Wir verwenden Cookies, um Ihnen die optimale Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen. Es werden für den Betrieb der Seite nur notwendige Cookies gesetzt. Details in unserer Datenschutzerklärung.

Putenhaltung findet überwiegend im Stall statt. Erhöhte Ebenen kommen den Bedürfnissen der Puten entgegen. Bild: Dorothe Heidemann
Gemessen an Produktionsvolumen und Verbrauch steht die Putenhaltung innerhalb der deutschen Geflügelwirtschaft in der zweiten Reihe. Sie ist fest im Markt verankert und ergänzt das Geflügelsortiment um ein eigenständiges Produktprofil. Putenfleisch findet sich häufig in verarbeiteten Lebensmitteln oder im Außer-Haus-Verzehr.
Der Konsum von Putenfleisch ist leicht gesunken. Die deutsche Putenbranche steht gleichzeitig steigenden Kosten und neuen politischen Vorgaben gegenüber. Forschung und Markt treiben die Neuausrichtung der Putenhaltung voran.
Der Pro-Kopf-Verbrauch an Putenfleisch in Deutschland ist seit 2020 von 5,5 auf 4,2 Kilogramm in 2025 gesunken (Versorgungsbilanz, BMEL-Statistik). Die Putenhaltung insgesamt hat hierzulande in den letzten Jahren an Bedeutung eingebüßt. Während im Jahr 2016 noch rund 450.000 bis 470.000 Tonnen Putenfleisch erzeugt wurden, waren es 2025 etwa 377.000 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von bis zu 20 Prozent innerhalb weniger Jahre.
Relativ zum Gesamtmarkt der Geflügelfleischerzeugung in Deutschland sank der Anteil des Putenfleisches von etwa 30 Prozent im Jahr 2016 auf gut 23 Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig ist der Gesamtmarkt keineswegs geschrumpft. Im Gegenteil: Die Geflügelfleischerzeugung insgesamt stieg im selben Zeitraum leicht von rund 1,53 Millionen Tonnen auf etwa 1,6 Millionen Tonnen.
Laut BMEL-Statistik aus dem Jahr 2025 wurden in 2023 neun Millionen Truthühner in Deutschland gehalten. Rund 89 Prozent davon lebten in Beständen von über 10.000 Tieren.
Wie auch in der Broilermast, lag der Schwerpunkt der Putenmast in Niedersachsen. Hier waren 2023 etwa 37 Prozent der Mastputen.
Bundesweit gibt es etwa 17.000 Putenhaltungen.
Die Putenerzeugung ist Teil einer hochgradig spezialisierten und arbeitsteilig organisierten Agrarindustrie. Vom Brutei bis zum fertigen Produkt im Supermarkt erfolgt die Erzeugung von Putenfleisch in einer eng verzahnten Wertschöpfungskette.
Den Anfang der Kette bilden die Zuchtbetriebe mit ihren Brütereien. Die erbrüteten Küken werden an Mastbetriebe geliefert und dort bis zur Schlachtreife aufgezogen. Den Abschluss der Kette bilden große Schlacht- und Verarbeitungsunternehmen, die das Fleisch für den Handel aufbereiten.
Charakteristisch für die Branche ist die sogenannte vertikale Integration. Viele der Produktionsschritte werden von wenigen großen Unternehmen koordiniert. Diese stellen Küken und Futter bereit, organisieren die tierärztliche Betreuung und garantieren den Abkauf der Tiere.
Die Landwirte und Landwirtinnen arbeiten häufig im Rahmen vertraglicher Vereinbarungen und sind wirtschaftlich eng an diese Integratoren gebunden. Die ökologische Putenhaltung spielt in Deutschland nur eine Nischenrolle. Ihr Anteil an der Gesamtproduktion liegt im unteren einstelligen Prozentbereich.
In deutschen Putenställen werden in der Regel Hochleistungs-Hybriden aufgezogen. Die Zucht wird weltweit von zwei Unternehmen dominiert. Dies sind Aviagen Turkeys und Hendrix Genetics. Dem Unternehmen Aviagen ist die sehr verbreitete Linie „BUT Big 6“ zuzuordnen. Die Abkürzung BUT steht für British United Turkeys. Die Linien des Unternehmens Hendrix Genetics werden unter dem Markennamen „Hybrid Turkeys“ geführt.
Organisiert ist die Zucht in einer pyramidenförmigen Struktur. An der Spitze stehen Reinzuchtlinien, in denen gezielt Eigenschaften wie schnelles Wachstum, hoher Fleischanteil und eine effiziente Futterverwertung selektiert werden. Über mehrere Stufen entstehen daraus Elterntiere, die schließlich die Mastküken hervorbringen.
Traditionelle und robuste Rassen wie die Ronquières Pute oder die Cröllwitzer Pute spielen eher in kleineren und extensiveren Haltungen, in der Hobbyhaltung oder in Erhaltungsprogrammen eine Rolle.
Am Tag nach dem Schlupf werden die Putenküken aus der Brüterei in vorgewärmte Mastställe gebracht. Dort haben sie unter kontrollierten Bedingungen Zugang zu Licht, Futter und Wasser.
Die Trennung nach Geschlecht erfolgt meist sehr früh und häufig schon in der Brüterei oder direkt nach der Ankunft im Betrieb. Der Grund dafür sind die Unterschiede im Wachstum der Tiere zwischen den Geschlechtern. Hähne wachsen schneller, werden schwerer und haben einen höheren Futterbedarf als Hennen. Mastende ist bei weiblichen Tiere nach etwa 16 Wochen bei rund zehn Kilogramm. Puter erreichen nach etwa 22 Wochen ein Schlachtgewicht von bis zu 20 Kilogramm.
Die Haltung von Puten gilt als anspruchsvoll. Die Tiere werden deutlich länger gemästet als Masthühner, benötigen mehr Platz und reagieren sensibler auf Haltungsbedingungen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Management, Stalltechnik und Betreuung.
Typisch für die Putenhaltung sind Offenställe mit Frischluft und Tageslicht, die oft durch überdachte Außenbereiche, den sogenannten Wintergärten, ergänzt werden. Temperatur, Luftaustausch und Licht werden technisch gesteuert. Beschäftigungsmaterialien wie Stroh oder Picksteine sind vorgeschrieben und fördern arteigenes Verhalten. Die Fütterung erfolgt angepasst an das Wachstumsstadium der Tiere in mehreren Phasen.
Die in Deutschland im Jahr 2015 gestartete Initiative Tierwohl (ITW) gewinnt auch in der Putenhaltung an Bedeutung. Über 80 Prozent der deutschen Puten werden in der ITW-Haltungsform 2, Stall plus mehr Platz, gehalten und zunehmend auch in Haltungsform 3, die Außenklima beinhaltet.

Puten haben harte, spitze Schnäbel, mit denen sie ihre Artgenossen verletzen können. Bild: MuD Tierschutz/BLE.
Die starke Spezialisierung in der Putenhaltung hat die Putenfleischerzeugung effizienter gemacht. Sie bringt jedoch auch Herausforderungen in der Tiergesundheit und demzufolge im Management mit sich. Am Ende der Mast haben viele Truthühner Entzündungen an den Fußballen. Dies ist meist eine Folge feuchter Einstreu, hoher Besatzdichten und hoher Gewichte. Auch in der ökologischen Haltung treten diese Probleme auf, wenn beispielsweise die Ausläufe nass sind.
Hinzu kommt das Beschädigungspicken bei instabilen Rangordnungen durch die Tiere untereinander. Um Verletzungen zu begrenzen, wird teils die Schnabelspitze gekürzt. Dieser Eingriff ist allerdings nur mit Begründung und begleitenden Maßnahmen zulässig.
Insbesondere bei schweren männlichen Tieren kommt es zudem zu Hautblasen an der Brust. Diese entzündlichen Veränderungen entstehen durch anhaltenden Druck des eigenen Gewichts beim Liegen.
Fragen zur Tiergesundheit, genetischer Vielfalt und den Grenzen der Leistungszucht sind damit in den Fokus gerückt. Im Februar 2026 legte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine umfassende Bewertung vor. Sie nennt grundsätzlich unter anderem hohe Besatzdichten, feuchte Einstreu, mangelnde Beschäftigung, schlechte Luftqualität und extreme Temperaturen als zentrale Problembereiche und empfiehlt eine Überarbeitung der EU-Tierschutzvorgaben.
Zusätzlichen Druck erzeugt ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 23. April 2026. Demnach reichen freiwillige Branchenleitlinien der Putenwirtschaft nicht aus, um eine tiergerechte Haltung zu belegen. Eine Verordnung zur Putenhaltung gibt es nicht. Grundlage der Putenhaltung ist in Deutschland das Tierschutzgesetz. Behörden sind verpflichtet, bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz einzugreifen.
Gesetzliche Grundlage für die Haltung von Puten ist das Tierschutzgesetz. Detaillierte gesetzliche Mindestvorgaben wie es sie für andere Nutztiere in der Nutztiertierschutz-Verordnung gibt, wurden für Puten nicht veröffentlicht.
Die Haltungen orientieren sich in der Regel an einem freiwilligen Regelwerk, den bundeseinheitlichen Eckwerten für die Putenmast. Diese wurden gemeinsam mit Politik, Wissenschaft und Tierschutz entwickelt und dienen Betriebe und Behörden als Leitlinie.
Im Fokus stehen Aspekte der Haltung. Dazu zählen Vorgaben zur Besatzdichte sowie ein standardisiertes Gesundheitskontrollprogramm. Betriebe erfassen regelmäßig tierbezogene Indikatoren wie Verletzungen oder den Zustand der Fußballen und passen ihr Management mit tierärztlicher Beratung an. Auch für das Stallklima, insbesondere für Temperatur, Luftqualität und Licht, gibt es Vorgaben.
Die Forschung treibt die Weiterentwicklung der Putenhaltung voran. Im Fokus stehen zum Beispiel eine weiter präziserte Fütterung, um Ressourcen effizienter zu nutzen und Emissionen zu senken, und die Nutzung alternativer Eiweißquellen.
Im Bundesprogramm Nutztierhaltung erprobte das Projekt Pute@Praxis die Haltung von Tieren mit ungekürzten Schnäbeln. Untersucht wurden dabei die Fütterung, neue Beschäftigungsangeboten und ein verbessertes Tiergesundheitsmanagement.
Auch die Stallgestaltung wird weiterentwickelt. Im Projekt des Bundesprogramm Nutztierhaltung PuLi wird das Verhalten der Tiere gezielt über Lichtzonen gesteuert. Dabei wird genutzt, dass helle Bereiche Aktivität fördern und dunklere Bereiche Ruhe schaffen.
Letzte Aktualisierung 15.05.2026