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Um gesunde und vitale Ferkel gewährleisten zu können, bedarf es eines Stalls, der den Tieren das Ausleben ihrer natürlichen Bedürfnisse ermöglicht. Bild: Countrypixel-adobe.stock.com
Buchtenstrukturen, die sich an den Bedürfnissen der Ferkel orientieren, fördern das Wohlbefinden der Tiere und beugen Stress vor. Schon durch Stallklima, Licht Bodenstruktur und Stalleinrichtung können verschiedene Funktionsbereiche in einer Bucht umgesetzt werden.
Damit Ferkel möglichst gesund und vital aufwachsen, benötigen sie eine ihren Bedürfnissen entsprechende Umgebung. Die Ferkelaufzucht ist abgesehen von der Säugezeit der anspruchsvollste Abschnitt in der Schweinehaltung. Hier ist besonders die Zeit rund um das Absetzen sensibel. Die frisch abgesetzten Ferkel müssen sich an neues festes Futter gewöhnen. Sie können nicht mehr an der Sau säugen und sind häufig auch noch mit fremden Ferkeln zusammen in einer Bucht eingestallt.
Diese Phase des Umbruchs birgt somit viele gesundheitliche Risiken wie Durchfall oder Atemwegsinfektionen. Auch Verhaltensstörungen wie Schwanz-, Ohren- und Flankenbeißen können auftreten. Eine sinnvolle Buchtenstrukturierung reduziert Stress und beugt so Beeinträchtigungen der Gesundheit vor.
In der Tierschutz-Nutztierverordnung werden lediglich Mindestanforderungen beschrieben. Idealerweise kommt in der Ferkelaufzucht und der Mast die gleiche Buchtenstruktur in entsprechenden Dimensionen zur Anwendung. Hierzu zählt auch das gleiche Fütterungs- und Tränkesystem.
Eine gute Buchtenstruktur berücksichtigt die Bedürfnisse der Ferkel zu jeder Zeit. Dazu zählen ungestörtes Ruhen und Schlafen, das Ausleben von Spiel- und Erkundungsdrang in der Aktivitätszeit und ausgiebiges Fressen gemeinsam mit den anderen Schweinen der Gruppe, wie es dem natürlichen Verhalten entspricht. Folgende Verhaltensbedürfnisse sollen möglich sein:
Eine Bucht sollte grundsätzlich Liege-, Fress-, Aktivitäts- und Kotbereiche aufweisen. Als Mindestgröße für eine funktionierende Buchtenstruktur empfehlen sich in der Ferkelaufzucht etwa 15 Quadratmeter. Dabei gilt allerdings, je größer die Bucht, desto besser, da sich je nach Besatzdichte insbesondere zum Ende der Aufzucht kaum mehr freie Bereiche ergeben.
Je größer die gesamte Bucht, umso leichter kann auch mit einer höheren Belegung eine erfolgreiche Strukturierung geschaffen werden. Die Funktionsbereiche der Bucht können mit den Hilfsmitteln Klima, Licht, Bodenstruktur und Einrichtung umgesetzt werden.
Frisch abgesetzte Ferkel brauchen gerade in den ersten Tagen in der Ferkelaufzucht Temperaturen von 28 bis 30 Grad Celsius im Liege- und Ruhebereich. Die Tiere haben diesen enorm hohen Wärmebedarf, weil sie nach dem Absetzen zunächst wenig fressen und damit nicht genug Energie produzieren. Das Temperaturoptimum von Aufzuchtferkeln liegt zwischen 25 und 20 Grad Celsius abnehmend im Verlauf des Wachstums. Ältere Schweine mögen es kühler.
Bevor bei Problemen Umbauten im Stall vorgenommen werden, sollte der Stall immer erst einmal ausgenebelt werden. Das lässt die Luftführung erkennen und Zugluft ausschließen. Alternativ kann der Bereich der Zugluft in die Buchtenstrukturierung mit eingeplant werden.
Möglich ist auch die Einrichtung von Mikroklimabereichen. Zum Beispiel durch Abdeckungen. Schweine liegen gerne unter einer Abdeckung, wo sie dunkel und zugluftfrei liegen können. In der Erprobung sind auch verschiedene Systeme zur Fußbodentemperierung. So können immer geeignete Liegeflächentemperaturen geboten werden.
Licht hat in der Tierhaltung mehrere Funktionen. Es ist wichtig für das Sehen von Tier und Mensch. Zum anderen ist es unabdingbar für eine umfassende Tierkontrolle und ein wichtiger Zeitgeber für periodisch wiederkehrende Abläufe.
Licht kann auch Umgebungen strukturieren. Das kann durch unterschiedliche Beleuchtung in den verschiedenen Funktionsbereichen erreicht werden. So sollte der Ruhe- und Schlafbereich eher dunkel, also nicht im Bereich der Fenster platziert sein oder mit einer Abdeckung abgedunkelt werden. Für die Kot- und Harnabscheidung suchen Schweine gerne heller ausgeleuchtete Bereiche auf.
Schweine beschäftigen sich während des Lichttages fast ausschließlich mit der Nahrungssuche. Dies ist bei der Strukturierung der Bucht im Hinblick auf die Funktionskreise, die mit Nahrungsaufnahme- und Erkundungsverhalten in Verbindung stehen, zu beachten. Während der Nahrungssuche finden Schweine ihre Nahrung durch Wühlen und Scharren in der Erde und auf dem Boden. Am besten werden diese Anforderungen über ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1 ermöglicht, beispielsweise durch den Einsatz eines Langtrogs bei gleichmäßiger Futterverteilung.
Futter und Beschäftigungsfutter ist an unterschiedlichen Orten und in der Bucht ad libitum anzubieten. Die Tröge sollten zwischen Liege- und Kotbereich und so angeordnet sein, dass der Zugang nicht von Buchtenmitgliedern versperrt werden kann. Schweine trinken gerne aus offenen Wasserstellen, weshalb Beckentränken zu bevorzugen sind. Zusätzlich angebrachte Nippeltränken können aus hygienischen Gründen und zur Sicherstellung der ausreichenden Wasserversorgung sinnvoll sein.
Alle Tränken sind täglich auf Funktion und Sauberkeit zu kontrollieren und sollten von der Anbringung her auf die Größe der Schweine angepasst sein. Tränken sind getrennt vom Trog im Aktivitätsbereich oder zwischen diesem und dem Kotbereich anzuordnen, jedoch nicht in Ecken, um ein Verkoten zu verhindern.
Keinesfalls sollte eine Tränke in einer offenen Gitterwand zur Nachbarbucht angebracht werden, da die Schweine sonst durch den Kontakt zur anderen Bucht veranlasst werden, diesen Bereich zu markieren und dadurch die Tränke verunreinigen. Kühlungsmöglichkeiten verhindern, dass Tränken als Suhlen genutzt werden.
Beschäftigungsmaterialien befriedigen den Bedarf nach Erkundung. Es gibt Beschäftigungsmaterialien, die zur Einstreu im Liegebereich dienen. Andere sollen vom Schwein gefressen werden oder manipulierbar sein. Sie sollten verschieden und jederzeit für alle Tiere verfügbar sein und frei von Feuchtigkeit, Schimmel und Schmutz.
Das Angebot von Beschäftigungsmaterialien unterstützt eine Buchtenstrukturierung. Im Kotbereich sollten sich keine veränderbaren und fressbaren Materialien wie zum Beispiel Seile, Säcke, Hölzer, Kratzbäume befinden. Gut platziert sind sie im Aktivitätsbereich. In der Buchtmitte, an einer Buchtenwand ohne Ecke oder im Liegebereich kann ein Wühlareal mit Beschäftigungsmaterial angelegt werden. Geeignet sind Raufutter, Holz, Seile, Säcke oder Torf.
Zu Raufutter zählen nicht nur Stroh und Heu in Lang-, Kurz- und Pelletform, sondern auch Silage, Trockenschnitzel, Luzernepellets, Getreidespelzen, Erbsen-, Sonnenblumen- oder Sojaschalen und vieles mehr. Auch eine Kombination aus einer Rohfaserkomponente in Pelletform mit einem Energieträger wie Körnermais, Erbsen, Ackerbohnen und gequetschtem Hafer, welchen die Schweine aus einer Schale herausarbeiten können, kann sinnvoll sein.
Auch Einrichtungsgegenstände und Elemente helfen, die Haltungsumgebung zu strukturieren und den Tieren die verschiedenen Funktionsbereiche zu verdeutlichen. So schafft der Einbau einer zweiten Ebene in der Ferkelaufzucht zusätzlichen Platz. Die Schweine erhalten mehr Bewegungsfreiheit und einen erweiterten Aktivitätsbereich. Der geschützte Bereich unter den Podesten hingegen wird gerne als Liegebereich genutzt.
Bei der Gestaltung der Podeste sind unterschiedliche Varianten möglich. Um unter den Podesten gut reinigen zu können, wird eine Höhe von 1,10 bis 1,20 Meter empfohlen. Es hat sich eine Tiefe von 1,30 Meter in der Ferkelaufzucht als ausreichend gezeigt. Zwei Rampen mit rutschfestem Material als Auf- und Abgang für die Tiere sind sinnvoll, damit sich rangverschiedene Schweine aus dem Weg gehen können.
In der Ferkelaufzucht wurden auch gute Erfahrungen mit nur einer Rampe gesammelt. Es können auch zwei Buchten mittels zweiter Ebene und je einem Aufstieg pro Einzelbucht miteinander verbunden werden. Grundsätzlich sollten die Rampen über Sprossen mit 12 bis 20 Zentimeter Zwischenraum und 3 mal 3 Zentimeter Erhöhung für einen trittfesten Gang verfügen.
Praktisch ist es, die Rampen hochklappbar anzubringen, damit die Bucht besser zu reinigen ist. Die Aufstiege sollten nicht zu steil sein. Als ideal gilt ein Neigungswinkel von 25 bis 30 Grad. Ein Gefälle von 0,5 Prozent vereinfacht das Ablaufen von Flüssigkeit und verkürzt die Trocknungszeit. Eine Kotabrisskante an der Hinterwand ist ebenfalls zu empfehlen. Ein Frontgitter ist offen und lediglich als Absturzsicherung anzubringen.
Ebenso können Bodenelemente eine Strukturierung der Bucht unterstützen. In der Ferkelaufzucht werden sowohl Kunststoffroste als auch eine Kombination daraus mit Betonspalten eingesetzt. Wenn ein Teil der Spalten durch Festfläche ersetzt wird, sollte vorher ein Kotbereich definiert werden, damit die Festflächen nicht verschmutzen.
Die Festflächen sollten im Liege- und Fressbereich der Bucht angeordnet sein. Gummimatten im Ferkelaufzuchtbereich können mit etwas Abstand zur Wand lose auf die Spalten gelegt werden. Eingesetzte Böden im Laufbereich sollten eine ausreichende Trittfestigkeit aufweisen. Bei jüngeren Tieren empfiehlt sich im Liegebereich ein geschlossener, wärmegedämmter Boden, der noch eingestreut werden kann oder sogar beheizbar ist.
Im Übergang zum Aktivitätsbereich kann eine Aufkantung in Form eines Kantholzbalkens dabei helfen, das organische Beschäftigungsmaterial im schlitzreduzierten Bereich der Bucht zu halten und die Tiere zum Wühlen anregen.
Der wohl am schwierigsten zu definierende Bereich in der Bucht ist derKotbereich. Es hat sich bewährt, eine Kontaktmöglichkeit von Schweinen zwischen zwei benachbarten Buchten eines Abteiles zu schaffen. Dies können ein Gitter oder einfache Löcher in der Buchtentrennwand sein. Die Tiere leben hier ihr Konkurrenz- und Rivalitätsverhalten aus, indem sie in diesem Bereich bevorzugt Urinieren und Abkoten. Dieser Bereich sollte geschützt in einer Ecke oder einer Wand angelegt werden. Das Anbringen eines Brettes oder eines Stückes Buchtentrennwand im Kotbereich oder das stündliche Befeuchten durch eine Vernebelungsanlage kann zusätzlich helfen, damit sich die Tiere hier geschützt zurückziehen.
In der Ferkelaufzucht geben Liegekisten den jungen Tieren Schutz. Sie können aus einer Abdeckung mit herunterhängenden Lamellen bestehen, die aus Gründen erhöhter Schadstoffkonzentrationen allerdings nicht bis zum Boden reichen sollten. Die Lamellenvorhänge sollten verstellbar sein, um die Größe des Liegebereichs optimal an die Größe der Tiere anzupassen. In diesem Bereich ist es für die Ferkel dunkler und wärmer als im Rest der Bucht. Eine Zonenheizung unter der Abdeckung verstärkt diesen Effekt.
Die Abteiltemperatur kann insgesamt dadurch auf etwa 20 Grad Celsius abgesenkt werden. Diese zwei Klimazonen helfen auch, ein Verkoten der Liegekisten zu verhindern, da die Tiere aufgrund des Temperaturunterschieds die Kiste als Liegebereich anerkennen. Wichtig: Es sollten sich keinerlei Spielzeuge oder Tränken im Liegebereich befinden, um das ungestörte Liegen zu ermöglichen. Futter kann dort hingegen angeboten werden.
Und nicht zuletzt können zur deutlichen Abgrenzung von Bereichen mittig in der Bucht Vorhänge aus Lamellen angebracht werden. Dabei wird der Kotbereich vom Liegebereich getrennt. Durch die optische Barriere, welche leicht von den Tieren passiert werden kann, wird Zugluft aus dem Liegebereich fern gehalten und im Kotbereich, wo Zugluft sinnvoll ist, gehalten.
Welche Maßnahmen zur Strukturierung erfolgreich sind und welche nicht, sollte mithilfe einer sorgfältigen Tierbeobachtung überprüft werden. Hinweise auf eine ungünstige Strukturierung sind verschmutzte Tiere oder Tiere, die nur in einer Ecke oder aufeinander liegen. Dann könnte es zu warm oder zu kalt sein oder aber der Liegebereich ist nicht eindeutig abgegrenzt. Häufiges Husten der Schweine beispeilsweise spricht für Zugluft in der Bucht.
Weiterhin muss bedacht werden, dass die Buchtenstruktur jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt. Was im Sommer gut funktioniert, kann sich im Winter anders darstellen. Es empfiehlt sich, Maßnahmen schrittweise umzusetzen und die Situation kontinuierlich zu beobachten.
Letzte Aktualisierung 07.08.2026