Schwanzbeißen: Früh erkennen und schnell handeln Schwanzbeißen: Früh erkennen und schnell handeln

Schwanzbeißen: Früh erkennen und schnell handeln

Wenn Schweine die Schwänze ihrer Kollegen benagen, deutet dies auf eine Verhaltensstörung oder auf Entzündungsprozesse hin. Die Ursachen sind vielfältig und miteinander verzahnt. Doch es gibt Signale, die schon früh auf Probleme hinweisen. Werden diese Signale rechtzeitig erkannt, lässt sich ein Schwanzbeißgeschehen im Stall abwenden oder eindämmen.

Gestern war im Stall noch alles in Ordnung, am nächsten Morgen haben mehrere Schweine blutige Schwänze. Praktisch über Nacht kann Schwanzbeißen im Stall sichtbar werden. Doch es gibt frühzeitig sichtbare Indikatoren, die das Schwanzbeißgeschehen ankündigen. Werden sie rechtzeitig erkannt und richtig interpretiert, lässt sich mit verschiedenen Maßnahmen gegensteuern und so ein größerer Schaden abwenden. Wichtig ist, dass alle im Stall beschäftigten Personen diese Signale kennen.

So kündigt sich Schwanzbeißen an

Schon einige Tage vor dem Ausbruch des Schwanzbeißens ändern die Schweine ihr Verhalten. Sie sind deutlich unruhiger und aktiver. Sie versuchen Gegenstände und Buchtenwände zu manipulieren oder Personen, die die Bucht betreten, und Buchtengenossen zu bewühlen. Ein entscheidendes Warnsignal ist ein hängender Schwanz und Schwanzwedeln. 

Die Schweine benagen sich untereinander und zwar vor allem an Ohren und Schwänzen. Zunächst wird in der Regel noch nicht richtig zugebissen, so dass zunächst kein Blut fließt. Die benagten Schweine dulden dieses Verhalten. Auffallend sind in der Folge Haarverluste an der Schwanzspitze und der Schwanzbasis. Häufig stehen diese Veränderungen am Schwanz mit systemischen Entzündungsprozessen (SINS) in Verbindung. 

Bissmale fehlen. Bei einem agressiven Beißgeschehen, bei dem Buchtengenossen andere Tiere mutwillig verletzen, sind Bissmale an der oberen und untereren Seite des Schwanzes sichtbar.   

Diese Veränderungen sind für Fachleute deutliche Warnsignale für den Ausbruch von Schwanzbeißen. In Versuchen ist es gelungen, den Ausbruch von Schwanzbeißen durch Beobachtung bereits sechs Tage vorherzusagen.

Was tun, wenn erste Signale bemerkt werden?

Werden die Signale, die die Schweine durch ihr Verhalten geben, rechtzeitig richtig gedeutet, kann mit verschiedenen Maßnahmen effektiv gegengesteuert werden. Wichtig ist es, bei den ersten Anzeichen sofort zu handeln und die Tiere abzulenken.

Als Akutmaßnahme ist es sinnvoll, mehr Beschäftigungsmaterial anzubieten. Gut eignet sich Raufutter wie Heu und Stroh, Mais- oder Grassilage sowie Gras- oder Luzernecobs. Die Bereitsstellung von Wühlerden und Ferkeltorfen helfen ebenfalls, akutes Schwanzbeißen zu lindern. Auch das Anbieten von Gesteinsmehl oder rotem Salzleckstein lenkt die Schweine ab. 

In der Praxis hat sich auch das Waschen der Tiere der betroffenen Bucht bewährt. Das sorgt zum einen für Abwechslung. Zum anderen werden Verkrustungen und Schmutz von den Tieren abgewaschen, was ihr Wohlbefinden erhöht. Anschließend werden die betroffenen Schweine mit Gesteinsmehl getrocknet.

Bälle und Ketten als Beschäftigungsmaterial in die Buchten zu geben, reicht allein nicht aus, um ein Schwanzbeißgeschehen zu lindern. Besser lassen sich die Tiere durch kaubare Materialien ablenken. Dazu zählen Holz, Hanfseile oder sogenannte Bite-Rites aus Naturkautschuk. Auch Jutesäcke und sogar unbedrucktes Papier haben schon geholfen.

Zur nachhaltigen Vorbeuge gegen Schwanzbeißen, hat sich in der Praxis die Optimierung der Futterration und Wasserversorgung sowie die Reduzierung von Hitzestress bewährt. Denn eine stabile Darmgesundheit steuert Schwanzbeißen wirksam entgegen .  

Welche Ursachen kann das Schwanzbeißen haben?

Fachleute unterscheiden drei verschiedene Formen des Schwanzbeißens: 

  • das zweistufige Beißen, 
  • das plötzlich gewaltsame Beißen und 
  • das obsessive Beißen.

Am häufigsten kommt das sogenannte zweistufige Beißen vor, wobei die erste Stufe noch als spielerisch bezeichnet werden kann. Erst Verletzungen der Haut führen dann zu intensiveren Beißvorgängen. Nekrosen an den Schwanzspitzen befördern hierbei. Das plötzliche und gewaltsame Beißen, bei dem es bereits bei der ersten Attacke zu Verletzungen kommt, wird eher bei Kämpfen beobachtet. Das tritt zum Beispiel bei Rangeleien um die besten Plätze am Trog oder um bevorzugte Liegeplätze auf. Als zwanghaft gilt das Beißen, wenn einzelne Tiere über einen längeren Zeitraum immer wieder andere benagen.

Die Verhaltensstörung kann auch auf Nährstoffdefiziten und schlechter Darmgesundheit beruhen. Häufig mangelt es den Betroffenen an bestimmten Aminosäuren, Mineralstoffen oder Rohfasergehalten. Ebenso belasten Myko- und Endotoxine im Futter den Stoffwechsel. Als Sofortmaßnahme sollten die Rationen entsprechend angeglichen werden. Um Toxine zu binden, eignen sich Huminsäuren, die zum Beispiel in Torfen vorkommen, Urgesteinsmehle und Bierhefe. 

Mängel in der Umwelt der Schweine sind häufig eine Ursache. Hierzu zählt beispielsweise Wassermangel, der zu Durst führt. Dazu kommt es, wenn die Anzahl der Tränken für die Anzahl der Tiere nicht ausreicht oder die Fließgeschwindigkeit des Wassers in den Tränken zu schwach ist. Gut für die Wasserversorgung von Schweinen sind Schalentränken in offener Fläche mit Wasserdesinfektion. Auch müssen Zuschläge beim Wasserbedarf bei höherer Umgebungstemperatur bedacht werden. Ab einer Temperatur von 22 Grad Celsius steigt der Wasserbedarf um 1,45 Prozent pro Grad und Tier an. 

Ebenfalls belastend für die Tiere sind zu hohe Schadgaskonzentration. Funktionierende Lüftungssysteme sind hier entscheidend. Auch die Temperatur im Stall und deren Schwankungen sowie die Luftgeschwindigkeit im Liegebereich spielen eine Rolle.

Hitzstress, Unruhe und Verhaltensstörungen werden auch durch Überbelegung begünstigt. Und schließlich hat der allgemeine Gesundheitsstatus der Tiere Einfluss auf das Auftreten von Schwanzbeißen.

Eine routinemäßige Dokumentation der Kontrolle bestimmter Tierschutz-Indikatoren hilft bei der Ursachenforschung. Dabei sollten auch besondere Ereignisse, wie technische Störungen, vermerkt werden, um diese als Ursachen erkennen zu können.

Täter separieren

Ist das Schwanzbeißen in einer Bucht bereits ausgebrochen, müssen sowohl die Täter als auch die Opfer umgehend aus der Bucht genommen werden. Während die Opfer an blutigen Ohren oder Schwänzen leicht zu erkennen sind, ist dies bei den Tätern nicht so einfach. Gelingt es, sie auf frischer Tat zu ertappen, sollten sie daher umgehend separiert werden. Tiere vom Schwanzbeißen abzubringen, wenn sie einmal damit begonnen haben, ist weitaus schwieriger.

Das Auge schulen

Um Schwanzbeißen möglichst frühzeitig zu erkennen, ist ein geschultes Auge für das Verhalten der Tiere entscheidend.

Dazu sind intensive Beratungen und Schulungen aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Stall erforderlich. Von Vorteil ist es, wenn einer der täglichen Kontrollgänge in der Hauptaktivitätsphase der Schweine am späten Nachmittag stattfindet. Auffällige Tiere werden so schneller erkannt.

Schweine kündigen ein bevorstehendes Schwanzbeißgeschehen in der Regel durch Veränderungen in ihrem Verhalten an. Das Wissen um diese Signale und das richtige Interpretieren ermöglichen es, rechtzeitig gegenzusteuern. Mit verschiedenen Maßnahmen lässt sich Schwanzbeißen in vielen Fällen verhindern oder eindämmen.

Letztlich ist es wichtig, den Ursachen auf den Grund zu gehen - auch für gute Leistungen im Stall.

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