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Versuchsstand der Uni Hohenheim, mit dem der Entmistungsvorgang in Schweineställen mit Flüssigentmistung simuliert werden kann. Bild: Bastian Kolb
Wie es in der Praxis gelingen kann, die Anforderungen des Tierschutzlabels "Für Mehr Tierschutz" zu erfüllen, wurde im Projekt "Label-Fit" untersucht. Auch wie in Schweineställen Flüssigentmistung trotz mehr organischem Material funktionieren kann.
Schweinemäster, die das Tierschutzlabel "Für Mehr Tierschutz" führen möchten, müssen ihren Tieren organisches Beschäftigungsmaterial anbieten.
In Ställen mit Spaltenboden und Gülleentmistung birgt dies jedoch ein verfahrenstechnisches Problem: Stroh, Heu oder Maissilage können auf der Gülle dichte Schwimmschichten ausbilden, die den Abfluss behindern. Die Entmistungskanäle, die in der Regel auf Flüssigmist und nicht auf die erhöhten Trockensubstanz- und Fasergehalte von organischen Beschäftigungsmaterialien ausgerichtet sind, können dann verstopfen.
Deshalb sind Methoden gefragt, die auch dann eine funktionssichere Entmistung gewährleisten, wenn dem System neben der Gülle zusätzlich langfaseriges, organisches Material zugeführt wird.
Forschende der Universität Hohenheim arbeiteten an technischen Verfahren zur Entsorgung der organischen Masse. Anhand eines Versuchsstandes simulierten sie den Entmistungsvorgang, suchten potenzielle Verstopfungspunkte und Möglichkeiten, diese aufzulösen.
Die Versuche der Hohenheimer Wissenschaftler sind Teil des Projektes "Label-Fit: Schweinehaltung fit für das Tierschutz-Label". Neben der Universität Hohenheim beteiligen sich das Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg (Landesanstalt für Schweinezucht), das Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts, der Deutsche Tierschutzbund und die VION GmbH an dem Forschungsvorhaben.
Zunächst stand die die Entwicklung eines kompakten Moduls im Fokus, das in die Güllekanäle von Schweineställen eingesetzt werden kann. Dort sollte es für eine funktionssichere Entmistung sorgen. Vor allem sollte es die auf der Gülle schwimmende Schicht aus langfaserigem Material auflösen und sie konstant in den abfließenden Güllestrom einmischen.
Schwimmschichten sind oft unterschiedlich dicht und hängen nicht immer zusammen. Vor allem unter den Liegeflächen der Tiere und unter den Futterstellen bilden sich dicke Matratzen aus Einstreumaterial, wie zum Beispiel Häckselstroh. Dazwischen tauchen Büschel aus langfaserigem Beschäftigungsmaterial wie Heu und Langstroh auf.
Um unterschiedliche Situationen durchzuspielen, die sich bei der Entmistung eines Schweinestalles ergeben, entwickelte das Wissenschaftlerteam einen speziellen Versuchsstand. Dieser bestand aus drei funktionellen Einheiten:
Das Becken mit einer Länge von sechs 6 Metern, einer Breite von 0,6 Metern und einer Höhe von 0,4 Metern war das Hauptelement des Versuchsstandes. Er bildete den Güllekanal nach. Das transparente Acrylglas ermöglichte es das Verhalten der Flüssigkeiten und des langfaserigen Materials bei einem nachgestellten Entmistungsvorgang genau zu beobachten.
Mit dem Becken und mit dem Rohrsystem wurde eine Schwerkraftentmistung ohne Steigung nachgebildet. Die Spülpumpe als dritte funktionelle Einheit des Versuchsstandes war an den Zwischenbehälter gekoppelt. Mit ihr wurde die Modellflüssigkeit zurück in das Becken gepumpt.
Im Gegensatz zu Praxisversuchen in realen Güllekanälen erlaubte die offene Bauweise des Versuchsstandes eine Auswertung per Videoaufnahme und erleicherte wiederholbare, präzise Versuchsreihen.
Weitere Vorteile des Versuchsstandes:
Pegelstand: | circa 20 bis 23 Zentimeter (Maßstab 1:2), dies entspricht in etwa einem Pegelstand von 45 Zentimetern in der Praxis1) |
|---|---|
Materialmenge: | 1.Versuchsanstellung mit Häckselstroh: 15 Gramm, 30 Gramm und 45 Gramm Häckselstroh pro Tier und Tag als Einstreumaterial, 2.Versuchsanstellung mit Heu (Simulierung des Extremfalles): 5 Gramm pro Tier und Tag plus 45 Gramm pro Tier und Tag Stroh |
Spülpumpenleistung: | bis zu 11 Kubikmeter pro Stunde |
Kanalvolumen: | 720 Liter, bei einem Pegel von 20 Zentimeter |
1) bei 0,5 Kubikmeter Flüssigmist pro Tier und Mastdurchgang (120 Tage) | |
Die Suche nach einer geeigneten Modellflüssigkeit, mit welcher die besonderen Fließeigenschaften von Gülle abgebildet werden können, erwies sich als die größte Herausforderung der Versuchsanstellung. Denn Schweinegülle unterscheidet sich hinsichtlich ihrer Fließeigenschaften sehr von anderen Flüssigkeiten: Sie ist ein so genanntes pseudoplastisches Fluid, das in Ruhe dickflüssig oder gelartig ist und unter Druck, Rühren und Fließen dünnflüssiger und fließfähiger wird.
Die ersten Erfahrungen mit dem Versuchsstand zeigen, dass bei Zugabe von Verdickungsmitteln die Situation der verschiedensten Schweineställe realitätsnah nachgestellt werden kann. Zusätzlich variierten sie mit dem Füllstand der Flüssigkeit, dem Anteil des langfaserigen Materials, der Durchflussmenge der Spülpumpe und den Ablassintervallen. Zur Funktionalität des Entmistungsmoduls lässt sich bislang folgendes festhalten:
Aus der erfolgversprechendsten Version des Versuchsmoduls entwickelten die Hohenheimer Forschenden ein Pilotmodul im Maßstab 1:1. Dessen Funktionsfähigkeit erprobten sie in den Güllekanälen des Bildungs- und Wissenszentrums Boxberg (Landesanstalt für Schweinezucht).
Ziel war es, die Zuführung des organischen Materials zu optimieren. Das Pilotmodul konfigurierten sie mit vier gegenläufigen Wellen, die sie mit je zwanzig Rührelementen ausstatteten.
Die Tests mit dem Pilotmodul erbrachten folgende Ergebnisse:
Besonders im Hinblick auf die funktionssichere Entmistung von Heuresten erprobten die Hohenheimer Wissenschaftler deshalb auch eine passive Entmistungsmethode. Gestestet wurde eine Kombination aus Kanalunterteilung, Schleusensystem sowie Spül- und Intervallentmistung.
Für die Versuche unterteilten sie den Kanal längs in vier Abteile von je 33 Zentimetern Breite. Diese Abteile lassen sich sowohl am Auslass als auch im Bereich der Spülpumpe verschließen und unsichtbar unter dem Spaltenboden einbauen.
Die Erkenntnisse aus den Versuchen sind folgende:
Letzte Aktualisierung 20.03.2026