umgehend behoben werden. Um den „Blick für die Kuh“ zu schulen und künftige Landwirtinnen und Landwirte für die Signale der Kühe zu sensibilisieren, wurde das Projekt #FitForCows gestartet.

Angepasst an unterschiedliche Zielgruppen können über ein E-Learning Module und eine App, Kurzlerneinheiten auf Basis der einzelnen Tiersignale autodidaktisch erarbeitet und das eigene Wissen über Lernzielkontrollen überprüft werden. Im E-Learning werden nach dem Motto „Sehen und Verstehen“ neben Tiersignalen auch Ursachen und Zusammenhänge vertiefend erklärt. Die  25Lerninhalte werden didaktisch so aufbereitet, dass ein Selbststudium in kurzen Lerneinheiten einfach möglich ist. Vertonte Lernunterlagen, Foto- und Videomaterial sowie Erklärvideos bieten den optimalen Mix, um das Thema Tiersignale anschaulich und lebendig zu erarbeiten. Am Ende einer Lektion bieten zielgruppenspezifische Lernzielkontrollen mit abwechslungsreichen Fragemethoden die Möglichkeit, das eigene Wissen zu überprüfen. 

Direkt zum E-Learning

Neben den Lernenden selbst können auch Lehrende auf die Inhalte zugreifen und ihren Unterricht damit anreichern. Tiergesundheit und Tierwohl sind Themen von wachsender Bedeutung in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung. Basis einer tiergerechten Haltung ist das Erkennen von Tiersignalen. Zur Erfassung der Tiersignale war das Team von #FitForCows im Jahr 2023 auf zahlreichen Milchviehbetrieben zur Tierbeobachtung vor Ort (siehe Fotos). Bei den Betriebsbesuchen konnten neben verschiedenen Herdengrößen (50 bis 600 Kühe) auch unterschiedliche Rassen, wie Fleckvieh, Holstein, Jersey sowie diverse Kreuzungen, abgebildet werden. Ebenso konnten unterschiedliche Haltungssysteme und Bewirtschaftungsweisen (konventionell, ökologisch) sowie Weidehaltung aufgenommen werden. Grundsätzlich stehen bei den Betriebsbesuchen sowohl das Einzeltier als auch die gesamte Herde im Fokus. Festgehalten werden die Tiersignale in einer projekteigenen Foto- und Videodatenbank. Diese stellen die Basis für die Anschaulichkeit und das Verständnis der Tiersignale dar. Somit konnte im Jahr 2023 eine große Sammlung an Fotos und Videos aufgebaut werden, die nun für die E-Learning Einheiten und die App genutzt werden.

Das Highlight war die Freischaltung der ersten E-Learning Einheit auf dem Weiterbildungsmoodle-Kurs der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Bei der ersten Einheit ginges um das Thema Hitzestress. Diese beschäftigt sich dabei nicht nur mit den Ursachen und Folgen von Hitzestress, sondern auch mit den Signalen, die Kühe unter Hitzestress zeigen sowie diverse Abhilfemaßnahmen.

Das #FitForCows E-Learning befindet sich noch im Aufbau. Aktuell sind neben der Einheit zum Thema „Hitzestress“ drei weitere Einheiten zu den Themen „Pathophysiologie der Entzündung“, „Verdauungsapparat“ sowie „Verdauung und Stoffwechsel der Kohlenhydrate“ online (siehe Abbildung). Neue Einheiten werden über die Social-Media-Kanäle bekannt gegeben (Instagram, Facebook: fitforcows).

Anwendungsbeispiel Hitzestress

Der fortschreitende Klimawandel verpflichtet dazu, Hitzestress und dessen Tiersignale genauer zu beleuchten. Aufgrund zunehmender langer und trockener Hitzeperioden stehen die Landwirtschaftund insbesondere die Milchviehhaltung vor neuen Herausforderungen.

Je nach Milchleistung fühlen sich Kühe bei Temperaturen zwischen 4 und 16 Grad Celsius am wohlsten (Heidenreich et al., 2004). Temperaturen oberhalb dieser Komfortzone, können in Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit, zu Hitzestress führen. Bei Hitzestress zeigen sich sichtbare körperliche Anpassungsleistungen sowie Verhaltensänderungen (Burhans et al., 2022):

  1. Erhöhte Atemfrequenz: Normalerweise atmet eine Kuh zwischen 24- und 36-mal pro Minute. Unter Hitzestress steigt die Atemfrequenz. Bei starker Belastung setzt die Maulatmung ein (siehe Foto).
  2. Erhöhter Speichelfluss: Da der Speichel der Kühe wichtige Puffersubstanzen wie Phosphat und Bikarbonat enthält, birgt anhaltendes Speicheln die Gefahr einer Pansenazidose (siehe Foto).
  3. Vermehrtes Schwitzen: Durch Schwitzen verliert der Körper sowohl Flüssigkeit als auch Elektrolyte. Dies kann wiederum die Pufferkapazität im Inneren des Organismus beeinträchtigen.
  4. Erhöhte Körpertemperatur: Nicht direkt beobachtbar, aber einfach messbar, erhöht sich unter Hitzestress die Körpertemperatur auf über 39 Grad Celsius.
  5. Reduzierte Futteraufnahme: Um die Wärme durch Verdauungstätigkeit zu verringern, nehmen Kühe weniger Futter auf.
  6. Vermehrtes Stehen/Bunching: Durch das Stehen vergrößern die Tiere die Oberfläche zur Wärmeabgabe. Häufig sammeln sich die Tiere in kühleren Stallbereichen oder um dieTränken herum (siehe Foto).
  7. Erhöhte Wasseraufnahme: Dies dient dem Ausgleich von Verlusten durch das Schwitzen und zur Kühlung.

Warum ist es nun wichtig, die Kuhsignale bei Hitzestress zu kennen und entsprechend zuinterpretieren?

Hitzestress ist eine Belastungssituation für Milchkühe und daher zuallererst eine Einschränkung des Tierwohls. Außerdem führt Hitzestress zu verminderter Milchleistung (Burhanset al.,. 2022), reduzierter Fruchtbarkeit (Dussert und Piron, 2012) und erhöhtem Mastitisriskio.

Im E-Learning sind weitere Tiersignale als Fotos und auch als Videos zu finden. Hitzestress kann nicht nur eine Belastung für Milchkühe sein, sondern sogar tödlich enden. Welche Prozesse dazuführen, wird ausführlich im #FitForCows-E-Learning erklärt. Im Jahr 2024 sind weitere Betriebsbesuche geplant, um die Foto- und Videodatenbank kontinuierlich zu füllen. Ebenso wird an neuen E-Learning Einheiten gearbeitet, die nach und nach auf dem Weiterbildungsmoodle freigeschaltet werden. Außerdem soll die #FitForCows App im Laufe des nächsten Jahres online gehen. Diese stellt nebendem E-Learning die zweite wichtige Säule des Projekts dar. Die App ist die mobile Version des Ausbildungstools. Diese umfasst die Tiersignale beim Rind, die nach verschiedenen Körperregionen kategorisiert werden. Vom allgemeinen Erscheinungsbild. Vom Flotzmaul über Klauen und Euter bis hin zum Schwanz werden die erhobenen Tiersignale aufgezeigt und in das Ampelsystem eingeordnet. Somit liefert die App eine kompakte Version der Inhalte, um das Erlernte im Stallpraktisch anzuwenden, sowie Auffälligkeiten in der eigenen Herde direkt nachzuschlagen.

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