Haltungsdauer bei Legehennen Hühner länger legen lassen

Hühner länger legen lassen

Legehennen länger zu halten, kann wirtschaftlicher und nachhaltiger sein. Die Zucht auf Gesundheit, Schalenstabilität und Legepersistenz macht es möglich. Herden mit hoher Leistung und gutem Gesundheitszustand sowie ohne Verhaltensauffälligkeiten können bei einer verlängerten Legeperiode bis zu einem Alter von 100 Lebenswochen wirtschaftlich produktiv sein, wie auch das übergreifend arbeitende Team aus Fachleuten in der BZL-Broschüre Gesamtbetriebliches Haltungskonzept Geflügel - Legehennen beschreibt. 

Noch vor wenigen Jahren war bei Legehennen eine Haltungsdauer von 70 bis 75 Lebenswochen üblich. Doch seit einiger Zeit entscheiden sich Betriebe dafür, die Legeperiode ihrer Hennen auszudehnen. Sie streben dafür eine Haltungsdauer von 100 Wochen an. Die Zucht auf Tiergesundheit, Schalenstabilität und Legepersistenz macht es wirtschaftlich. Für ein längeres Hennenleben spricht vieles. Junghennen sind durch das Verbot des Tötens der männlichen Küken und durch gestiegene Aufzuchtkosten, vor allem durch die hohen Futtermittelpreise, teurer geworden. Zudem gewinnt eine nachhaltigere Eiererzeugung an Bedeutung. 

Die Legepersistenz beschreibt die Fähigkeit von Legehennen, über einen längeren Zeitraum Eier zu legen. Moderne Legehybriden, sowohl weiße als auch braune, zeigen bereits heute in verschiedenen Haltungsformen ein hohes Leistungspotenzial. Einige weiße Leger legen nahezu 400 bis 450 Eier in einem Zeitraum von 500 Tagen. 

Allerdings gibt es auch Herden, die sich nicht für eine längere Legeperiode eignen. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn die Eiqualität nachläßt oder das Gefieder der Tiere beeinträchtigt ist und Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus auftreten. Die Legepersistenz wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Dazu zählen unter anderem Licht, Futter und Futteraufnahme, Tiergesundheit und Schalenstabilität.  

Herausforderungen einer verlängerten Legeperiode

Hennen, die in 100 Lebenswochen bis zu 480 Eier pro Anfangshenne legen können, gibt es mittlerweile am Markt. Der Begriff Anfangshenne bezeichnet die Anzahl der Junghennen zu Beginn des Legejahres. Zuchtunternehmen arbeiten verstärkt an Merkmalen, die für eine verlängerte Haltungsdauer nötig sind. Dazu zählen die Legepersistenz nach der 65. Lebenswoche, eine hohe Bruchfestigkeit der Eischale - auch bei altersbedingt nachlassender Effizienz des Kalziumstoffwechsels - und eine hohe Vitalität. 

Trotzdem stellt die Verlängerung der Legeperiode vor allem im letzten Drittel der Legeperiode eine Herausforderung dar. Dann nämlich lassen Legepersistenz und Eischalenstabilität verstärkt nach und auch das Risiko für Gefiederschäden und Hautverletzungen steigt. 

Darüber hinaus reagieren Hennen nach der 70. Lebenswoche empfindlicher auf Mängel in der Haltungsumwelt. Bereits eine kurzzeitige Änderung in der Futterversorgung oder eine schroffe Futterumstellung können zum Mausern der Tiere und damit zum Einstellen der Legetätigkeit führen. 

Wichtige Kriterien für eine Verlängerung der Legeperiode

Nicht jede Herde eignet sich dafür, länger als 75 Lebenswochen gehalten zu werden. Experten nennen folgende Kriterien für eine gesunde, leistungsstarke Herde mit dem Potenzial, die 100 Lebenswochen zu schaffen:

  • stabile Tiergesundheit,
  • Mortalität im ersten Legejahr unter 6 Prozent,
  • 85 bis 90 Prozent Legeleistung pro Henne in der 70. Lebenswoche,
  • gute Befiederung,
  • geringes Auftreten von Verhaltensstörungen,
  • solide Schalenstabilität (Bruchfestigkeit mehr als 35 Newton) 
  • geringe Verlegerate (weniger als zwei Prozent).

Zudem sollte der Anteil an Sekunda-Eiern weniger als 5 bis 6 Prozent betragen, also der Anteil an Eiern, die aufgrund von Schönheitsfehlern oder geringfügigen Qualitätsmängeln nicht den Standards für Endverbraucher entsprechen. 

Inwiefern eine längere Nutzungsdauer realistisch erscheint, können Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter durch Analyse der oben genannten Parameter bei zurückliegenden Herden für sich ableiten. Nach den Erfahrungen von Fachleuten eignen sich Weißleger besser für eine längere Nutzungsdauer als Braunleger. Bei Letzteren ist eine verlängerte Legeperiode aufgrund der nachlassenden Eischalenstabilität schwerer zu erreichen. 

Vorteilhaft ist ein niedrigeres Eigewicht, denn zwischen Eigewicht und Schalenbruchfestigkeit besteht eine enge Korrelation.

Grundstein ist die Aufzucht

Obwohl die Herausforderungen einer verlängerten Legeperiode verstärkt im letzten Drittel der Legeperiode liegen, wird der Grundstein für den Erfolg bereits in der Aufzucht gelegt, und zwar schon in der ersten Aufzuchtphase. Das hängt damit zusammen, dass die Organe – also auch die Legeorgane – bis zu einem Alter von fünf Wochen ausgebildet werden. In dieser Phase muss das Augenmerk vermehrt auf dem Wachstum der Tiere liegen. Vor allem müssen die Tiere lernen Futter und Wasser zu finden, damit sie reichlich davon aufnehmen.

In der zweiten Aufzuchtphase findet hauptsächlich das Wachstum von Skelett und Muskeln statt. Hier gilt es, nicht zu intensiv zu füttern und die Nährstoffdichte zu reduzieren. Das wird durch das Erhöhen des Rohfasergehaltes von mehr als 5 Prozent und das Anbieten von Grit erreicht. Die Junghennen müssen in dieser Phase trainieren, viel Futter aufzunehmen. Es bietet sich an, das Tagesfutter zu drei Futterzeiten zu verabreichen und dazwischen lange Futterpausen zu lassen, damit die Tröge leergefressen werden.

Ziel ist es, bis zur 16. Lebenswoche eine hohe Uniformität der Herde von mehr als 85 Prozent zu erreichen. Das Management der Herde, zum Beispiel das Lichtprogramm oder der Futterwechsel, sollte sich am mittleren Gewicht der Junghennen orientieren. 

In jedem Fall wird empfohlen, Stress während der Aufzucht zu vermeiden. Dies wird unter anderem durch eine gute Haltungsumwelt mit vielen Aufstiegshilfen, attraktiver Einstreu und zusätzlichem Beschäftigungsmaterial erreicht. Im Sinne einer guten Gesundheitsprophylaxe sollten Impfungen und Parasitenbehandlungen in Aufzucht und Legehennenhaltung aufeinander abgestimmt und tierärztlich besprochen werden.  

Kalziumversorgung sicherstellen

Wer eine verlängerte Legeperiode der Herde anstrebt, muss besonders auf den Erhalt der Bruchfestigkeit der Schale achten. Hierbei ist eine ausreichende und richtige Versorgung der Legehennen mit Kalzium ein zentraler Punkt. 

Als wichtigste Kalziumquelle im Legefutter gilt kohlensaurer Futterkalk, dessen Anteile aus grobem und feinem Kalk entsprechend den Anforderungen jeder Fütterungsphase passend zusammengestellt sind. 

Grober Kalk ist deutlich langsamer löslich und steht dem Organismus damit später zur Verfügung als feinstrukturierter Kalk. Demnach müssen je nach Futterphase mit Alter ansteigend 70 bis 85 Prozent des Kalks in grob strukturierter Form von 1,5 bis 3,5 Millimeter vorliegen. 

Darüber hinaus ist die Versorgung mit Vitamin D3 wichtig, da dieses Vitamin durch seine Funktionen im Kalziumstoffwechsel eine große Bedeutung für die Schalenqualität hat. Empfohlen werden 2.500 Internationale Einheiten pro Kilogramm Legehennenfutter. Zusätzliche Gaben von Austernschalen oder grobem Futterkalk helfen, individuell auf den Bedarf der Tiere zu reagieren. 

Es wird empfohlen, zusätzliches Kalzium bereits ab der 35. Lebenswoche zu verabreichen. Dies unterstützt auch eine gute Mineralisierung der Knochen. Besonders bewährt hat sich ein Aufdosieren von 1 bis 3 Gramm Futterkalk oder Austernschalen je Henne und Tag bei der Nachmittagsfütterung. Alternativ kann der Futterkalk über die Beschäftigungsautomaten breitwürfig in der Einstreu verteilt werden. 

Letzte Aktualisierung 12.02.2026

Aktuell: Vogelgrippe, Geflügelpest, Aviäre Influenza

Portrait einer braunen Legehennen im Auslauf.

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