Nützliche Strukturen für MastschweinebuchtenNützliche Strukturen für Mastschweinebuchten

Nützliche Strukturen für Mastschweinebuchten

Wie es in der Praxis gelingen kann, die Anforderungen des Tierschutzlabels "Für Mehr Tierschutz" zu erfüllen, wird im Projekt "Label-Fit" untersucht. Im ersten Teil geht es um die Ausgestaltung von Komfortliegeflächen durch unterschiedliche Buchtenstrukturen, durch gezielte Beleuchtung sowie die Einrichtung von Klimazonen.

In seinem Label "Für Mehr Tierschutz" stellt der Deutsche Tierschutzbund deutlich höhere Anforderungen an die Haltung von Mastschweinen. Danach müssen Landwirte, die das Label führen wollen, ihren Tieren 45 Prozent mehr Platz bieten als gesetzlich vorgeschrieben. Darüber hinaus sind eine Trennung von Aktivitäts-, Liege- und Kotbereich, eine feste Liegefläche von 0,6 Quadratmetern pro Mastschwein und das Angebot von Beschäftigungsmaterial vorgeschrieben. Das Haltungssystem muss ein gleichzeitiges Liegen, Aufstehen und Hinlegen der Schweine bei natürlicher Körperhaltung gewährleisten und die Tiere sollen nicht mehr als unvermeidbar mit Harn und Kot in Berührung kommen. Für Landwirte stellt es eine große Herausforderung dar, diesen Anforderungen gerecht zu werden; sie müssen ihre Ställe dafür meist umbauen.

Doch wie können Buchten auch in konventionellen Ställen so strukturiert werden, dass sie die Mindestkriterien des Tierschutzlabels erfüllen? Und wie kann die Attraktivität beispielsweise des Liegebereiches gesteigert werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Forscher und Praktiker im Rahmen des Projektes "Schweinehaltung fit für das Tierschutz-Label: Integrierte Entwicklung von Haltungs- und Verfahrenstechnik zur Transformation konventioneller Ställe (Label-Fit)". An dem Forschungsvorhaben beteiligen sich das Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg (Landesanstalt für Schweinezucht), das Institut für Verfahrenstechnik der Tierhaltungssysteme der Universität Hohenheim, das Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts, der Deutsche Tierschutzbund und die VION GmbH. In einem ersten Teilprojekt sucht die Gruppe nach Lösungen zur sinnvollen Strukturierung von Mastschweinebuchten. Zusätzlich testet sie die Wirkung einer erhöhten Lichtintensität auf das Liege- und Ausscheidungsverhalten der Tiere sowie den Einfluss einer Bodenkühlung beziehungsweise -heizung.

Mehr Liegekomfort durch sinnvolle Buchtengestaltung

Für das Projekt baute das Team den Stall des Bildungs- und Wissenszentrums Boxberg so um, dass er die Mindestkriterien des Tierschutzlabels erfüllt. Mit Hilfe einer Videoüberwachung und mittels elektronischer Ohrmarken wurden das Aktivitäts- und Ruheverhalten, das Sozialverhalten und Fressverhalten der Tiere beobachtet. Die bislang gemachten Erfahrungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

1. Funktionsbereiche klar voneinander trennen

Es hat sich bewährt, für die optische Trennung einzelner Funktionsbereiche (Liegebereich, Kot-, Aktivitäts- und Fressbereich sowie Wasserstellen) verschiedene Bodenelemente zu nutzen (zum Beispiel Vollbeton oder Kunststoff). Darüber hinaus sollten die Areale so angeordnet sein, dass ein Durchqueren des Liegebereichs unbedingt vermieden wird. Für eine klare Strukturierung eignen sich rechteckige Buchten besser quadratische Buchten.

2. Trennwände erst ab 40 Tieren

Damit die Buchten sauber gehalten werden können, sollten unnötige Ecken, zum Beispiel durch Trennwände, vermieden werden. Dies trifft vor allem auf kleinere Gruppen bis zu 40 Tieren zu. In größeren Gruppen bieten Trennwände Schutz und Rückzugsmöglichkeiten.

3. Liegebereich wandständig und mittig anordnen

Es ist sinnvoll, den Liegebereich wandständig und mittig an der langen Seite einer Bucht anzulegen und den Kotbereich jeweils daneben anzuordnen. Die Außenwände einer Bucht eignen sich für einen Liegebereich weniger gut.

4. Kotbereich optisch abgrenzen

Weil Schweine die Außenwände ihrer Bucht gern zum Abkoten nutzen, sollte sich dort auch der Kotbereich befinden. Das Projektteam "Label-Fit" empfiehlt, diesen Bereich ausreichend breit und über die gesamte Tiefe der Bucht anzulegen, damit kein Kot in den Liegebereich eingetragen wird (Aufzucht: mindestens 1,0 Meter breit, Mast: mindestens 1,5 Meter breit). Als Material eignen sich Dreikantroste mit ausreichender Auftrittsbreite und rutschfester Oberfläche. Die Roste gewährleisten das Durchtreten des Kotes und grenzen den Kotbereich gleichzeitig von den anderen Bereichen ab. Günstig wirkt sich ein Kontaktgitter zur Nachbarbucht aus. Ebenfalls positiv sind Mikrosuhlen oder Schweineduschen zu werten. Sie bringen Abkühlung und befeuchten den Kotbereich, was ihn vom trockenen Liegebereich abgrenzt.

5. Futtertrog so platzieren, dass Verschmutzungen vermieden werden

Die Futterstelle ist idealerweise gegenüber dem Liegebereich angeordnet. Die genaue Platzierung des Troges hängt dabei von der Form des dargereichten Futters und der Gestaltung des Bodens ab. Trockenfutterautomaten können mittig in die Bucht integriert werden. Bei Brei- oder Nassfütterungen muss der Ablauf von Flüssigkeiten gewährleistet werden, da Schweine durch Wasserkontakt beim Fressen zum Urinieren neigen. Dazu kommt, dass sich die Tiere bei heißen Temperaturen mit Wasser oder nassem Futter abkühlen.

6. Den Ort des Beschäftigens mit Bedacht auswählen

Für die Beschäftigung der Tiere eignen sich besonders die Laufwege einer Bucht. Im Kotbereich angebotenes Beschäftigungsmaterial wird weniger gut akzeptiert. Auch die Buchtenabtrennungen bieten sich nicht für die Beschäftigung an, da das Verschmutzungsrisiko aufgrund des Revierverhaltens an diesen Stellen besonders groß ist.

7. Wasserstellen sauber halten

Für die Wasserversorgung in den Buchten haben sich Tränkeinseln mit Beckentränken als geeignet erwiesen. Sie sollten möglichst neben den Liegeflächen positioniert werden. Wandständige Tränken im Kotbereich verschmutzen zu oft.

Tierverhalten lässt sich mit Hilfe von gezielter Beleuchtung steuern

Ein vielversprechendes Instrument für die Beeinflussung des Liege- und Ausscheidungsverhaltens von Absetzferkeln und Mastschweinen scheint die unterschiedlich starke Beleuchtung der verschiedenen Funktionsbereiche einer Bucht zu sein. Denn Schweine meiden zum Liegen Bereiche, die einer hohen Lichtintensität ausgesetzt sind. Sie nutzen diese Areale in erster Linie zum Koten und Urinieren. Diesen Schluss lassen Ergebnisse von Untersuchungen zu den Auswirkungen unterschiedlicher Lichtintensitäten in Mastschweinebuchten zu.

Für die Versuche stattete das Label-Fit-Team zwei Buchten mit Strahlern aus, die es 1,40 Meter über dem Spaltenboden (im Kotbereich) aufhängte. Die Strahler wurden seitlich mit Blechen begrenzt, damit ihr Licht ausschließlich den Spaltenboden beleuchtete. In den Kontrollbuchten wurde auf eine zusätzliche Beleuchtung verzichtet. Die durchschnittliche Lichtintensität im beleuchteten Bereich betrug 860,8 Lux, im nicht beleuchteten Bereich 61,5 Lux (in Höhe des Schweineauges gemessen). Diesen extrem großen Unterschied wählte man, um den möglichen Einfluss der Lichtintensität deutlich herausarbeiten zu können. Die Ergebnisse zeigen eine um zwölf Prozent höhere Nutzung der Liegefläche in den Buchten mit zusätzlicher Beleuchtung des Kotbereichs. Darüber hinaus wurde hier eine geringere Verschmutzung des Liegebereichs registriert. In zukünftigen Studien will die Gruppe prüfen, wie wirkungsvoll auch weniger extreme Lichtverhältnisse sind.

Temperatur im Liegebereich optimieren

Wie gut der Liegebereich angenommen wird, hängt auch von der Temperatur und der Luftgeschwindigkeit ab, die im Liegebereich herrschen. In der Aufzucht steigern beheizbare Abdeckungen die Attraktivität des Liegebereichs. Sie bieten den Absetzferkeln nicht nur Wärme, sondern auch Schutz. Als Erfahrungswerte für das Platzangebot unter der Abdeckung gelten 0,13 Quadratmeter je Aufzuchtferkel; die Temperatur sollte 27 bis 22 Grad Celsius betragen (je nach Aufzuchtwoche).

Bei Mastschweinen haben sich planbefestigte Bodenelemente im Liegebereich bewährt, die beheizt oder gekühlt werden können, um die für die Tiere optimale Temperatur (22 bis 16 Grad Celsius) sicherzustellen. Insbesondere gekühlte Flächen beeinflussen das Liegeverhalten der Mastschweine positiv und tragen zu mehr Tierwohl bei. Vorlauftemperaturen von 18 bis 20 Grad Celsius in der Fußbodenkühlung reichen erfahrungsgemäß aus, um die überschüssige Wärme der Schweine aufzunehmen und abzutransportieren. Deshalb sind gekühlte Liegeflächen für Mastschweine besonders attraktiv. Tiere mit einem Körpergewicht von mehr als 70 Kilogramm suchen gezielt kühlere Liegeorte auf, wenn die Umgebungstemperatur mehr als 23 Grad Celsius beträgt. Das bestätigen auch die Tests, die im Rahmen des Projekts "Label-Fit" gemacht wurden. In den Buchten mit Kühlung suchten 17 Prozent mehr Tiere die Liegefläche auf als in den Buchten ohne Kühlung des Liegebereichs. Auch die Verschmutzung der Liegeflächen (und damit der Tiere) war hier geringer; selbst eine geringfügige Kühlung des Bodens hatte bereits einen positiven Effekt.

Weitere Versuche laufen

Die Versuche des Projekts "Label-Fit" dauern noch an. Zurzeit beschäftigt sich die Gruppe mit der genaueren Betrachtung der Stallklimadaten, der Daten zur Gesundheit der Schweine (zum Beispiel zur Unversehrtheit der Schwänze) und der Daten aus der Schlachterei. Darüber hinaus werden die bislang erzielten Ergebnisse auf Praxisbetrieben überprüft und insbesondere hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen ausgewertet.

Letzte Aktualisierung 08.02.2021

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