Antibiotika minimieren

Antibiotika-Alternativen - was hilft beim Geflügel?

Welche Alternativen es zum Einsatz von Antibiotika gibt, wie diese eingesetzt werden und was Konservierungsstoffe, Aromazusätze, Pflanzenkohle und Probiotika bei Geflügel bewirken - diesen Fragen gingen Wissenschaftler und Praktiker im Projekt „AntiMin-Pro“ der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz nach.

Weil die Resistenzen gegenüber Antibiotika weltweit zunehmen, besteht das Risiko, dass es auch für die Behandlung von Menschen irgendwann keine wirksamen Mittel gegen Infektionen mehr geben wird. Die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes allgemein und in der landwirtschaftlichen Tierhaltung im Speziellen wird daher angestrebt. Geflügel steht besonderes im Fokus. 

Deshalb wurde bereits im Jahr 2020 das MuD Tierschutz-Projekt "AntiMin-Pro“, Antibiotikaminimierung in der Geflügelhaltung – Alternative Prophylaxemaßnahmen, ins Leben gerufen. Dabei untersuchte ein Team von Wissenschaftlern und Praktikern, ob naturstoffbasierte Futtermittelzusatzstoffe, Einstreuzusätze und Ergänzungsfuttermittel bakterielle Infektionskrankheiten in Hühner- und Putenhaltungen, bei denen in der Folge oft Antibiotikaeinsatz erfolgt, mindern können. Dabei stand ein praxisnaher Ansatz im Vordergrund. 

Durchgeführt wurde das Projekt AntiMinPro vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) Deutschland e. V. und dem Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der Ludwig-Maximilians-Universität München zusammen mit der DLG e. V. sowie der Gallicon Geflügelberatung. 

Erwartungen an Alternativen zu Antibiotika

Die beteiligten Betriebe versprachen sich vom Einsatz alternativer Prophylaxemittel vor allem eine Stärkung der Tiergesundheit und damit verbunden eine Widerstandskraft gegenüber Geflügelkrankheiten, insbesondere aber eine Verbesserung der Darmgesundheit. 

Veränderte Kotkonsistenz sowie Kokzidien-, Clostridien- und Coli-Probleme stellten die meisten Beteiligten im Bestandsmanagement vor große Herausforderungen. Dies bewog sie dazu, alternative Prophylaxemittel in ihren Herden auszuprobieren und einzusetzen. 

Aber auch erhöhte Tierverluste, ein gestörtes Allgemeinbefinden, Leistungseinbrüche und ein Auseinanderwachsen der Herde oder Verhaltensauffälligkeiten bewegten die Teilnehmenden. Zehn Prozent der Befragten hofften konkret, auf diese Weise weniger Antibiotika einsetzen zu müssen. 

Wirkung alternativer Prophylaxemittel?

Zusatzstoffe, die als alternative Prophylaxemittel in Frage kommen, gibt es viele. Zu den Stoffen, die sowohl von Betriebsleitern verwendet als auch von Tierärzten empfohlen werden, zählen Probiotika, Aromastoffe, Kräuterextrakte sowie organische Säuren. Diese Prophylaxemittel fördern in erster Linie die Darmgesundheit. Sie werden darüber hinaus für die Linderung von Atemwegsbeschwerden eingesetzt oder sollen den Befall mit Parasiten in Schach halten. 

Im Projekt AntiMin-Pro wurde die Wirkung von Konservierungsstoffen, Aromazusätzen, Pflanzenkohle, Probiotika und Adsorbentien in der Praxis im laufenden Betrieb getestet. 

Im Projekt AntiMin-Pro eingesetzte Prophylaxemittel

Die Verabreichung erfolgte sowohl über die Futter- und Wasserversorgung als auch über die Einstreu und die Stallumgebung. 

Über die Futter- und Wasserversorgung verabreicht:

  • Konservierungsstoffe
  • Aromazusätze
  • Pflanzenkohle
  • Probiotika 

Über die Einstreu und die Stallumgebung verabreicht:

  • Pflanzenkohle
  • Tonminerale
  • Effektive Mikroorganismen

Konservierungsstoffe

Einer der bekanntesten Konservierungsstoffe, der auch in der Geflügelhaltung regelmäßig und gerne eingesetzt wird, ist die Milchsäure. Man nutzt sie traditionell zur Ansäuerung und Konservierung von Futter- und Lebensmitteln. 

Aromazusätze

Zu den Aromazusätzen zählen sowohl Kräuter und Gewürze als auch ätherische Öle und Aromen. Diese Stoffe unterstützen das natürliche Immunsystem und die Vitalität der Tiere. Sie regen häufig den Appetit an und können auch so insgesamt leistungsverbessernd wirken. Manche Aromen gelten darüberhinaus als entzündungshemmemd und antibakteriell. 

Probiotika

Probiotika sind Zusatzstoffe, die lebende Mikroorganismen beinhalten, die sich im Darm ansiedeln und dort das Darmmikrobiom unterstützen und sanieren können. Solche Mikroorganismen sind zum Beispiel Hefen. Einzeller, die sich durch einen besonders hohen Gehalt an B-Vitaminen auszeichnen. 

Auch Bakterien wie Lactobacillus acidophilus und Enterococcus faecium ordnet man den Probiotika zu. Diese sind zum Teil in der Lage, Milchsäure zu produzieren. Sie säuern zum einen ihre Umgebung an und können zum anderen so andere Mikroorganismen in ihrer direkten Umgebung auch abtöten. Die sogenannten Milchsäurebakterien sind für das Gleichgewicht des Darmmikrobioms sehr wichtig. 

Auch die Effektiven Mikroorganismen (EM) fallen unter die Probiotika. Der Sammelbegriff Effektive Mikroorganismen bezeichnet Mikroorganismenkomplexe aus aufbauenden Mikroorganismen, die in vielen Bereichen den Organismus unterstützen.
 

Adsorbentien

Als Adsorbentien werden Stoffe bezeichnet, die aufgrund ihrer Oberfläche Gase und gelöste Substanzen physikalisch binden. In der Geflügelhaltung zählen vor allem Tonminerale und Huminsäuren zu gängigen Adsorbentien. 

Mehr Ergänzung als Ersatz

Die Ergebnissen zeigten: ob und welche Naturstoffe im Geflügelstall letztendlich verwendet werden, ist betriebsindividuell. Denn alternative Prophylaxemittel einzusetzen, kostet Arbeitszeit und Geld. Und auf jedem Betrieb herrschen andere Rahmenbedingungen. Deshalb können auch die Ergebnisse, die im MuD Tierschutz-Projekt AntiMin-Pro anfielen, schwer untereinander verglichen werden. 

Grundsätzlich hatten die eingesetzten Alternativen trotz einzelner positiver Wirkungen keinen wesentlichen Einfluss auf die Menge der gegen Krankheiten eingesetzten Antibiotika. Nach Ansicht der am Projekt beteiligten Wissenschaftler und Praktiker hängt das damit zusammen, dass eine Vielzahl von Faktoren Einfluss auf den Gesundheitszustand einer Herde hat. 

Dennoch bieten einzelne Prophylaxemaßnahmen und -produkte Ansätze zur Verbesserung des Gesundheitszustands des Bestands. Und eine Steigerung des Wohlbefindens der Tiere wirkt sich in der Folge auf die Erzeugung aus. 

Einige Betriebsleiter haben sich deshalb dazu entschieden, alternative Prophylaxemittel auf ihren Betrieben weiter einzusetzen. Die Reduzierung von Antibiotika in den Geflügelbeständen sieht die Branche weiterhin als eine große Herausforderung. 

Letzte Aktualisierung 19.02.2026

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