Beschäftigung für Schweine Welches Beschäftigungsmaterial bevorzugen Schweine?

Welches Beschäftigungsmaterial bevorzugen Schweine?

Welches Beschäftigungsmaterial mögen Schweine? Das Projekt "Label-Fit: Schweinehaltung fit für das Tierschutz-Label" untersuchte, wie es gelingen kann, die Anforderungen des Tierschutzlabels "Für Mehr Tierschutz" zu erfüllen und nahm verschiedene tiergerechte Beschäftigungsmaterialien unter die Lupe. 

Schweine wollen ihre strukturelle und soziale Umgebung erkunden. Dieses Bedürfnis ist bei ihnen stark ausgeprägt. Fehlen Reize aus der Umwelt, kann das bei den Tieren zu Frust bishin zu Verhaltensstörungen führen. In Ermangelung anderer Möglichkeiten peinigen einige Schweine ihre Stallgefährten und beißen in die Schwänze und Ohren ihrer Artgenossen. 

Deshalb werden komplexe Beschäftigungsmaterialien mit unterschiedlichen Bestandteilen für Schweine sehr empfohlen und von einigen Organisationen zum Beispiel vom Deutschen Tierschutzbund für sein Label “Für Mehr Tierschutz” sogar verbindlich vorgeschrieben. Als Minimalausstattung für Schweinebuchten gelten bewegliche Elemente wie Hanfseile, Baumwollseile, Metallketten oder Beißhölzer. Viel Erkundungspotenzial steckt in organischem Material, in dem die Tiere wühlen können.

Zur Minimalausstattung für Schweinebuchten zählen bewegliche Elemente wie Hanfseile, Baumwollseile, Metallketten oder Beißhölzer. Viel Erkundungspotenzial steckt in organischem Material, in dem die Tiere wühlen können. Laut Tierschutz-Nutztier-Verordnung, TierSchNutztV, soll jedes Schwein jederzeit Zugang zu gesundheitlich unbedenklichem und in ausreichender Menge vorhandenem organischen und faserreichen Beschäftigungsmaterial haben, das das Schwein untersuchen und bewegen kann und vom Schwein veränderbar ist.

Doch wie kann organisches Beschäftigungsmaterial so interessant gestaltet werden, dass sich die Schweine lange damit auseinandersetzen? Mit dieser Frage befasste sich eine Gruppe von Forschern im Rahmen des Projektes "Label-Fit: Schweinehaltung fit für das Tierschutz-Label". An dem Forschungsvorhaben beteiligten sich das Institut für Verfahrenstechnik der Tierhaltungssysteme der Universität Hohenheim, das Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts, der Deutsche Tierschutzbund, die VION GmbH sowie das Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg, Landesanstalt für Schweinezucht.

In den Ställen des Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg führte das Team zwei Wahlversuche durch, bei denen folgende Fragen im Mittelpunkt standen:

  • Gibt es eine Präferenz für Heu, Stroh oder Pellets?
  • Haben Nährstoffzusätze einen positiven Einfluss auf die Attraktivität des Beschäftigungsmaterials?
  • Wie oft sollte das Beschäftigungsmaterial gewechselt werden, damit es nachhaltig attraktiv ist?

Pellets besonders gut geeignet

Im ersten Wahlversuch stand die Struktur des Beschäftigungsmaterials im Fokus der Wissenschaftler. Sie ließen die Tiere zwischen Häckselstroh, gehäckseltem Heu, pulverförmiger Lignocellulose, Strohpellets und Luzernepellets wählen. Die Varianten mit den Pellets wurden von den Schweinen klar bevorzugt. Insbesondere die Luzernepellets stießen auf großes Interesse. 

Die Forscher schlussfolgern daraus, dass sich Pellets besonders gut für die Beschäftigung von Schweinen eignen. Sie regen die Tiere zum Erkunden und auch zur Nahrungssuche an, weil sie gut manipuliert, zerkleinert und schließlich auch gefressen werden können. Größere Pellets schneiden dabei noch besser ab als kleinere Pellets. Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, bei der Auswahl organischen Beschäftigungsmaterials auf dessen Struktur, Größe und Geschmack zu achten.

Mais ist beliebt

Im zweiten Versuch wollten die Forscher wissen, wie mit welchen Nährstoffzusätzen die Attraktivität des organischen Beschäftigungsmaterials gesteigert werden kann. Dazu boten sie den Schweinen verschiedene Futterstoffe zur Auswahl an, die sie gehäckseltem Stroh zusetzten – Maiskörner, Rosinen, geriebene Karotten, Quetschhafer und Weizenkörner. Am besten schnitten die Maiskörner ab. Sie wurden von den Tieren wesentlich länger untersucht als Karotten und Quetschhafer. Die Weizenkörner waren für die Schweine am wenigsten interessant. Insgesamt jedoch nahm die Attraktivität des Beschäftigungsmaterials zu, wenn ihm Futterstoffe zugesetzt wurden. Das bedeutet, dass kostengünstiges organisches Beschäftigungsmaterial – wie zum Beispiel Stroh aus Eigenproduktion – deutlich attraktiver wird, wenn es fressbare Zusätze enthält.

Schweinen Abwechslung bieten

Damit Beschäftigungsmaterial für die Tiere lange interessant bleibt, wird ein häufiger Wechsel der Beimischungen empfohlen. Neue Beschäftigungsmaterialien sind für Schweine interessanter und werden stärker erkundet als Materialien, an die sich die Tiere bereits gewöhnt haben. Abwechslung ist also geboten, damit der Anreiz zur Erkundung aufrecht erhalten bleibt. Wie oft das Material gewechselt werden sollte, wollen die Wissenschaftler in weiteren Studien erforschen.

Letzte Aktualisierung 19.03.2026

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