Meldepflichtige GeflügelkrankheitenMeldepflichtige Geflügelkrankheiten

Welche Geflügelkrankheiten sind meldepflichtig?

Meldepflichtige Geflügelkrankheiten werden nicht staatlich bekämpft. Sie erfordern jedoch eine ständige Überwachung, um frühzeitig notwendige Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Dazu müssen sie den zuständigen Behörden mitgeteilt werden. Welche Erkrankungen beim Geflügel sind meldepflichtig?

Meldepflichtige Tierkrankheiten sind übertragbare Krankheiten, die kontinuierlich überwacht, aber nicht staatlich bekämpft werden. Zuständige Behörden müssen über das Auftreten oder den Verdacht solcher Krankheiten informiert werden. Die Meldepflicht dient hauptsächlich statistischen Zwecken und erfordert Angaben wie das Datum, die betroffene Tierart, den Bestand und den Landkreis. Meldungen werden von Veterinäruntersuchungsämtern, Tiergesundheitsämtern sowie Tierärzten, die eine meldepflichtige Krankheit feststellen, an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft weitergeleitet. Gemäß der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten müssen folgende Geflügelkrankheiten gemeldet werden:

  • Campylobacteriose,
  • Gumboro-Krankheit,
  • Infektiöse Laryngotracheitis des Geflügels,
  • Mareksche Krankheit,
  • Salmonellose und
  • Vogelpocken.

Auch die niedrigpathogene Form der Aviären Influenza bei Wildvögeln zählt zu den meldepflichtigen Geflügelkrankheiten.

Campylobacteriose

Die Campylobacteriose ist eine ansteckende Durchfallerkrankung des Menschen, die durch verunreinigte Lebensmitteln übertragen wird, zum Beispiel von Geflügelfleisch. In Deutschland erkranken jährlich etwa 60.000 bis 70.000 Menschen an einer Campylobacter-Enteritis (Enteritis = Darmentzündung). Die Erkrankungen treten vor allem in der warmen Jahreszeit auf und äußern sich durch Durchfälle, Bauchschmerzen, Fieber und Mattigkeit.

Es gibt über 30 verschiedene Campylobacter-Arten, die in der Natur weit verbreitet sind. Die Verunreinigung von Lebensmitteln und Wasser erfolgt hauptsächlich durch die Ausscheidungen von Tieren.

Beim Geflügel kommen Campylobacter-Keime im Magen-Darm-Trakt vor, ohne dass die Tiere sichtbar erkranken. Die Keime können auf verschiedenen Wegen in die Geflügelbestände gelangen, zum Beispiel über infizierte Wildvögel. Unzureichend gereinigte und desinfizierte Transportkäfige für Geflügel sowie kontaminiertes Tränkwasser sind weitere Infektionsquellen. Infizierte Herden stellen ein Problem für die Schlachtung dar: Werden zuerst Campylobacter-positive Herden geschlachtet und danach unbelastete Herden, kann dies zu einer unerwünschten Übertragung der Erreger führen. Um das zu vermeiden, muss das Schlachtgeflügel bereits während der Mast auf Campylobacter untersucht werden.

Gumboro-Krankheit

Die Gumboro-Krankheit, auch bekannt als Infektiöse Bursitis (IBD), ist eine häufige Viruserkrankung bei jungen Hühnern. Sie betrifft die Bursa Fabricii, ein wichtiges Organ im sich entwickelnden Immunsystem der Tiere. Die Krankheit ist hoch ansteckend für Hühner, aber für Menschen und andere Tierarten ungefährlich. Geflügel infiziert sich in der Regel über die Aufnahme von kontaminiertem Kot oder von anderem kontaminiertem organischem Material. Im Geflügelkörper zerstört der Erreger unreife B-Lymphozyten und schwächt dadurch das körpereigene Abwehrsystem.

Gumboro bricht plötzlich aus. Infizierte Vögel zeigen Symptome wie Depressionen, gesträubtes Gefieder und schlaffes Aussehen. Die Sterblichkeitsrate variiert je nach Infektionskraft des Virus, der Vogelart (Lege- oder Masttier) und dem Immunstatus des infizierten Vogels. In der Regel liegt sie bei 10 bis 20 Prozent, kann aber auch bis zu 90 Prozent betragen. Betroffene Tiere sterben innerhalb von fünf bis sieben Tagen nach der Infektion. Sterbende Vögel leiden oft unter Dehydrierung. Häufig finden sich punktförmige Einblutungen in der Oberschenkel- und Brustmuskulatur. Um die Krankheit zu bekämpfen, werden verbesserte Biosicherheitsmaßnahmen und Impfungen mit Lebendimpfstoffen eingesetzt.

Infektiöse Laryngotracheitis des Geflügels

Die infektiöse Laryngotracheitis (ILT) ist eine ansteckende Entzündung von Kehlkopf und Luftröhre, die durch ein Herpesvirus verursacht wird. Die Krankheit hat ein sehr enges Wirtsspektrum. Sie befällt vor allem Haushühner und Puten, aber auch Fasane und Pfauen. Die Übertragung der ILT erfolgt oft durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, da der Erreger in den Atemwegssekreten enthalten ist. Auch symptomfreie Tiere können das Virus ausscheiden. Eine indirekte Übertragung der ILT ist ebenfalls möglich, zum Beispiel über verschmutzte Eierkartons oder mit der Einstreu.

Symptome der infektiösen Laryngotracheitis sind Atemnot oder Kurzatmigkeit, blutig-schleimiger Ausfluss, Bindehautentzündung und geschwollene Unteraugenhöhlen. Die Krankheit führt außerdem zu einem drastischen Rückgang der Legeleistung und einer geringeren Gewichtszunahme der betroffenen Tiere. Die Mortalitätsrate kann bis zu 70 Prozent betragen, wobei viele Tiere plötzlich ersticken oder an Erschöpfung sterben.

Mareksche Krankheit

Die Mareksche-Krankheit ist eine ansteckende Infektionskrankheit bei Hühnervögeln, die durch Viren verursacht wird. Sie tritt vor allem in Ländern mit intensiver Geflügelproduktion auf. Die Krankheit wird hauptsächlich durch das Einatmen von infektiösem Material und durch belebte Vektoren wie Zecken, Flöhe und Vogelmilben übertragen. Die Viren vermehren sich in den Körperzellen und befallen Knochenmark und Thymus, die primären lymphatischen Organe der Tiere. Infizierte Tiere zeigen verschiedene Symptome, zum Beispiel Lymphome an verschiedenen Organen, neurologische Probleme wie Schwäche und Lähmung der Beine sowie Schwellungen des Halses mit Atemnot und plötzlich auftretendem Hautausschlag. Einige Tiere zeigen keine typischen Anzeichen, sind aber aufgrund ihres geschwächten Immunsystems anfällig für Sekundärinfektionen und können somit andere Tiere infizieren.

Die Inkubationszeit der Marek-Krankheit beträgt normalerweise zwei bis sechs Wochen. Um die Krankheit zu verhindern, ist die Impfung der Tiere die wichtigste Maßnahme. Eine gründliche Hygiene spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Es gibt auch Ansätze, genetisch resistente Hühnerlinien zu züchten.

Salmonellose

Salmonellosen sind eine der häufigsten lebensmittelbedingten Infektionskrankheiten beim Menschen. Sie werden durch Bakterien, die Salmonellen, verursacht. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Stämme Salmonella Enteritidis und Salmonella Typhimurium. Salmonella Enteritidis wird hauptsächlich durch nicht ausreichend erhitzte Eier und eihaltige Speisen übertragen, insbesondere wenn sie rohe Eier enthalten. Salmonella Typhimurium hingegen wird durch rohes Fleisch oder unzureichend erhitzte Fleischerzeugnisse übertragen. Fehler in der Produktionskette, im Umgang mit Lebensmitteln und bei der Hygiene in Großküchen und Haushalten tragen zur Verbreitung der Krankheit bei. Dazu gehören zu lange Warmhaltezeiten, unzureichendes Aufwärmen oder mangelhafte Kühlung.

Salmonelleninfektionen, die durch Geflügel verursacht werden, sind von großer Bedeutung für die Lebensmittelindustrie. Daher werden sie seit vielen Jahren gemäß der europäischen Zoonose-Richtlinie bekämpft. Zunächst konzentrierte man sich auf Maßnahmen in der Legehennenhaltung, später folgten Masthähnchen und Puten. Auch die Futtermittelherstellung wird in die Bekämpfungsprogramme einbezogen. In Aufzuchtbetrieben besteht eine Impfpflicht gegen Salmonellen. Ziel ist es, die Anzahl der Krankheitsfälle in den Produktionsherden auf unter 1 Prozent zu senken.

Vogelpocken

Vogelpocken, auch bekannt als Geflügelpocken, sind eine ansteckende Infektionskrankheit, die durch Avipox-Viren verursacht wird. Vogelpocken können bei allen Vogelarten auftreten. Die Krankheit ist hochansteckend, aber die Sterblichkeitsrate ist in der Regel gering. Parasiten wie Stechmücken, Milben oder Flöhe sind die Hauptüberträger der Erreger.

Vogelpocken zeigen sich meist in Form von eitrigen Pusteln, die nach einigen Wochen eintrocknen, braun werden und abfallen. Diese Form der Vogelpocken betrifft die Haut. Bei der Schleimhautform – einer weiteren Krankheitsform – entwickeln sich die Hautveränderungen auch an den Schleimhäuten in der Schnabelhöhle, der Zunge und dem Schlund. Sie können sich aber auch in den Atemwegen ausbreiten (Lungenform) und zu Atemproblemen (Schnapp-Atmung) führen. Eine Avipox-Infektion kann auch ohne sichtbare Symptome auftreten und rasch zum Tod führen. Bereits infizierte Vögel müssen isoliert werden.


Letzte Aktualisierung 14.05.2024

Tierwohl-Kompetenzzentrum Schaf

Beratung & Wissenstransfer

Netzwerk Fokus Tierwohl

Logo des Netzwerks Fokus Tierwohl

Zu den Veranstaltungen

Bekanntmachungen des Bundesprogramms Nutztierhaltung

Zweinutzungshühner im Freiland

Bekanntmachungen

Nach oben
Nach oben