Haltungsumfeld als Teil der Lösung Haltungsumfeld als Teil der Lösung

Welche Haltungsmaßnahmen helfen?

Der unverletzte Ringelschwanz gilt bei Schweinen als ein Wohlfühlindikator. Wird er nicht von Artgenossen angeknabbert, ist dies als Hinweis auf eine gute Haltungsumgebung zu werten.

Im Umkehrschluss ist beim Auftreten von Schwanzbeißen aber nicht sofort und unmittelbar eine bestimmte Ursache auszumachen, wie Praxis und Forschung zeigen.

So kann es sein, dass Schwanzbeißen lange Zeit nicht, dann aber in einem Durchgang massiv auftritt. Die eine Lösung, die das gegenseitige Anknabbern des Schwanzes verhindert, gibt es nicht. Es gibt jedoch mittlerweile viele Ansätze.

Bei allen Maßnahmen zur Vermeidung des Schwanzbeißens steht die Reduktion von Stressfaktoren und die Optimierung von Tierkomfort und damit Tierwohl im Fokus.

Auch gilt es, Stresssituationen während des Absetzens, bei Futterumstellungen, nach Umstallungen oder bei Krankheitseinbrüchen abzumildern. So sollten Neugruppierungen wenn möglich vermieden werden.

Verbesserung der Haltungsumwelt

Eine zu hohe Besatzdichte erzeugt Stress, da der Zugang zu Ressourcen wie Wasser und Futter erschwert und uneingeschränktes Ruhen aller Tiere gleichzeitig beeinträchtigt ist.

Die Buchten sollten klar strukturiert und der Zugang zu Tränken und Futterplätzen aus vielen Richtungen möglich sein, aber niemals über den Liegebereich führen. Dieser muss dem ungestörten Ruhen vorbehalten sein, trocken, frei von Zugluft sein und nicht neben Beschäftigungsspielzeug liegen. Der Kotbereich sollte Sichtkontakt zu Nachbarbuchten bieten. Die Einrichtung von Kleinklimabereichen wie beheizte Bodenplatten oder Abdeckungen erweitert die Wahlmöglichkeit der Tiere. Am Liegeverhalten lässt sich zudem das Wohlbefinden der Tiere ablesen.

Schweine wollen wühlen

Das Erkundungs- und Wühlverhalten steht im Zusammenhang mit dem Futtersuchverhalten von Schweinen und ist ein Grundbedürfnis. Besteht ein Mangel an Möglichkeiten, kann es zur Ausübung dieses Verhaltens an den Artgenossen kommen, dem sogenannten Belly Nosing. Schweine stoßen beispielsweise ihre Artgenossen in die Flanken oder beißen gar in Schwänze und Ohren.

Einstreu und rohfaserhaltiges aber auch nährstoffhaltiges Beschäftigungsfutter können hier helfen. Die tägliche Gabe von Stroh- und Luzernehäcksel oder -pellets sowie Mais- und Grassilage für Mastschweine und Sauen mindern die Langeweile. Schon zum Absetzen und zu Beginn der Aufzucht können Tierhaltende Ferkeln Wühlerde oder Urgesteinsmehl anbieten. Die Beschäftigung damit vermindert außerdem den Absetzstress. Urgesteinsmehle fördern weiterhin die Darmgesundheit durch ihre toxinschleusende Wirkung. 

In der Schweinehaltung ist kau- und manipulierbares Beschäftigungsmaterial und -spielzeug vorgeschrieben. Ideal ist es, wenn mehrere Tiere gleichzeitig das Spielzeug, seien es Ketten, Seile, Gegenstände aus Naturkautschuk, Kunststoff oder Holz und Jutesäcke nutzen können. Regelmäßiger Austausch erhält das Spielzeug attraktiv. Ruhe-, Spiel-, Erkundungs- und Fressverhalten sollten alle Tiere gleichzeitig ausüben können und hier in den jeweiligen Funktionsbereichen ausreichend Platz und Ressourcen für synchrones Gruppenverhalten zur Verfügung stehen.

Genügend Fress- und Tränkeplätze vorhalten

Ein zu gering dimensioniertes Tier-Fressplatz- und Tier-Tränke-Verhältnis und erschwerter Zugang kann ebenfalls Stress auslösen. Beim Warten kann es leicht zu Rangeleien und Schwanzbeißen kommen. Zusätzliche Tränken in altersgerechten, unterschiedlichen Höhen und Fressplätze dürfen die Funktionsbereiche jedoch nicht auflösen.

Die Tränken müssen funktionsfähig sein und ausreichend Durchfluss aufweisen oder im besten Fall als offene Tränken mit Hygienisierung zur Verfügung stehen. Das Wasser muss ad libitum und in hoher Qualität angeboten werden. Außerdem benötigen die Tiere ausreichend Salz.

Mit richtigem Stallklima vorbeugen

Schweine können ihre Körpertemperatur nur bedingt an die Umgebungstemperatur anpassen. Bei sehr hohen oder sehr niedrigen Temperaturen geraten die Tiere schnell in Hitze- oder Kältestress. Als sogenannte Liegekühler regulieren sie ihre Körpertemperatur unmittelbar über die Körperoberfläche. Neben der absoluten Umgebungstemperatur sind die Körpermasse der Tiere, die Luftgeschwindigkeit und die Luftfeuchtigkeit im Zusammenhang entscheidend für das Wohlbefinden. Zugluft ist ein wichtiger Stressauslöser. Hohe Schadgaskonzentrationen (CO2, H2S, NH3) können ebenfalls Stress verursachen.

Sorgfältige Wartung der Lüftungssteuerung, regelmäßige Messungen der wichtigsten Schadgase, ein optimiertes Güllemanagement und saubere Oberflächen im Bereich der Tiere helfen somit, Schwanzbeißen zu vermeiden.

Unterschiedliche Klima- und Funktionsbereiche, Schatttenplätze sowie Außenklimareize sorgen für Abwechslung. Starke Sonneneinstrahlung allerdings sollte vermieden werden. Eine Schweinedusche oder ein Hochdruck-Wasservernebelung haben sich für Abkühlung an heißen Tagen bewährt.

Fütterung beeinflusst Schwanzbeißen

Rohfasermangel, Mängel an Mineralstoffen und essentiellen Aminosäuren sowie unausgewogene Futterrationen können Schwanzbeißen begünstigen. Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter sollten daher auch im Hinblick auf dieses Thema zusammen mit Fütterungsberatern eine auf den Betrieb, die Tierleistung und Fütterungstechnik individuell zugeschnittene Futterration ausarbeiten. Diese berücksichtigt Partikelgröße, Trockensubstanzgehalt, ein ausgewogenes und bedarfsgerechtes Verhältnis wichtiger Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren. Zusätzlich können schmackhafte Leckmassen der Beschäftigung dienen.

In der Praxis zeigt sich, dass Einflüsse der Futterkomponenten auf die Darmgesundheit wichtige Faktoren für die Entstehung von Entzündungs- und Nekrosesyndrom, kurz SINS (Swine Inflammation and Necrosis Syndrome), und Schwanzbeißen darstellen. So haben sich Rohfaserreiche Getreidekomponenten wie Gerste und niedrige Weizengehalte während der Aufzuchtphase bewährt. Erst mit dem Beginn der Mittelmast wird dann der Weizenanteil der Ration angehoben, um ausreichende Gewichtszunahmen zu erreichen. Beispielrationen, die anhand von äußerlichen SINS-Anzeichen und dem Verhalten der Schweine erstellt wurden, können in einem Artikel zur Fütterung unkupierter Schweine abgerufen werden.

Ein weiterer Faktor ist die Futterhygiene. Mykotoxine und Infektionserreger können die Darmbarriere entscheidend Schwächen, was das Auftreten von SINS und das Risiko für Schwanzbeißen erhöht.

Mykotoxinbelastungen sollten durch regelmäßige Analysen frühzeitig aufgedeckt und mit Mykotoxinbindern gegengesteuert werden. Die regelmäßige Wartung und Reinigung der Tränke- und Fütterungstechnik dient der Betriebssicherheit, minimiert Störungen und verringert erheblich das Stresspotential solcher Ausfälle. Eine Absenkung der Belastung mit infektiösen Erregern kann über eine Ansäuerung erreicht werden. 

Gesundheit als Grundlage für Wohlbefinden

Verschiedene Atemwegs- und Durchfallerkrankungen können die Tiere bereits frühzeitig oder im weiteren Aufzuchtverlauf schwächen. In labilen und auseinandergewachsenen Gruppen steigt der Stress und damit das Risiko für Schwanzbeißen.

Parasiten sind weitere Stressauslöser. Tierärzte und der Schweinegesundheitsdienst stehen Tierhaltenden in Fragen des Gesundheitsmanagements und zur Anpassung des Impfprogrammes beratend zur Seite. Absetzstress, mehrfaches Umstallen und Umgruppieren sowie zu schnelle Futterumstellungen führen zu Stress und beeinträchtigen umsomehr die Darmgesundheit. Durchfallerkrankungen in der Aufzucht sowie Vergiftungen durch Endotoxine und Mykotoxine sind als Auslöser SINS und Schwanzbeißen bekannt. Nachlässigkeiten im Hygienemanagement und im Biosicherheitskonzept des Betriebes können immer wieder zum Eintrag von Krankheiten und Verunreinigungen führen, die Schwanzbeißen begünstigen.

Letzte Aktualisierung 01.04.2026

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