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Verletzte Tiere sollten rasch in einem separaten Abteil untergebracht und versorgt werden. Im Idealfall wird auch das Tätertier aus der Gruppe genommen. Bild: Ulrike Amler
Bei den ersten Anzeichen eines akuten oder auch bevorstehenden Beißgeschehens in einer Bucht, muss rasch gehandelt werden. Mit "Erste Hilfe-Maßnahmen" kann gegengesteuert werden.
Werden Anzeichen für Schwanzbeißen an kleinen Anzeichen bereits im Vorfeld erkannt, kann Schlimmeres verhindert werden. Daher sollte allen Personen, die Tiere betreuen, ein Notfallplan bekannt und auch griffbereit sein.
Das gelingt allerdings nur, wenn im Arbeitsalltag genügend Zeit für die Tierbeobachtung eingeplant wird und Erfahrung im Erkennen von Auffälligkeiten vorhanden ist. Außerdem müssen stressauslösende Faktoren nicht nur bekannt sein, sondern auch im eigenen Betrieb erkannt werden. Lassen sich kleinere Störungen nicht unmittelbar abstellen, muss noch mehr Augenmerk auf das Erscheinungsbild der Tiere und ihr Verhalten gelegt werden.
Auch wenn die Umsetzung im Arbeitsalltag zunächst schwierig erscheint: Neben den normalen Routinegängen im Stall lohnt es, eine regelmäßige Tierbonitur nach einer festgelegten Checkliste durchzuführen und die Ergebnisse zu dokumentieren. Diese Checkliste bringt System in die Tierkontrolle und hilft bei der Früherkennung.
Treten die ersten Anzeichen von Schwanzbeißen auf, müssen Tierhaltende sofort gegensteuern. Schnelle Abhilfe kann zum Beispiel ein "Notfallkoffer“ mit neuem, bisher unbekanntem Spielzeug verschaffen und sollte daher immer bereitstehen. So wird auch erst einmal Zeit für eine Ursachenforschung gewonnen oder, um erforderliche Änderungen in der Haltung oder im Management vornehmen zu können.
Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, ob Täter- oder Opfertiere aus der Gruppe entnommen werden sollen. Wer ausreichend Platz hat, entnimmt am besten beide aus der Gruppe.
Je früher die Intervention erfolgt, umso größer ist die Chance, dass das eine wie das andere Tier wieder erfolgreich zurück in die Gruppe verbracht werden kann. Umgruppierungen erzeugen ihrerseits wieder Stress, den es zu vermeiden gilt.
Verletzte Schwänze müssen rasch mit einem zugelassenen Wundspray versorgt werden. Dieses enthält zusätzlich vergrämende Bitterstoffe, die Nachahmungstäter abhalten. Holzteer ist als Vergrämungsstoff bei lebensmittelliefernden Tieren nicht erlaubt!
Nicht nur Langeweile und Frust führen zum Schwanzbeißen. Stress entsteht auch, wenn Tiere Durst leiden, weil zum Beispiel nicht alle Tränken einer Bucht funktionieren. Eine der ersten Kontrollmaßnahmen ist daher die Durchflusskontrolle an den Tränken von Buchten mit Beißgeschehen.
Durch den Wassermangel entsteht Minderdurchblutung des Darms in Kombination mit Hitzestress. Dies bewirkt, dass der Darm durchlässig wird und bakterielle Bruchstücke in das Blut gelangen und eine körperweite Entzündung auslösen. Entstehende Nekrosen an den Schwanzspitzen begünstigen das Schwanzbeißen. Gleichzeitig beeinflußen Entzündungen das Verhalten der sogenannten Darm-Hirn-Achse und können Verhaltensstörungen hervorrufen.
Das Futter ist neben dem Wasserangebot ein Hauptfaktor für die Darmsgesundheit.
Gelegentlich liegen die Ursachen auch im Nährstoff- oder Mineralstoffmangel und an Mängeln in der Futterration insgesamt. Energiereiche und faserarme Rationen schädigen den Darm. Tritt Schwanzbeißen auf, können zur Ablenkung attraktive Futtermittel eingesetzt werden. Das Ablenkungsfutter muss attraktiv, rohfaser- und nährstoffreich sein. Besser als Stroh eignen sich Gras- und Luzernecobs und mineralische Lecksteine. Als Futtermittel deklarierte Gesteinsmehle wirken als Toxinbinder und schleusen Endotoxine und Mykotoxine aus dem Darm.
Um das Futtersuch- und Erkundungsverhalten zu befriedigen, können Aufzuchtferkeln Wühlerden und Ferkeltorf angeboten werden. Bei Mastschweinen eignen sich auch Gras- und Maissilage, um die Tiere abzulenken und zusätzlich die positiven Effekte auf den Darm zu nutzen. Toxinbinder wie Huminsäuren, Bierhefe und Urgesteinsmehl oder hygienisch aufbereiteter Torf tragen weiter zur Stabilisierung des Darms bei.
Auf dem Markt gibt es mittlerweile ein großes Angebot von verformbarem Kauspielzeug aus Kunststoff und Naturkautschuk. Ebenso groß sind die Möglichkeiten, Spielzeug selbst mit preisgünstigen Materialien des Betriebes zu bauen und in Reserve zu behalten. Neues und unbekanntes Spielzeug regt die Neugier und Erkundungsbereitschaft der Tiere an und lenkt so von den Schwänzen der Artgenossen ab.
Soweit möglich, sollten Tierhaltende bei einem drohenden oder bereits akuten Beißgeschehen auch die Belegungsdichte reduzieren. Grundsätzlich stellt der vorgeschriebene Platzbedarf lediglich die absolute Untergrenze dar.
Werden alle diese Maßnahmen berücksichtigt, bestehen gute Chancen, dass die Schwänze der Buchtenkollegen weniger im Zentrum der Aufmerksamkeit der Schweine stehen und damit auch nicht verletzt werden.
Letzte Aktualisierung 01.04.2026