SchweinemastSchweinemast

Schweinemast in Deutschland – Ein Überblick

Die Schweinemast ist der wichtigste Betriebszweig der deutschen Schweinefleischerzeugung. Etwa zwei Drittel aller in Deutschland lebenden Schweine können diesem Produktionsbereich zugeordnet werden.

Die Schweinefleischerzeugung ist hinter der Milcherzeugung der ökonomisch wichtigste Zweig der deutschen Landwirtschaft. Mit einem Produktionswert von 8 Milliarden Euro (2019) trägt die Schweinefleischerzeugung knapp 14 Prozent zum gesamten landwirtschaftlichen Produktionswert bei.

Welche besondere Bedeutung Schweinefleisch für die deutsche Agrarwirtschaft hat, zeigen auch die Exportzahlen. Deutschland ist einer der größten Schweinefleisch-Exporteur der Welt: 2,4  Millionen Tonnen wurden 2019 ausgeführt. Das ist mehr als fünfmal so viel wie bei Rindfleisch und mehr als dreimal so viel wie bei Geflügelfleisch.

Der Schwerpunkt der Schweinefleischerzeugung liegt in Deutschland auf der Schweinemast. Von den rund 25,5 Millionen Schweinen in Deutschland waren im Mai 2020 knapp zwei Drittel Aufzucht- und Mastschweine – das heißt, Tiere mit einem Lebendgewicht von mehr als 20 Kilogramm.

Hinweis: Mastschweine werden üblicherweise mit 30 Kilogramm aufgestallt und mit etwa 120 Kilogramm geschlachtet. In der amtlichen Statistik gibt es allerdings keine Kategorie, die diese Spanne von 30 bis 120 Kilogramm abdeckt. Unter Mastschweinen werden in der Statistik solche mit mehr als 50 Kilogramm geführt. Daneben gibt es noch die Kategorie "Jungschweine" mit einem Lebendgewicht von 20 bis 50 Kilogramm. Um in etwa den gesamten Mastschweinebestand zu erhalten, muss man daher beide Kategorien addieren. Da die Kategorie "Jungschweine" der Offizialstatistik allerdings schon Schweine ab einem Gewicht von 20 Kilogramm berücksichtigt, die Mast aber meist erst bei 30 Kilogramm beginnt, wird das Ergebnis durch diese Addition leicht überschätzt.

653 Mastschweine je Betrieb

Die Anzahl an Mastschweinen mit einem Gewicht von mehr als 50 Kilogramm lag im Mai 2020 bei 11,1 Millionen. Diese Tiere verteilen sich auf 17.000 Schweinemastbetriebe in Deutschland. Pro Betrieb sind das im Schnitt rund 653 Tiere.

Bei den Bestandsgrößen gibt es allerdings große Unterschiede. So hält ein durchschnittlicher Betrieb in den alten Bundesländern 562 Mastschweine, einer in den neuen Bundesländern im Schnitt 2.073 – knapp viermal so viel. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt, wo im Schnitt 2.712 Tiere je Betrieb gehalten werden. Mehr als die Hälfte aller in Deutschland gehaltenen Mastschweine stehen in Beständen mit mehr als 1.000 Tieren.

Die Gesamtzahl an Mastschweinen ist in den neuen Bundesländern weitaus geringer als in den alten. Insgesamt leben dort nur rund neun Prozent aller Mastschweine. Die übrigen 91 Prozent werden in Betrieben in den alten Bundesländern gehalten.

NRW und Niedersachsen sind Hotspots der Mastschweinehaltung

Die Mastschweinehaltung konzentriert sich in Deutschland vor allem auf die Bundesländer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Nimmt man Bayern noch als drittwichtigstes Bundesland hinzu, werden hier zusammen mehr als drei Viertel aller deutschen Mastschweine gehalten. In Niedersachsen standen im Mai 2020 rund 35 Prozent aller deutschen Mastschweine, in Nordrhein-Westfalen rund 28 Prozent und in Bayern rund 13 Prozent.

Zahl der Betriebe nimmt ab

Die Zahl der Jung- und Mastschweine hat sich in den letzten 15 Jahren kaum verändert. Allerdings geben immer mehr Mastschweinebetriebe auf. Allein zwischen 2014 und 2019 hat sich die Zahl der mastschweinehaltenden Betriebe um etwa 20 Prozent verringert – ein Anzeichen für den rasanten Strukturwandel in der Branche.

Hochspezialisiert

Die moderne Schweinehaltung ist stark spezialisiert. Der Grund: Die verschiedenen Produktionsbereiche Zucht, Ferkelerzeugung und Mast stellen sehr unterschiedliche Anforderungen an die Tierhalter, die spezielle Kenntnisse erfordern. Nicht selten sind es auch hygienische Zwänge oder umweltrechtliche sowie steuerliche Gründe, die für eine räumliche Trennung sprechen. Die meisten Betriebe konzentrieren sich daher heute nur noch auf ein oder zwei Produktionsschritte. Auf diese Weise können Haltungsbedingungen und Fütterung an jedes Stadium der Haltung optimal angepasst werden. Entsprechend findet die Schweinemast heute meist auf spezialisierten Mastbetrieben statt.

Schlachtgewicht nach sechs Monaten erreicht

In den Mastbetrieb gelangen die jungen Schweine mit einem Gewicht von 25 bis 30 Kilogramm. Die Tiere werden hier meist in geschlossenen Ställen gehalten. Sie leben entweder in Kleingruppen mit etwa 10 bis 20 Tieren je Bucht oder in Großgruppen von 20 bis 60 Tieren. Daneben gibt es Sondergrößen mit 100 bis 300 Tieren je Bucht. Im Mastbetrieb bleiben die Schweine solange, bis sie im Alter von etwa sechs Monaten ein Gewicht von 110 bis 125 Kilogramm erreicht haben. Anschließend treten sie ihre letzte Reise in den Schlachthof an.

Haltung auf Spaltenböden ist Standard

Die meisten Mastschweine werden auf Spaltenböden gehalten. Das sind perforierte Böden aus Beton, teilweise auch aus Kunststoff, durch die Harn abfließen und Kot durchgetreten werden kann. So wird der Stall sauber gehalten. Eine Haltung auf Stroh oder Freilandhaltung gibt es äußerst selten. Ihr Anteil liegt bei weniger als einem Prozent. Solche Haltungssysteme sind meist nur auf Bio-Betrieben zu finden. Aus Gründen der Kostenreduktion und der Arbeitseffizienz werden neue Mastställe heute in der Regel für mindestens 2.000 bis 3.000 Tiere geplant.

Produktionskennzahlen und Leistungsdaten in der Schweinemast für das Jahr 2018

  • Gewicht zu Beginn der Mast: 30,0 kg LG
  • Mastendgewicht: 122 kg LG
  • Tägliche Zunahme: 849 g/Tag
  • Futterverwertung: 2,78 kg Futter für 1 kg Gesamtzuwachs
  • Mastdauer: 109 Tage
  • Durchgänge pro Mastplatz: 2,87
  • Schlachtgewicht (warm): 96 kg
  • Ausschlachtung: 79 %
  • Futterverbrauch je Mastschwein: 259 kg
  • Arbeitszeit je Mastschwein: 0,32 Std. pro Jahr

Alles geregelt – Vorschriften für die Haltung

EU-weit gültige Vorschriften und Gesetze regeln, wie ein Mastschweinestall ausgestaltet sein muss. In Deutschland werden diese Regelungen durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) mit dem entsprechenden Abschnitt über das Halten von Schweinen – die sogenannte Schweinehaltungsverordnung – umgesetzt. Die Verordnung regelt unter anderem, wie Ställe für Mastschweine in Deutschland einzurichten sind. Das heißt, wie viel Platz jedes Mastschwein haben und wie der Boden beschaffen sein muss, welche Schadgaswerte maximal erreicht werden dürfen und wie viel Licht/Tageslicht in den Ställen vorhanden sein muss.

Wie viel Platz muss ein Mastschwein haben?

Einem 50 bis 110 Kilogramm schweren Schwein in konventioneller Haltung müssen mindestens 0,75 Quadratmeter zugesprochen werden. In der ökologischen Tierhaltung sind es 1,1 Quadratmeter Stallfläche zwischen 50 und 85 Kilogramm Körpergewicht und 1,3 Quadratmeter bei einem Körpergewicht von 85 bis 110 Kilogramm. Bio-Schweine müssen außerdem Zugang zu einem Auslauf haben.

Herausforderungen für die Zukunft

Der anhaltende Strukturwandel fordert die Schweinemastbetriebe schon seit vielen Jahren heraus. Permanenter Preisdruck sowie gesetzliche Auflagen (z. B. zum Immissionsschutz) erfordern eine regelmäßige Anpassung der Produktions- und Vermarktungsstrukturen. Hinzugekommen sind in den letzten Jahren neue gesellschaftliche Anforderungen. Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher fordern zunehmend mehr Tier- und Umweltschutz in der Nutztierhaltung. Die Schweinemästerinnen und -mäster stehen daher vor der Herausforderung, ihre Haltungssysteme – und damit auch ihre Ställe – neu zu gestalten. Und zwar so, dass sie auf der einen Seite tierfreundlich, umweltgerecht und klimaschonend sind, auf der anderen Seite jedoch wettbewerbsfähig bleiben.

Wie solche Stallsysteme in der Schweinemast in Zukunft aussehen könnten, damit hat sich eine Arbeitsgruppe von Fachleuten aus den Bereichen Haltung, Stallbau, Fütterung und Emissionsschutz zwei Jahre lang beschäftigt. Mehr dazu auf praxis-agrar.de: Schweinemastställe der Zukunft: Mehr Platz und Wohlbefinden für´s Schwein

Öko-Schweinemast

Die ökologische Schweinemast in Deutschland ist bislang noch eine Nische. Laut Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) erreicht Öko-Schweinefleisch mit rund 29.900 Tonnen gerade mal einen Marktanteil von 0,6 Prozent (Stand 2018). Es zeichnet sich im Öko-Bereich jedoch ein positiver Trend ab. Immer mehr große Lebensmittelketten steigen in die Vermarktung von Öko-Schweinefleisch ein. Die Zahl der in Deutschland gehaltenen Öko-Schweine nimmt daher seit 2015 zu. Allein 2018 ist der Mastschweinebestand vom 135.000 auf 157.000 Tiere gestiegen.

Die ökologische Schweinehaltung ist per Gesetz durch die EU-Öko-Verordnung geregelt. Öko-Mäster müssen weit höhere Anforderungen erfüllen als solche, die nach gesetzlichem Standard produzieren. So haben Öko-Mastschweine wesentlich mehr Platz im Stall und haben Auslauf ins Freie. Gefüttert werden sie mit ökologischen Futtermitteln.

Etwa die Hälfte aller Ökobetriebe ist Mitglied eines ökologischen Anbauverbands. Diese haben eigene Richtlinien mit zum Teil noch strengeren Anforderungen.

Letzte Aktualisierung 21.09.2020

Zukunftsfähige Stall- und Haltungssysteme: Sauen & Ferkel

Zukunftsfähige Haltungssysteme müssen der gesellschaftlichen Forderung nach "mehr Tierwohl" gerecht werden. Gleichzeitig müssen sie umweltgerecht, klimaschonend und wettbewerbsfähig sein.

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