Nachhaltigkeit der AquakulturNachhaltigkeit der Aquakultur

Nachhaltigkeit der Aquakultur

Oft wird die Aquakultur mit Umweltverschmutzung, Massentierhaltung oder dem Einsatz von Antibiotika in Verbindung gebracht. Doch ein Blick auf die Fakten zeigt: Die Fischzucht ist deutlich besser als ihr Ruf und sie kann vor allem bei der Umwelt- und Klimabilanz einzigartige Vorteile ausspielen.

Zuchtfisch, wie er in Deutschland und weiten Teilen Europas erzeugt wird, stellt eine hochwertige und sichere tierische Nahrungsquelle dar, die im Vergleich zu den terrestrischen Nutztierarten sehr ressourcen- und klimaschonend erzeugt werden kann. Dies gilt vor allem für die in der hiesigen Aquakultur dominierende Salmonidenart, der Regenbogenforelle und dem Karpfen, der überwiegend in extensiver Teichwirtschaft erzeugt wird.

Die vergleichsweise gute Öko- und Klimabilanz (Abbildung 1) ist zu einem großen Teil in der besonderen Lebensweise von Fischen begründet. Ihre Anpassung an die aquatische Umwelt birgt einige Vorteile: Fische sind wechselwarme (poikilotherme) Tiere, das heißt, ihre Köpertemperatur entspricht der Temperatur des Wassers, somit müssen sie im Gegensatz zu Säugetieren und Vögeln keine Energie in deren Aufrechterhaltung investieren.

Abbildung 1: Höhe der Emissionen von Klimagasen (inklusive Standardabweichung) für die Erzeugung verschiedener Nutztierarten in CO2-Äquivalenten je kg Lebendgewicht.

Des Weiteren macht die aquatische Umgebung, die es aufgrund der hohen Dichte vielen Fischarten ermöglicht, mit Hilfe ihrer Schwimmblase beinahe mühelos in der Wassersäule zu schweben, ein aufwendiges Knochengerüst überflüssig. Durch diese "Spareigenschaften" ergibt sich ein relativ effizientes Verhältnis von aufgenommenem Futter zu somatischem Wachstum.

Für Forellen ist ein Futterquotient, also das Verhältnis von Futter zu Zuwachs, von 1 oder sogar darunter erreichbar, sofern gute Wasserkonditionen, wie etwa ein ausreichender Sauerstoffgehalt, gegeben sind. Dies bedeutet, dass mit 1 kg aufgenommenes Futter 1 kg Gewichtszunahme oder mehr erreicht werden kann.

Energieextensive Erzeugung

Ein weiterer Aspekt, der zum geringen ökologischen Fußbadruck der heimischen Aquakultur  beiträgt, ist die energieextensive Form der Erzeugung. Forellen und Co werden hierzulande überwiegend in sogenannten Durchflussanlagen gehalten. Vorzugsweise sauerstoffreiches kühles Bach- oder Quellwasser durchströmt die Haltungsbecken und wird wieder in den Vorfluter zurückgeleitet. Die Nutzung des natürlichen Gefälles macht den Einsatz von Pumpen überflüssig und der Energieverbrauch bleibt gering.

In der extensiven Karpfenteichwirtschaft ist der Energieeinsatz ebenfalls marginal, auf künstliche Futtermittel wird weitestgehend verzichtet, so dass Nährstoffemissionen nicht ins Gewicht fallen. Ganz im Gegenteil, die Teiche können sogar als Nährstoffsenke fungieren und bieten Ersatzlebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten.

Moderne hochverdauliche Futtermittel und der Einsatz von immer effizienterer Reinigungstechnik haben zudem dafür gesorgt, dass auch die Emissionen von Phosphor und Stickstoff aus der intensiven Forellenzucht und somit die direkten Umweltauswirkungen auf die angrenzenden Ökosysteme in den letzten Jahrzehnten stark reduziert wurden.

Antibiotikaeinsatz in der Aquakultur ist stark gesunken

Dies gilt auch für Antibiotika, deren Anwendung zumindest in der europäischen Aquakultur heute sehr gering ist. In der norwegischem Lachszucht beispielsweise konnte der Antibiotikaeinsatz durch vorbeugende Impfungen mittlerweile um 99 Prozent im Vergleich zu 1987 reduziert werden, obwohl das erzeugte Volumen von Zuchtlachs im gleichen Zeitraum um das Vielfache gestiegen ist.

Außerdem ist der kleinskalige Sektor, der ausschließlich durch Familienbetriebe geprägt ist, stark auf die regionale Vermarktung ausgerichtet, so dass die Transportwege und Kühlketten meist kurz sind und unnötige Klimaemissionen verhindert werden.

Hoher Selbstversorgungsgrad fördert nachhaltige Entwicklung

Doch während für die Nutztierarten wie Rind, Schwein und Geflügel der Bedarf in Deutschland aus inländischer Erzeugung mindestens gedeckt werden kann, liegt die Selbstversorgung für Fisch bei unter 20 Prozent. In Folge werden große Mengen an Fisch insbesondere aus dem nicht-europäischen Ausland importiert, wo vergleichbare Standards für Umweltschutz, Tierwohl und Lebensmittelsicherheit oft fehlen. Grenzwertüberschreitungen von Rückständen von Medikamenten oder Chemikalien werden entsprechend vor allem in Importfisch aus Drittländern nachgewiesen.

Um eine größere Unabhängigkeit von Importen im Fischsektor zu erreichen, wird ein nachhaltiges Wachstum der Fischzucht sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene angestrebt.

Dennoch, auch der Aquakultursektor in Europa sieht sich Herausforderungen wie z. B. lokal auftretenden Seuchengeschehen, die durch die klimawandelbedingte Erwärmung verstärkt werden können, gegenüber. Aber in der Gesamtbilanz stellt die Fischzucht eine ressourcenschonende Form der Lebensmittelerzeugung dar, die als wichtiger Lieferant für viele essentiellen Nährstoffe auch gesundheitliche Vorzüge aufweist. Dabei hat der relativ "junge" Sektor noch großes Entwicklungspotential, wodurch die realistische Chance besteht, die jetzt schon vergleichsweise gute Ökobilanz weiter relevant zu verbessern.

Fazit

Die Fischzucht leistet bereits heute einen wichtigen Beitrag für unsere Ernährungssicherheit bei einem vertretbaren Einfluss auf Umwelt. Doch anstatt das naturräumliche Potential in Deutschland für einen nachhaltigen Ausbau zu nutzen, stagniert die Erzeugung bzw. geht leicht zurück und die Importabhängigkeit wird eher größer.

Letzte Aktualisierung 24.02.2023

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