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Die Aufzuchtferkel werden im neuen Außenklimastall jetzt in Großgruppen von 360 und 180 Tieren gehalten. Bild: Betrieb Traber
Den vorhandenen Ferkelaufzuchtstall hat Familie Traber im Frühjahr 2025 mit der Förderung durch das Bundesprogramm zum Umbau der Tierhaltung, BUT, zu einem Außenklimastall umgebaut. Der Stall bietet nun einen höheren Tierwohlstandard durch Außenklimareize und mehr Platz für die Ferkel.
Familie Traber betreibt in Hecheln bei Mühlingen im baden-württembergischen Landkreis Konstanz eine Ferkelaufzucht im Lohn mit 1.000 Plätzen. Wir sprachen mit Lukas Traber, der federführend für den Umbau und die Erweiterung des Ferkelaufzuchtstalls war, über seine Beweggründe und über seine Erfahrungen mit dem umgebauten Stall. Zum Betrieb gehören 150 Hektar Ackerland, auf denen Gerste, Raps, Weizen, Zuckerrüben und Mais angebaut werden. Auf 120 Hektar wird Pferdeheu erzeugt. Ein weiteres Standbein sind Lohnarbeiten.
Ein Ferkelerzeuger aus dem Raum Biberach hatte angefragt, ob wir für ihn die Ferkel im Lohn aufziehen können. Dieses Konzept hat uns zugesagt und so beziehen wir jetzt alle drei Wochen eine neue Partie Absetzferkel mit einem Gewicht von sechs bis sieben Kilogramm je Tier und ziehen diese bis 30 Kilogramm auf. Die Kosten für Futter und tierärztliche Behandlungen werden vom Besitzer übernommen. Wir erhalten pro ausgestalltes Ferkel eine Pauschale für unsere Arbeit.
Früher hatten wir eine kombinierte Ferkelerzeugung- und aufzucht auf dem Betrieb. Damit haben wir 2021 aufgehört, weshalb Stallkapazitäten vorhanden waren.
Die Ferkel werden jetzt in Großgruppen in sechs Abteilen mit jeweils 180 oder 360 Ferkeln gehalten. Früher haben wir den Stall im Rein-Raus-Verfahren bewirtschaftet. Heute belegen wir kontinuierlich alle drei Wochen ein neues Abteil.
Schon während meiner Meisterausbildung habe ich mir Gedanken gemacht, wie wir den leerstehenden Ferkelaufzuchtstall mit 1.000 Plätzen weiter nutzen wollen. In Baden-Württemberg haben wir das Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT II), das die Haltung von Aufzuchtferkeln in offenen und kühleren Ställen mit mehr Platz, Strukturierung und Luftraum, fördert. Ich kam auf den Gedanken, unseren Stall tiergerechter umzubauen.
Nach einiger Recherche und Telefonaten mit dem Team der Landesanstalt für Schweinezucht Baden-Württemberg, dem Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg, reifte die Idee weiter und wir beschäftigten uns auch mit dem Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung. Zunächst hatten wir über einen Balkon in den Buchten nachgedacht, um den Ferkeln mehr Platz durch eine zweite Ebene zu bieten. Dann haben wir uns aber für den Anbau eines eingestreuten Auslaufs entschieden.
Im Januar 2025 haben wir mit der Beratungsgruppe Agriconcept den BUT-Förderantrag zur investiven Förderung bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährnung, BLE, eingereicht. Bereits im März kam die Bewilligung und am 15. Mai zogen die Ferkel schon in den neuen Ferkelaufzuchtstall ein.
Wir haben verschiedene Veränderungen vorgenommen.
Im Zentrum stand ein überdachter Auslauf mit eingestreutem Liegebereich. Dazu haben wir eine Halle mit beweglichen Windschutznetzen an den vorhandenen Ferkelaufzuchtstall angebaut.
Wir haben außerdem ein Mistlager errichtet und neue Futtersilos aufgestellt. Wir befestigten den ganzen der Hof und schafften einen Teleskoplader für das Entmisten an.
In den alten Stall bauten wir eine neue Fütterungsanlage ein. Die Ferkel werden jetzt über einen Trockenfütterungsautomat mit Fertigfutter I und II in einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:3 gefüttert.
Auch die Buchtenstruktur veränderten wir. Die Buchten bestehen jetzt jeweils zu einem Drittel aus Kunststoffspalten, Betonspalten und planbefestigtem Boden mit Fußbodenheizung.
Ja! Die Tiere fühlen sich richtig wohl, das kann man sehen. Es ist für das Auge schön anzusehen, wenn sich die kleinen Ferkel bewegen, herumtoben und im Stroh wühlen. Auch haben wir jetzt viele Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich für die Haltung interessieren.
Im Sommer sind die Ferkel viel draußen im Stroh und an der Sonne. Im Winter schlafen sie aber mehr drinnen im Warmen. Die Verkotung im Stroh ist allerdings relativ hoch. Wir müssen zweimal wöchentlich mit dem Teleskoplader ausmisten.
Ich bin soweit zufrieden mit der neuen Haltung. Kritisch anmerken muss man aber, dass bei Großgruppen die Selektion schwieriger ist und die Gruppen nicht so homogen wachsen wie Kleingruppen.
Das Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung, BUT, hat uns sehr geholfen. Wir haben 60 Prozent unserer Investitionen gefördert bekommen. Nachdem wir vorher schon zwei Jahre für die Baugenehmigung gebraucht haben, waren die zwei Monate vom Einreichen des Förderantrags zum BUT bis zur Bewilligung schnell vorbei.
Sogar ein vorzeitiger Baubeginn wurde uns bewilligt und wir haben dann richtig Vollgas gegeben. So konnten im Mai wie geplant die ersten Ferkeln einziehen. Der Umbau hat insgesamt rund 5 Euro pro Ferkelplatz gekostet.
Generell ist für uns Landwirte Planungssicherheit sehr wichtig, da die Prozesse von der Planung bis zum Einzug Zeit brauchen und bei so großen Investitionen, wie es Stallumbauten und vor allem aber Neubauten sind, kann eine Förderung das Zünglein an der Waage sein. Letztendlich aber machen wir in unserer Familie alle gerne Landwirtschaft und die Ferkel im neuen Stall gehören dazu.
Letzte Aktualisierung 14.01.2026