Einstreu als Schlüssel zur Fußballengesundheit bei Puten Puten: Gesunde Fußballen durch Einstreumanagement

Gesunde Fußballen durch trockene Einstreu

Trockene Einstreu hat einen großen Einfluss auf die Fußballengesundheit von Puten. Ist die Streu nass, führt dies schnell zu Schäden. Lockere und saubere Einstreu dagegen kann Fußballengesundheit auch wieder verbessern. 

Die Einstreu gilt als Schlüsselelement einer tiergerechten Putenhaltung. Denn trockene Einstreu ist entscheidend für die Fußballengesundheit von Puten. So haben Studien gezeigt, dass bereits ein Zeitraum von 48 Stunden auf feuchter Einstreu zu kleinen Rissen, so genannten Mikroläsionen, an den Füßen führen können. Stehen Puten über längere Zeit in feuchter oder nasser Einstreu, verschärft sich die Situation deutlich.

Einflussgrößen der Einstreuqualität

Verletzungen an den Fußballen können auf trockener Einstreu aber auch heilen. Deshalb lohnt es sich immer, die Qualität der Einstreu im Auge zu behalten. Schon mit den drei Parametern Trockensubstanzgehalt, pH-Wert und Wasseraktivität (aw-Wert) lässt sich die Qualität der Einstreu gut einschätzen.

Trockensubstanzgehalt – je höher desto besser

Trockene Einstreu ist entscheidend für Fußballengesundheit bei Puten. Gute Einstreu hat idealerweise einen Trockensubstanzgehalt von 80 Prozent. Der Schwellenbereich liegt bei 65 bis 75 Prozent.

Bereits bei einem Trockensubstanzgehalt von weniger als 70 Prozent reduzieren sich die Einstreueigenschaften deutlich. Die dämpfende Wirkung der Einstreu lässt nach und die gewünschte krümelige Struktur sowie das Wasserbinde- und das Wasserabgabevermögen verringern sich. Folglich steigt die Gefahr für Fußballenveränderungen deutlich an. Dazu kommt das Risiko einer erhöhter mikrobiellen Aktivität in der Einstreu. Steigen dann noch die Temperaturen im Stall auf über 30 Grad Celsius an, bietet sich Mikroben ein optimales Milieu zur Vermehrung. Auch die Ammoniakkonzentration nimmt mit steigender Einstreufeuchte zu und damit auch die Gefahr von Reizungen und Entzündungen der Fußballenhaut sowie der Schädigung von Schleimhäuten und Atemwegen.

pH-Wert – niedrig halten

Die Zielgröße des pH-Werts einer guten Einstreu liegt bei einem Wert kleiner 5. Als Schwellenbereich gilt ein pH-Wert von 5 bis 7. Der pH-Wert beeinflusst die mikrobielle Aktivität in hohem Maße. Bereits bei einem pH-Wert größer 5 erhöht sie sich deutlich und das Risiko der Vermehrung von Mikroben nimmt zu. Bei einem pH-Wert zwischen 7 und 9 vermehren sich die Mikroben besonders stark.

Es gilt: je feuchter die Einstreu, desto höher der pH-Wert.

Wasseraktivität (aw-Wert) – ein kleiner Anteil ist günstig

Die so genannte Wasseraktivität zeigt den Wert zwischen frei verfügbarem Wasser und zellulär gebundenem Wasser in der Einstreu an. Je höher der Anteil an frei verfügbarem Wasser, desto größer das Risiko einer gesteigerten mikrobiellen Aktivität. Der aw-Wert wird bei der Beurteilung der Einstreuqualität meist hinzugezogen, um bestimmte Entwicklungen abzusichern. Sein Zielwert liegt unter 0,8. Der Schwellenbereich ist zwischen 0,8 bis 0,85.

Trockene Einstreu – wie schafft man das?

Wie trocken die Einstreu im Stall ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einen besonders großen Einfluss hat die Qualität des Tränkwassers. Aber auch das Futter oder das Stallklima beeinflussen die Einstreufeuchte.

Tränkwasser

Das Risiko von nasser Einstreu wird vor allem dann befördert, wenn das Wasser in den Tränken zu warm ist und wenn es zudem noch lange darin steht. Dann nimmt die Keimbelastung und damit die Gefahr von dünnflüssigen Ausscheidungen, somit von Durchfall, zu. Außerdem steigert eine hohe Wassertemperatur den Wasserkonsum. In der Folge scheiden die Tiere mehr Wasser aus und tragen es in die Einstreu ein.

Futter

Auch eine nicht bedarfsgerechte Futterversorgung kann zu wasserhaltigen Exkrementen führen. Das gilt zum Beispiel für den Gehalt an Protein beziehungsweise an Stickstoff im Futter. Ein zu hoher Gehalt fordert den Organismus beim Abbau der Stoffe. Die Folgen sind erhöhte Harnsäureausscheidungen, ein steigender Wasserbedarf bei den Puten und feuchtere Exkremente. Wenn Wasser und Harnsäure in der Einstreu zunehmen, steigt zudem auch der pH-Wert und mit ihm die Aktivität der Mikroorganismen. Beachtet werden sollten die Komponenten, die eine direkte Wirkung auf die Darmstabilität haben. Dazu zählen Sulfate, Nicht-Stärke-Polysaccaride (NSP) oder auch Mykotoxine.

Stallklima

Beim Stallklimamanagement – zum Beispiel bei der Belüftung des Stalles - gilt es, den Ammoniakgehalt in Tierhöhe niedrig zu halten. Denn Ammoniak ist ein Schadgas und eine hautirritierende Substanz, was die Fußballenveränderungen fördert. Als Zielgröße für den Ammoniakgehalt hat sich ein Wert von 10 ppm etabliert. Der Schwellenbereich liegt bei 10 bis 20 ppm gemessen auf Tierhöhe.

Einstreumanagement für eine gute Fußballengesundheit

Ein gutes Einstreumanagement hilft, die Fußballengesundheit von Puten zu erhalten. 

1. Pelletierte Einstreu verwenden

Die Wahl des Einstreumaterials kann das Risiko von Fußballveränderungen durchaus beeinflussen. So verfügt pelletiertes oder granuliertes Material im Vergleich zu Häckselstroh über eine bessere Wasseraufnahme und -abgabe und es kann von den Tieren über einen längeren Zeitraum durchgearbeitet werden. Das lockert die Einstreu, erleichtert das Abtrocknen des Substrats und reduziert den Feuchte- und Temperaturanstieg.

2. Einstreupflegemittel zusetzen

Auch Einstreupflegemittel unterstützen die Fußballengesundheit. Dazu zählen zum Beispiel Pellets mit niedrigem pH-Wert oder hygroskopisches, also wasseranziehendes Einstreumaterial. Werden Pellets mit niedrigem pH-Wert zur normalen Einstreu hinzugegeben, reduziert sich der pH-Wert in der ganzen Streu. Das hemmt die Aktivität der Mikroben und beugt so Sohlenballenentzündungen vor. Hygroskopische Einstreumaterialien wirken wasseranziehend und reduzieren die Wasseraktivität (aw-Wert). Der Fuß der Pute steht somit trockener.

3. Einstreu durcharbeiten und nachstreuen

Weitere Möglichkeiten des Einstreumanagements sind das Durcharbeiten der Einstreu durch Fräsen oder Grubbern und das Nachstreuen. 

Beim Durcharbeiten wird feuchtes Material an der Oberfläche mit trockenem Material im Untergrund vermischt. Dabei sollte auf eine ausreichende Luftrate geachtet werden, um die Tiere nicht unnötig Staub und Schadgasen auszusetzen.

Das Nachstreuen sollte situationsbedingt und bereichsorientiert erfolgen. Situationsbedingt heißt, die Lage im Bestand genau zu kennen und je nach Bedarf nachzustreuen. Dies kann zum Beispiel beim Wechsel der Futterphase, bei Salzgaben aufgrund von Federpicken oder bei Impfungen nötig sein. Also immer dann, wenn erhöhte Wasserausscheidungen über die Exkremente zu erwarten sind. Bewährt hat sich in solchen Fällen ein Verkürzen der Einstreuintervalle vor und während der entsprechenden Maßnahme. 

Bereichsorientiertes Nachstreuen meint das häufigere Streuen an den besonders nassen Stellen, zum Beispiel an den Tränken.

4. Die richtige Tränketechnik wählen und deren Funktion regelmäßig kontrollieren

Auch die Tränketechnik beeinflusst den Wassereintrag in die Einstreu. Offene Tränken steigern das Risiko von nasser Einstreu. Auch das Gewicht der Tränke spielt eine Rolle: Ist die Tränke zu leicht, landet mehr Wasser in der Einstreu. Folgende Punkte sollten regelmäßig überprüft werden:

  • der Wasserdruck
  • die Tränkehöhe: Empfohlen wird das stetige Anpassen der Tränkehöhe an das Alter der Tiere
  • Defekte der Tränke: Zum Beispiel erhöhen fehlende Pendel die Spritzwassergefahr.
  • die Füllstandshöhe: Tränken sollten nicht überfüllt werden.

5. Tiere bedarfsgerecht versorgen

Auch die bedarfsgerechte Versorgung mit Futter und Wasser beugt Darmerkrankungen vor – und damit Durchfällen und feuchter Einstreu. Denn Phasen des Mangels bergen stets die Gefahr einer Nährstoffanflutung nach der Hungerperiode und bringen Stoffwechsel und Darm aus dem Gleichgewicht. Das steigert das Risiko des Ausscheidens nasser Exkremente. Einen ähnlichen Effekt hat ein Mangel an Wasser. Doch nicht nur die Menge der Nährstoffe im Futter kann feuchte Einstreu nach sich ziehen, sondern auch dessen Verdaulichkeit. Bei Getreidebeimischungen gilt es, verfügbare Nährstoffkonzentrationen zu beachten. 

6. Präventives Tiergesundheitsmanagement

Grundsätzlich hilft ein vorbeugendes Tiergesundheitsmanagement, Probleme frühzeitig zu erkennen. Bereits erste in der Konsistenz veränderte Exkremente können auf Darmerkrankungen hinweisen. Dann gilt es, sich rechtzeitig mit dem Bestandstierarzt auszutauschen und gegebenenfalls gegenzusteuern. Ein guter Indikator ist dabei die Fußballengesundheit. 

Checkliste: Einstreumanagement bei Puten

  • Fußballengesundheit als Hinweisgeber für das Bestandsmanagement nutzen. Den Zustand der Herde erfassen und bewerten.
  • Risikofaktoren einer verminderten Einstreuqualität stets im Blick haben. Wirksamkeit der Maßnahmen überprüfen.
  • Mit Berufskollegen austauschen und geeigneten Personen beraten.
  • Maßnahmen mit den Ergebnissen am Schlachthof abgleichen.

Letzte Aktualisierung 19.12.2025

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