Emissionsminderung im Außenklimastall Emissionsminderung im Außenklimastall

Emissionsminderung im Außenklimastall

Emissionsminderung im Außenklimastall ist das Ziel. Die Emissionsminderung über Abluftreinigungssysteme wie Biowäscher und Biofilter ist in offenen Stallsystemen jedoch nicht möglich. Andere Maßnahmen zur Emissionsminderung sind erforderlich.

Schweinehaltungen auf Voll- und Teilspaltenböden verlieren in Deutschland an gesellschaftlicher Akzeptanz. Stallum- und Neubauten haben heute das Tierwohl im Fokus. Schweinen soll ein tiergerechteres Haltungsumfeld mit Einstreu und Außenklimareizen möglichst im Auslauf geboten werden. 

Mit Einführung der Haltungsstufenkennzeichnung durch den Handel können sich Verbraucher bewusst für Produkte aus tiergerechteren Haltungsformen entscheiden. Die Haltungsformen 3, 4 und 5, also die Formen Frischluftstall, Auslauf und Weide sowie Bio, stehen für Haltung im Außenklimastall. Die Ankündigung verschiedener Handelsunternehmen, in naher Zukunft nur noch Frischfleisch der Haltungsform 3 bis 5 in ihrem Sortiment zu führen, setzt Tierhaltende unter Anpassungsdruck.

Umbau- und Neubaumaßnahmen müssen neben der tierwohlgerechten Gestaltung jedoch auch emissionsschutzrechtliche Anforderungen erfüllen. Abluftreinigungsanlagen können bei Außenklimaställen aber nicht genutzt werden, da die zentrale Abluftführung entfällt. Es müssen daher unter Umständen alternative Maßnahmen zur Emissionsminderung ergriffen werden. Genaueres regelt die Vollzugshilfe Schweinemast. Verschiedenes hat sich in der Praxis bereits bewährt. Anderes ist auf dem Weg zur Zulassungs- und Praxisreife.

Bauliche Maßnahmen

Der Stall mit dem Funktionsbereich Liegen und Schlafen sollte wärmegedämmt sein. Die Liegeflächen sollten zugluftfrei sein, sonst neigen die Tiere dazu, auch diesen Bereich zu verschmutzen. Der Stall sollte aber auch Kühlmöglichkeiten vorhalten, um insbesondere bei Sommerhitze seine Funktion aufrecht zu erhalten. In Außenklimaställen ohne Auslauf lassen sich getrennte Funktionsbereiche durch großzügig dimensionierte Buchten mit Strukturelementen schaffen. Funktionieren diese zuverlässig, reduzieren sich die emissionsaktiven Oberflächen.

An heißen Sommertagen sollten die Ruheflächen im Stallinneren stets kühler als der Auslauf sein. Ansonsten können sich die Funktionsbereiche umkehren.

Einsatz von Urease-Inhibitoren

Minderungspotentiale bieten auch sogenannte Urease-Inhibitoren. Sie hemmen das im Kot enthaltene Enzym Urease, das zur Harnstoffhydrolyse benötigt wird und maßgeblich zur Bildung und Freisetzung von Ammoniak beiträgt. Die Anwendung muss allerdings täglich erfolgen. Der beste Zeitpunkt für die Ausbringung ist unmittelbar nach dem Entmisten durch einen Schieber.

Die Anwendung von Ureaseinhibitoren in der Schweinehaltung zeigt positive Ergebnisse, wie Messungen der Uni Kiel im Rahmen des Verbundprojektes EmiMin ergeben.

Gülleansäuerung

Die Gülleansäuerung mit konzentrierter Schwefelsäure macht sich zunutze, dass Ammoniak bei einem niedrigen pH-Wert von unter 5,5 in der Gülle überwiegend als Ammonium vorliegt. Ammonium gast nicht aus und ist nach dem Eindringen der Gülle in den Boden direkt pflanzenverfügbar.

Mit angesäuerter Gülle aus dem Güllelager können die Güllekanäle im Stall oder Auslauf gespült werden. Nach dem VERA-Prüfprotokoll, Verification of Environmental Technologies for Agriculatural Production, beträgt die Emissionsminderung des Verfahrens 64 Prozent. Hier sind jedoch JGS-Genehmigungsvoraussetzungen und die höhere Beton- und Metallkorrosion zu berücksichtigen. Die Uni Bonn hat im Projekt SAFT ein Verfahren entwickelt, bei welchem die angesäuerte Gülle im Stall gelagert werden kann. 

Verkleinerung der Güllekanäle und regelmäßige Entleerung

Die größten Minderungspotentiale der Emissionen haben ein rascher Abfluss der Gülle und die unmittelbare Trennung von Kot und Harn. Hierbei helfen glatte Bleche und Böden mit Neigung, die in bestehende Kanäle eingesetzt werden. Diese sollten sauber gehalten oder bei Bedarf gespült werden.

Moderne Strukturspaltenböden aus Kunststoff beschleunigen ebenfalls den Abfluss. Ammoniakemissionen können so gegenüber dem Einsatz Betonvollspalten um bis zu 37 Prozent reduziert werden. 

Das Angebot von planbefestigten Liegebereichen und perforierten Aktivitäts- sowie Kotbereichen fördert den Durchtritt des Kots und vermindert die emissionsaktiven Oberflächen. Die Gülle sollte regelmäßig während der Durchgänge in ein geschlossenes oder abgedecktes Güllelager außerhalb des Stalls entleert werden.

Stroh, dass häufig in Ställen höherer Haltungsformen vorkommt, erschwert den Abfluss der Gülle. 

Kot-Harn-Trennung

Kot und Harn können in einer Unterflurschieberentmistung wirkungsvoll getrennt und so der Prozess der Harnstoffhydrolyse unterbunden werden. Im Verbundprojekt EmiMin wurde an der Universität Hohenheim die Kot-Harn-Trennung mit Unterflurschieberentmistung im perforierten Auslauf untersucht. Das Emissionsminderungspotential betrug hierbei 49 Prozent. 

Management von Festmist

Je trockener der Mist ist, desto geringer ist die Umsetzung von Harnstoff in Ammoniak. Haltungssysteme, die ausschließlich auf Festmist setzen, sollten darum regelmäßig entmistet und häufig nachgestreut werden. Tiefstreuställe haben den höchsten Bedarf an Einstreumaterial. Aber auch hier ist es möglich, den Harn durch einen schrägen Boden in einen tiefer gelegenen Güllekanal oder eine Harnrinne zügig ablaufen zu lassen. Das verlangsamt die Harnstoffhydrolyse. 

Emissionen durch Fütterung reduzieren

Ein effektiver Hebel zur Senkung des Ammoniakanfalls ist die Fütterung. Denn die Eiweißversorgung der Schweine wirkt sich auf die Höhe der Ammoniakemissionen aus. Als Faustregel gilt: Ein Prozentpunkt weniger Rohprotein im Futter kann den Ammoniakausstoß um rund 10 Prozent senken.

Voraussetzung für eine Rohproteinsenkung ist die Fütterung von hochverdaulichen essentiellen Aminosäuren. Die Preiswürdigkeit dieser Maßnahme hängt jedoch von der jeweiligen Marktsituation ab. Ökobetriebe dürfen solche Aminosäuresupplemente nicht verfüttern und müssen den Bedarf über hohe Rohproteingehalte decken. Entscheidend ist es, den Bedarf der Tiere gutmöglichst zu kennen und die Fütterung entsprechend anzupassen. In der Schweinemast sollte wenigstens eine dreiphasige Fütterung umgesetzt werden, soweit die technischen Voraussetzungen für eine Mehrphasenfütterung dieses zulassen. 

Bei allen Haltungssystemen hat die Reduzierung von Futterverlusten großes Potential. Die Tiere werfen zur Befriedigung ihres Wühl- und Spielbedürfnisses erhebliche Futtermengen in den Güllekanal.

Letzte Aktualisierung 17.03.2026

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