Nährstoffüberschüsse senken Nährstoffüberschüsse senken

So lassen sich Nährstoffüberschüsse senken

In der Fütterung von Schweinen gibt es verschiedene Hebel, um Nährstoffüberschüsse in der Schweinehaltung zu senkenund die Umwelt zu schützen. Der verminderten Rohproteinfütterung kommt hier die größte Bedeutung zu.

Nährstoffüberschüsse der Schweinehaltung lassen sich senken. In der landwirtschaftlichen Tierhaltung entstehen große Mengen nährstoffreicher Exkremente, die als Dünger auf die Felder verbracht werden. Der Gesetzgeber gibt zwar Grenzen vor, wie viel Stickstoff mit den tierischen Düngern maximal ausgebracht werden darf. Dennoch versickern Teile dieses dieser Nährstoffe ungenutzt im Boden oder gehen gasförmig verloren und belasten so Umwelt und Klima. Laut Thünen-Report 2025 stammen im Jahr 2023 12 Prozent der landwirtschaftlichen Ammoniakemissionen aus der Schweinehaltung. 

Um Umwelt- und Klimaherausforderungen entgegen zu treten, hat Deutschland die Düngeverordnung verschärft. Hinzu kommen strenge EU-Vorgaben zur Minderung der Ammoniak-Emissionen. Landwirtinnen und Landwirte müssen Nährstoffüberschüsse noch weiter reduzieren, wenn sie nicht Gefahr laufen möchten, den Tierbestand abzustocken oder zusätzliche Flächen für die Ausbringung der eigenen Wirtschaftsdünger pachten zu müssen.

In der Schweinehaltung können über die Fütterung Nährstoffe gesenkt werden. Die wichtigsten Ziele und Ansätze sind

  • eine Verringerung der Rohproteinaufnahme durch Stickstoff- und Phosphor-reduzierte Fütterungsverfahren,
  • eine Verschiebung der Stickstoffexkretion vom Harn zum Kot und
  • eine Absenkung des pH-Wertes von Urin und Kot.

Weniger Rohprotein- und Phosphoraufnahme

Über eine Absenkung des Rohproteingehalts im Futter können die Stickstoffausscheidungen von Schweinen deutlich reduziert werden. Untersuchungen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft haben gezeigt, dass eine Stickstoff (N)- und Phosphor (P)-reduzierte Fütterung von Mastschweinen sowohl zu niedrigeren Gesamt-Stickstoffgehalten als auch zu niedrigeren Ammonium-N-Gehalten in der Gülle führten. 

In Versuchen mit Mastschweinen in Bayern konnten mit einer stark rohproteinreduzierten Fütterung die Stickstoffausscheidungen um acht Prozent gesenkt werden. Ähnliche Versuche führte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen durch. Dort reduzierten sich die Stickstoffausscheidungen durch die rohproteinverringerte Fütterung um vier Prozent.

Geringere Stickstoffausscheidungen sind in der Regel auch mit erheblich geringeren Ammoniakemissionen verbunden. Generell, so eine Metastudie aus dem Jahr 2018, kann davon ausgegangen werden, dass eine Rohproteinsenkung um einen Prozentpunkt zu einer Reduzierung der Ammoniakemissionen von etwa 11 Prozent führt.

Es hat sich zudem in beiden Untersuchungen gezeigt, dass durch die N- und P-reduzierte Fütterung auch die Phosphorausscheidungen deutlich verringert werden konnten. In den Versuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen lagen die Phosphorausscheidungen der Schweine mit stark N- und P-reduzierte Fütterung um 19 Prozent niedriger als die derjenigen Schweinen, die standardmäßig gefüttert wurden.

Zusätzlicher Nutzen durch geringere Kosten und gesündere Tiere 

Sowohl die Untersuchung in Bayern als auch die in Niedersachsen zeigten, dass die Mast- und Aufzuchtleistung durch die Rohproteinsenkung nicht wesentlich beeinträchtigt wurden. Die Rohproteinsenkung führt damit also zu einer bedeutenden Senkung der Nährstoffausscheidungen und zu einer Kostenersparnis. Sie verbessert zudem die Stallluft für Mensch und Tier und kann sich letztlich durch geringere Stoffwechsel- und Leberbelastungen auch positiv auf die Tiergesundheit auswirken.

Was ist bei der N- und P-reduzierten Fütterung zu beachten?

Voraussetzung für eine N- und P-reduzierte Fütterung ist, dass die Effizienz der Nährstoffverwertung verbessert wird. Dies lässt sich durch den gezielten Austausch eines Teils der Aminosäuren aus Futterproteinquellen wie Sojaextraktionsschrot durch freie, kristalline Aminosäuren erreichen. Zu beachten ist allerdings, dass alle lebensnotwendigen Aminosäuren in ausreichenden Mengen auf dünndarmverdaulicher Basis enthalten sind. Auch der Bedarf an verdaulichem Phosphor muss gedeckt sein.

Um eine derartige Fütterung nahe am tatsächlichen Bedarf der Tiere und ohne Sicherheitszuschläge sicherstellen zu können, muss mehrphasig gefüttert werden. Nur so sind die Nährstoffansprüche der Schweine in allen Gewichtsbereichen zu decken. Gleichzeitig sind genaue Kenntnisse über die Gehalte der Inhaltsstoffe und ihrer Verdaulichkeit der verwendeten Futtermittel erforderlich. Eigenmischer müssen zusätzlich auf die Ziehung repräsentativer Proben achten. 

Wie wirken zusätzliche Faserstoffe auf die Nährstoffausscheidungen?

Verschiedene Untersuchungen der letzten Jahre konnten zeigen, dass Faserstoffe eine positive Wirkung auf die Darmgesundheit und das Wohlbefinden von Schweinen haben. Daher raten Experten heute vielfach dazu, den Faserstoffgehalt der Futterration zu erhöhen und faserreiches Beschäftigungsfutter zuzufüttern.

Aus Sicht des Umwelt- und Klimaschutzes hat die Faserstofffütterung Vor- und Nachteile. Negativ wirkt sich aus, dass durch die erhöhte Aufnahme von Faserstoffen sich die Verdaulichkeit anderer Nährstoffe im Dickdarm verringert und damit die Stickstoffbilanz verschlechtert. Auf der anderen Seite wirken die bei der Fermentation von Faserstoffen im Dickdarm entstehenden kurzkettigen Fettsäuren jedoch pH-Wert-senkend, was dazu führt, dass insgesamt weniger des in der Gülle gebundenen ammoniakalischen Stickstoffs als flüchtiges Ammoniak verloren geht. 

Die Faserstofffütterung bringt aber auch in anderer Weise Vorteile mit sich. Denn durch die Verfütterung von Faserstoffen kommt es zu einer starken Vermehrung der Dickdarmflora. Dadurch wird mehr Stickstoff in Bakterienprotein umgewandelt, was zu einer Verschiebung der Stickstoffausscheidungen vom Harn zum Kot und damit letztlich zu einer Reduzierung der Ammoniakemissionen führt.

Stickstoff aus dem Harn als Hauptproblem

Stickstoff, der über Harn ausgeschieden wird, wird über das Enzym Urease, welches im Kot enthalten ist, in Ammoniak und Kohlendioxid umgewandelt. Stickstoff im Kot wird hauptsächlich als Bakterienprotein ausgeschieden und ist dadurch weniger anfällig für den schnellen Abbau.

Mehr Faserstoffe, mehr Methan

Allerdings führen Fütterungsmaßnahmen, die die Kotmasse erhöhen – wie die zusätzliche Faserfütterung – auch zu einer verstärkten Methanbildung und wirken damit wiederum negativ auf das Klima.

Eine Möglichkeit, dem entgegenzusteuern, könnte der Einsatz probiotischer Futterzusätze, wie Bacillus spp. sein. Diese haben neben den bekannten positiven Effekten auf die Tiergesundheit und die Leistung auch mindernden Einfluss auf die Freisetzung von Methan und Ammoniak. Ziel bei der Auswahl der Probiotika-Spezies sollte die Maximierung des Abbaus von Rohfaser im Darm sein. In der Folge wäre die Substratverfügbarkeit für weiteren mikrobiellen Abbau und damit Gasproduktion in der Gülle reduziert. Allerdings ist anzunehmen, dass die Methanproduktion auch durch den direkten Eintrag von organischer Substanz in die Gülle – also durch nicht gefressenes Raufutter und Einstreu  – ansteigt.

Letzte Aktualisierung 29.07.2026

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