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Liegeflächen mit unterschiedlichen Buchtenstrukturen, gezielter Beleuchtung, Klimazonen und dem Angebot von Beschäftigungsmaterial stellen für viele Landwirte eine Herausforderung dar. Bild: S. Opderbeck, Uni Hohenheim
Wie es in der Praxis gelingen kann, die Anforderungen des Tierschutzlabels "Für Mehr Tierschutz" zu erfüllen, wurde im Projekt "Label-Fit" untersucht. Im ersten Teil geht es um die Ausgestaltung von Komfortliegeflächen durch unterschiedliche Buchtenstrukturen, durch gezielte Beleuchtung sowie die Einrichtung von Klimazonen.
In seinem Label "Für Mehr Tierschutz" stellt der Deutsche Tierschutzbund deutlich höhere Anforderungen an die Haltung von Mastschweinen. Danach müssen Landwirte, die das Label führen wollen, ihren Tieren 45 Prozent mehr Platz bieten als gesetzlich vorgeschrieben. Darüber hinaus sind eine Trennung von Aktivitäts-, Liege- und Kotbereich, eine feste Liegefläche von 0,6 Quadratmetern pro Mastschwein und das Angebot von Beschäftigungsmaterial vorgeschrieben.
Das Haltungssystem muss ein gleichzeitiges Liegen, Aufstehen und Hinlegen der Schweine bei natürlicher Körperhaltung ermöglichen und die Tiere sollen nicht mehr als unvermeidbar mit Harn und Kot in Berührung kommen.
Doch wie können Buchten auch in konventionellen Ställen so strukturiert werden, dass sie die Mindestkriterien des Tierschutzlabels erfüllen? Und wie kann die Attraktivität beispielsweise des Liegebereiches gesteigert werden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Projekt "Schweinehaltung fit für das Tierschutz-Label: Integrierte Entwicklung von Haltungs- und Verfahrenstechnik zur Transformation konventioneller Ställe (Label-Fit)".
An dem Forschungsvorhaben, das von 2017 bis 2020 durchgeführt wurde, beteiligten sich das Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg (Landesanstalt für Schweinezucht), das Institut für Verfahrenstechnik der Tierhaltungssysteme der Universität Hohenheim, das Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts, der Deutsche Tierschutzbund und die VION GmbH. In einem ersten Teilprojekt suchte die Gruppe nach Lösungen zur sinnvollen Strukturierung von Mastschweinebuchten. Zusätzlich testete sie die Wirkung einer erhöhten Lichtintensität auf das Liege- und Ausscheidungsverhalten der Tiere sowie den Einfluss einer Bodenkühlung und -heizung.
Für das Projekt Label-Fit baute das Team den Stall des Bildungs- und Wissenszentrums Boxberg so um, dass er die Mindestkriterien des Tierschutzlabels des Deutschen Tierschutzbundes erfüllt. Mit Hilfe einer Videoüberwachung und mittels elektronischer Ohrmarken wurden das Aktivitäts- und Ruheverhalten, das Sozialverhalten und das Fressverhalten der Tiere beobachtet. Die Erfahrungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen.
Es hat sich bewährt, für die Trennung der einzelnen Funktionsbereiche Liegebereich, Kot-, Aktivitäts- und Fressbereich sowie Wasserstellen optische Unterschiede von Bodenelementen zu nutzen. Zum Beispiel eignet die Kombination von Vollbeton und Kunststoff. Darüber hinaus sollten die Areale so angeordnet sein, dass ein Durchqueren des Liegebereichs unbedingt vermieden wird. Für eine klare Strukturierung eignen sich rechteckige Buchten besser als quadratische Buchten.
Damit die Buchten sauber gehalten werden können, sollten unnötige Eckenvermieden werden. Solche Ecken entstehen zum Beispiel auch durch eigesetzte Trennwände. Dies trifft vor allem auf kleinere Gruppen bis zu 40 Tieren zu. In größeren Gruppen überwiegen die Vorteile von Schutz und Rückzugsmöglichkeiten durch Trennwände.
Es ist sinnvoll, den Liegebereich an der Wand und mittig an der langen Seite einer Bucht anzulegen und den Kotbereich jeweils daneben anzuordnen. Die Außenwände einer Bucht eignen sich für einen Liegebereich weniger gut.
Weil Schweine die Außenwände ihrer Bucht gern zum Abkoten nutzen, sollte sich dort auch der Kotbereich befinden. Das Projektteam "Label-Fit" empfiehlt, diesen Bereich ausreichend breit und über die gesamte Tiefe der Bucht anzulegen, damit kein Kot in den Liegebereich eingetragen wird. In der Aufzucht sollte mindestens ein Meter und in der Mast mindestens 1,5 Meter Breite eingeplant werden. Als Material eignen sich Dreikantroste mit ausreichender Auftrittsbreite und rutschfester Oberfläche.
Die Roste erlauben das Durchtreten des Kotes und grenzen den Kotbereich schon allein optisch von den anderen Bereichen ab. Günstig wirkt sich ein Kontaktgitter zur Nachbarbucht aus. Ebenfalls hilfreich sind Mikrosuhlen oder Schweineduschen. Sie bringen einerseits Abkühlung und befeuchten andererseits den Kotbereich, was ihn zusätzlich vom trockenen Liegebereich unterscheidet.
Die Futterstelle ist idealerweise gegenüber dem Liegebereich angeordnet. Die genaue Platzierung des Troges hängt dabei von der Form des dargereichten Futters und der Gestaltung des Bodens ab. Trockenfutterautomaten können mittig in die Bucht integriert werden. Bei Brei- oder Nassfütterungen muss der Ablauf von Flüssigkeiten funktionieren, da Schweine durch Wasserkontakt beim Fressen zum Urinieren neigen. Dazu kommt, dass sich die Tiere bei heißen Temperaturen mit Wasser oder nassem Futter abkühlen.
Für die Beschäftigung der Tiere eignen sich besonders die Laufwege einer Bucht. Im Kotbereich angebotenes Beschäftigungsmaterial wird weniger gut akzeptiert. Auch die Buchtenabtrennungen sind ungünstig für die Beschäftigung, da das Verletzungsrisiko aufgrund des Revierverhaltens an diesen Stellen besonders groß ist.
Für die Wasserversorgung in den Buchten bieten sich Tränkeinseln mit Beckentränken an. Sie sollten möglichst neben den Liegeflächen positioniert werden. Wandständige Tränken im Kotbereich verschmutzen oft.
Das Liege- und Ausscheidungsverhaltens von Absetzferkeln und Mastschweinen läßt sich auch durch unterschiedliche Beleuchtungsintensität der verschiedenen Funktionsbereiche einer Bucht steuern. Denn Schweine meiden zum Liegen Bereiche, die einer hohen Lichtintensität ausgesetzt sind. Sie nutzen diese Areale in erster Linie zum Koten und Urinieren. Diesen Schluss lassen Ergebnisse von Untersuchungen zu den Auswirkungen unterschiedlicher Lichtintensitäten in Mastschweinebuchten zu.
Für die Versuche stattete das Label-Fit-Team zwei Buchten mit Strahlern aus. Diese hingen im Kotbereich in einer Höhe von 1,40 Meter über dem Spaltenboden. Die Strahler waren seitlich mit Blechen begrenzt, damit ihr Licht ausschließlich den Spaltenboden beleuchtet. In den Kontrollbuchten wurde auf eine zusätzliche Beleuchtung verzichtet. Die durchschnittliche Lichtintensität im beleuchteten Bereich betrug gemessen in Höhe des Schweineauges 860,8 Lux und im nicht beleuchteten Bereich 61,5 Lux . Dieser große Unterschied sollte den möglichen Einfluss der Lichtintensität deutlich herausarbeiten.
Die Ergebnisse zeigen eine um zwölf Prozent höhere Nutzung der Liegefläche in Buchten mit zusätzlicher Beleuchtung des Kotbereichs. Darüber hinaus war der Liegebereich weniger verschmutzt. In künftigen Studien will die Gruppe prüfen, wie wirkungsvoll auch geringere Lichtunterschiede sind.
Wie gut der Liegebereich angenommen wird, hängt auch von der Temperatur und der Luftgeschwindigkeit ab, die dort herrschen. In der Aufzucht steigern beheizbare Abdeckungen die Attraktivität des Liegebereichs. Sie bieten den Absetzferkeln nicht nur Wärme, sondern auch Schutz. Als Erfahrungswerte für das Platzangebot unter der Abdeckung gelten 0,13 Quadratmeter je Aufzuchtferkel. Die Temperatur sollte je nach Aufzuchtwoche 27 bis 22 Grad Celsius betragen.
Bei Mastschweinen haben sich planbefestigte Bodenelemente im Liegebereich bewährt, die beheizt oder gekühlt werden können. Dies stellt die für die Tiere optimale Temperatur von 22 bis 16 Grad Celsius sicher. Insbesondere gekühlte Flächen begünstigen das Liegeverhalten der Mastschweine und tragen zu mehr Tierwohl bei. Vorlauftemperaturen von 18 bis 20 Grad Celsius in der Fußbodenkühlung reichen erfahrungsgemäß aus, um die überschüssige Wärme der Schweine aufzunehmen und abzutransportieren. Deshalb sind gekühlte Liegeflächen für Mastschweine besonders attraktiv.
Tiere mit einem Körpergewicht von mehr als 70 Kilogramm suchen gezielt kühlere Liegeorte auf, wenn die Umgebungstemperatur mehr als 23 Grad Celsius beträgt. Das bestätigen Tests, die im Rahmen des Projekts Label-Fit gemacht wurden. In den Buchten mit Kühlung suchten 17 Prozent mehr Tiere die Liegefläche auf als in den Buchten ohne Kühlung des Liegebereichs. Auch die Verschmutzung der Liegeflächen und damit der Tiere war hier geringer. Selbst eine geringfügige Kühlung des Bodens hatte einen positiven Effekt.
Die Versuche des Projekts Label-Fit umfassten im Teilprojekt II attraktives, organisches Beschäftigungsmaterial und in Teilprojekt III die Entmistung. Im Rahmen dieser Teilprojekte beschäftigte sich die Gruppe mit der genaueren Betrachtung der Stallklimadaten, der Daten zur Gesundheit der Schweine, wie zum Beispiel zur Unversehrtheit der Schwänze, und der Daten aus der Schlachterei. Darüber hinaus wurden die bislang erzielten Ergebnisse auf Praxisbetrieben überprüft und insbesondere hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen ausgewertet.
Letzte Aktualisierung 19.03.2026