Ad libitum oder restriktive Fütterung? Ad libitum oder restriktive Fütterung?

Ad libitum oder restriktive Fütterung?

Soll den Schweinen das Futter zur freien Verfügung angeboten werden – ad libitum – oder nur zu begrenzten Zeiten und in begrenzten Mengen – restriktiv? In Sachen Tierwohl kommt dieser Frage eine besondere Bedeutung zu.

Schweinemast

Futter ist für Schweine generell von großer Bedeutung. In natürlicher Umgebung verbringen sie mehrere Stunden am Tag mit der Futtersuche und dem Fressen. Begrenzungen der Fresszeit oder der Futtermenge führen somit unweigerlich zu Auseinandersetzungen an der Futterstelle. Eine Grundvoraussetzung für eine restriktive Fütterung ist daher, dass jedes Tier einen Fressplatz erhält. So schreibt es auch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vor.

In der Schweinemast ist allerdings auch bei einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1 ein arttypischer Abstand der Tiere zueinander kaum möglich. 

Außerdem wollen Schweine zwar in Gruppen fressen, sind aber grundsätzlich auch "futterneidisch". Deshalb stehen sie selten gerade, sondern eher schräg am Trog. Das heißt, selbst wenn rein rechnerisch genügend Fressplätze vorhanden sind, wird es eng. In der Folge drängen die Schweine sich häufig von hinten keilförmig zwischen zwei andere und das meist im Mittelbereich des Troges. 

Entweder wird so ein Tier direkt verdrängt und tritt nach hinten aus. Oder der Druck verteilt sich nach beiden Seiten, sodass alle Tiere etwas nach links und rechts rücken und letztlich eines oder beide Tiere an den äußeren Plätzen verdrängt werden.

Es gibt auch Tiere, die aufreiten. Sie springen von hinten auf einen Buchtenpartner, um diesen vom Trog zu verdrängen. Das Problem der Verdrängung nimmt bei Mastschweinen vor allem zum Ende der Mast zu, wenn die vorgegebene Fressplatzbreite nicht mehr der tatsächlichen Körperbreite entspricht.

Bei der ad libitum-Futtervorlage können die Schweine dagegen fressen, wann immer und so viel sie möchten. Dadurch entsteht grundsätzlich kein Hungerstress. Außerdem sind die Tiere länger beschäftigt. Ad libitum-Fütterung verursacht somit insgesamt weniger Stress bei den Tieren, weswegen sich auch mehrere Tiere einen Fressplatz teilen können.

Allerdings hat auch das seine Grenzen. Denn bei zu weiten Tier-Fressplatz-Verhältnissen kommt es ebenfalls zu Verdrängungen am Futterplatz. Wie Versuche zeigen, steigt außerdem das Risiko für Schwanzbeißen durch die längeren Wartezeiten vor den Futterstellen. In der Praxis sind derzeit Tier-Fressplatz-Verhältnisse zwischen 4:1 bei Trocken- und Sensorfütterung und 8:1 bei Breiautomaten üblich. Unter Tierwohl-Aspekten wäre ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1 ideal.

In der heutigen Haltungspraxis werden wachsende Aufzuchtferkel und Mastschweine in der Regel ad libitum und erwachsene Sauen und Eber restriktiv gefüttert.

Sauenhaltung

Tragende Sauen werden häufig restriktiv gefüttert. Es soll verhindern, dass die Tiere zu stark verfetten. Das könnte die Gesundheit der Tiere gefährden und die Wurfleistung beeinträchtigen. Wie in der Schweinemast, muss auch in der Gruppenhaltung von Sauen bei restriktiver Fütterung jedes Tier einen Fressplatz haben. Um Futterneid und Rangkämpfe an den Fressplätzen zu vermeiden, haben sich in der Sauenhaltung bei restriktiver Fütterung spezielle Fütterungstechniken etabliert.

Einen guten Schutz für die Tiere bieten Selbstfang-Fressstände, die die Sauen eigenständig zu den Fresszeiten aufsuchen können. In jeden Fresstand kann nur eine Sau, sodass alle Tiere ungestört fressen können. Selbstfang-Fressstände sind allerdings teuer und haben einen hohen Flächenbedarf.

Günstiger in der Anschaffung und im Flächenverbrauch ist die Drippel- oder Rieselfütterung. Das Prinzip dieser Fütterungstechnik besteht darin, dass eine geringe Dosiergeschwindigkeit der einzelnen Portionen die Sauen quasi an ihrem Fressplatz biologisch fixiert. Diese Technik vermeidet Verdrängungen nicht komplett, reduziert sie aber deutlich. Die Fressplätze müssen aber mit einer ausreichend tiefen (mindestens 1 m) und blickdichten Schulterblende voneinander abgetrennt sein. Drippelfütterung lässt sich auch über Rohr- oder Rohrbreiautomaten bewerkstelligen. Aufgrund verschiedener Faktoren ist die Drippelfütterung allerdings nur für kleine Gruppengrößen geeignet. Als reine Trockenfütterung hat sich diese Fütterungstechnik nicht bewährt, weil die Unterschiede in der Fressgeschwindigkeit zwischen den Sauen zu hoch sind.

Für Großgruppen kommen häufig Abrufstationen zum Einsatz. Das sind Futterautomaten, in die die Sauen einzeln hineinlaufen und in denen sie ungestört fressen können. Über eine Transpondersteuerung kann die Futteraufnahme jeder einzelnen Sau individuell gesteuert werden. Dies bietet einen zusätzlichen Vorteil gegenüber den zuvor beschriebenen Fütterungstechniken. Laut der Deutschen Landwirtschafts Gesellschaft (DLG) können mit einer Abrufstation bis zu 60 Sauen versorgt werden. Der Flächenbedarf ist damit gering. Ein Nachteil der Abrufstationen ist: Die Sauen können nur einzeln fressen, was nicht ihrem natürlichen Bedürfnis entspricht. Zudem kommt es vor den Stationen zu Auseinandersetzungen und neue Sauen müssen an die Stationen angelernt werden.

Ad libitum-Fütterungen sind in der Sauenhaltung aus den genannten Gründen seltener zu finden, kommen jedoch auch vor. Dadurch, dass die Tiere das Futter unbegrenzt aufnehmen können, kommt es hier seltener zu Verdrängungen und Rangkämpfen am Trog. Außerdem lassen sich ad-libitum-Fütterungen, zum Beispiel in Form von Futterautomaten, einfach und kostengünstig in den Buchten installieren. Standard-Sauenfutter sind laut DLG-Empfehlungen allerdings nicht geeignet, weil sie zu einer starken Verfettung der Sauen führen würden. Es muss daher ein energiereduziertes Futter verwendet werden. Dieses kostet mehr und wird in größeren Mengen gefressen und hebt damit die beim Fütterungssystem erreichte Kostenersparnis wieder auf.

Buchtenstruktur: Anordnung der Fressplätze in der Bucht

Ungenügende Buchtenstrukturen oder eine unpassende Anordnung können den Tieren zeitweilig den Zugang zu den Ressourcen Wasser und Futter verwehren. Das führt zu Stress bei den Tieren. Daher sollte darauf geachtet werden, dass der Zugang zu Futter, Wasser und Beschäftigungsmaterial jederzeit frei ist und auch nicht durch andere Tiere, zum Beispiel liegende Tiere an der Tränke, versperrt ist. 

Bei der Anordnung der Ressourcen in der Bucht sollte beachtet werden, dass die Tieren auf dem Weg dorthin nicht den Ruhebereich durchqueren müssen. Ungestörtes Ruhen anderer Tiere muss möglich sein. Der Einbau von strukturierenden Buchtenelementen erleichtert die Einrichtung von Funktionsbereichen. 

Die Einrichtung des Aktivitätsbereichs zum Beispiel mit Beschäftigungsobjekten in der Nähe des Tränke- und Fressbereichs kann die Nutzung dieses Bereichs als Liegebereich verhindern. Der Zugang zu Wasser und Futter bleibt somit frei. Voraussetzung für den Aufbau strukturierter Buchten ist jedoch ein ausreichendes Platzangebot, das in Kleingruppen (< 20 Schweine) deutlich über den gesetzlichen Vorgaben liegt.

In einem Projekt der Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) führte die Einordnung der mit Trennwänden versehenen Fressautomaten in die Mitte der Bucht dazu, dass das Risiko für Schwanzbeißen gegenüber dem Einbau in die Buchtentrennwand geringer war. Dies lag möglicherweise daran, dass dadurch ein zusätzliches Strukturelement geschaffen wurde und die Fressplätze besser zugänglich waren.

Letzte Aktualisierung 27.05.2026

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Afrikanische Schweinepest (ASP)

Mehrere Schweine laufen der Kamera in einer eingestreuten Bucht entgegen.

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