Digitales Weidemanagement Digitales Weidemanagement

Weiden digital managen - Schwerpunkt Milchkuhhaltung

Weidemanagement umfasst die Planung, Pflege und Nutzung von Weideflächen, um Futterqualität, Tiergesundheit und Artenvielfalt nachhaltig zu sichern. In der Kuhstallpraxis sind digitale Anwendungen fester Bestandteil des Fruchtbarkeits- und Fütterungsmanagements, der Leistungskontrolle und Tierbeobachtung.  In der Weidehaltung sind die Techniken überwiegend noch in der Entwicklung. Im Ackerbau ist die Praxis schon weiter. Jede Investition in digitale Techniken muss einen finanziellen und arbeitswirtschaftlichen Nutzen mit sich bringen.

Etwa 4,7 Millionen Hektar Weideflächen werden in Deutschland als Dauergründland bewirtschaftet. Der größte Teil davon in der Milchviehhaltung. Beweidung findet auch auf Ackerstandorten als Ackerweide statt. 
Dauergrünland in Deutschland: Praxis-Agrar

Wo werden digitale Tools bereits genutzt?

Im Ackerbau werden bereits in fast 50 Prozent der Betriebe digitale Techniken eingesetzt. Für die Weidewirtschaft sind die Kosten und der wirtschaftliche Vorteil häufig anders zu beurteilen. Interessant sind hier die Anbau- und Standortbedingungen sowie autonome Maschinen wie Zaunroboter.
Wie verbreitet sind Techniken der Präzisionslandwirtschaft?: Praxis-Agrar

Grünland optimal nutzen – wieviel Futter ist auf der Fläche?

Weidegras ist das optimale Futter in der Milchviehhaltung, wenn die Weide ihrem Potential entsprechend genutzt wird. In einigen Regionen ist Weidewirtschaft schon die einzige Möglichkeit den Standort landwirtschaftlich zu nutzen und Landschaft offen zu halten. Hier prägt die Weidewirtschaft auch die Kulturlandschaft. Digitale Techniken können helfen, den Futterertrag zu optimieren. Wo früher Weiden auch in unwegsamem Gelände begangen werden mussten, können Drohnen zur besseren Übersicht verhelfen. Auch Aufwuchsmessungen helfen bei der Berechnung des Futterpotentials einer Fläche.

Weiden sind komplexe Systeme 

Jede Weide ist anders. Neben der Topografie bestimmen zum Beispiel die Bodenart und die Wasserversorgung, die Höhe der Niederschläge, die Temperatur und nicht zuletzt der Viehbesatz die Menge und Zusammensetzung des Aufwuchses. Entsprechend anspruchsvoll ist es, die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen, um Weiden auch betriebswirtschaftlich bestmöglich zu nutzen. 

Ziel ist die optimale Verteilung ausreichender Mengen Futter auf alle Weidetiere über die Weidesaison, wobei die Zuwachsgeschwindigkeit des Futters über den Weidezeitraum stark schwankt. 

Daten zur Weide sammeln

Für die Erhebung flächenbezogener Daten ist bereits bewährte Sensortechnik verfügbar. Sie erfolgt durch Klimastationen, Ertragsschätzung mittels Herbometer und Rising Plate Meter (RPM). Mobile Nahinfrarotspektroskopie (NIRS-Technik) kann Energiegehalte der Grasbestände bewerten. Auch Satellitentechnologie wie das SENTINEL-Programm der ESA , GPS-Anwendungen und der Einsatz von Drohnen können Informationen erheben und bereitstellen. 

Tierspezifische Daten der Weidehaltung

Im Rinderstall steht schon jetzt vielfältige Sensortechnik zur Erhebung tierspezifischer Daten bereit. Zum Beispiel geben Pedometer, Tieraktivitätssensoren und Kauschlagsensoren Aufschluss über Futteraufnahme, Widerkauaktivität und Ruhezeiten. Mit den gewonnen Daten werden Rationen für eine Zufütterung im Stall ergänzt.

 

Forschungsprojekte und Beispiele für digitale Anwendungen in der Weidewirtschaft

BÖL: GrazyDaiSy - Optimale Nutzung des Aufwuchses 

Die Universität Hohenheim entwickelt zusammen mit landwirtschaftlichen Betrieben regional angepasste und auf nachhaltige Beweidung ausgerichtete Weidesysteme für Milchkühe und Jungtiere. Ziel ist die Steigerung der Produktivität durch eine bessere Ausnutzung des Aufwuchses und eine höhere Grundfutteraufnahme durch Beweidung in unterschiedlichen Altersgruppen. Das Projekt GrazyDaiSy wurde für die deutsche Beteiligung vom Bundesprogramm für Ökologischen Landbau (BÖL) gefördert und ist Teil eines EU-weiten Verbundprojekts.
Ergebnisse:
Das Beste aus der Weide holen | Ökolandbau
Merkblatt1_V2_DEU_Final.pdf
Merkblatt2_DEU_Final.pdf

LAZBW - Digitales Weidetagebuch 

Das Landwirtschaftliche Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW) Aulendorf arbeitet mit Landwirten an einem digitalen Weidetagebuch. Es soll die Dokumentation der Weide‐ haltung erleichtern und eine Schnittstelle für den Antrag zur Sommerweideprämie erhalten. Weiterhin dient es der Dokumentation des Nährstoffanfalls im Rahmen der Düngeverordnung (DüV). 
Weber, 2020, Entwicklung eines digitalen Weideinformationssystems.pdf

MuD Tierschutz: Weiderechner und Wasserversorgung 

Das Ergebnis des Projekts des Grünlandzentrums „Verbesserung des Tierwohls bei Weidehaltung von Milchkühen“ (Laufzeit: 01.01.2021-29.02.2024) sind Handlungsempfehlungen und die APP Weiderechner. Mit dem Weiderechner lässt sich die Futterversorgung und der Flächenbedarf ihrer Tiere berechnen. Wie gut die Tiere auf der Weide mit Wasser versorgt sind, lässt sich über die Tränkenabdeckung ermitteln. 
 Handlungsempfehlungen zur Gewährleistung des Tierwohls bei Weidehaltung von Milchkühen - Grünlandzentrum. 

Verbundprojekt Autopasture (MV)

„AutoPasture – „Digitale Anwendungen für ein autonomes Herden- und Weidemanagement von Rindern“ zielt darauf ab, zukunftsfähige, tierwohlgerechte Lösungen für die Rinderhaltung zu entwickeln, indem es die Weidehaltung von Rindern automatisiert und damit den personellen Aufwand reduziert. (Laufzeit 2025 -2029, 5 Mio. Euro)
AutoPasture – „Digitale Anwendungen für ein autonomes Herden- und Weidemanagement von Rindern
Video auf Instagram (Wirtschaftsfenster MV, ab Minute 4)

Experimentierfelder: DiWenKla

Im Projekt Digitale Wertschöpfungsketten für eine nachhaltige kleinstrukturierte Landwirtschaft DiWenkLawurden mit Partnern aus Industrie und Dienstleistung sowie mit der landwirtschaftlichen Praxis Experimentierfelder in der Region Stuttgart und dem Südschwarzwald aufgebaut. Das Vorhaben beschäftigt sich insbesondere mit dem Einsatz digitaler Technologien in den Produktionszweigen Ackerbau (Getreide und Eiweißfrüchte), Feldgemüsebau, Grünlandbewirtschaftung sowie Rinder- und Pferdehaltung.

Dabei werden verschiedene (digitale) Technologien aus den Bereichen Robotik und Automation sowie Sensorik, auch im Zusammenspiel mit der Künstlichen Intelligenz, weiterentwickelt und angewendet. Aber auch Kommunikationssysteme sowie Cloudsysteme und Farm Management Systeme (FMIS) stehen im Fokus. Diese (digitalen) Technologien und Systeme sollen den Schutz von Umwelt und Natur noch stärker unterstützen, ein höheres Tierwohl ermöglichen, aber auch zur Arbeitserleichterung sowie zu einer höheren ökonomischen Effizienz beitragen. 
 Digitale Wertschöpfungsketten für eine nachhaltige kleinstrukturierte Landwirtschaft DiWenkLa (Laufzeit 2021-2025)

Experimentierfelder: Forschungsprojekt „RindforNet_SH"

Der Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau einer standardisierten Forschungsdatenbank, der Weiterentwicklung und Anpassung von Tools im Bereich des Weidemanagements und der Klimabilanzierung sowie Beratungsprogrammen zur digitalen Überwachung der Eutergesundheit. Das Rinderforschungs-Netzwerk soll die Grundlage schaffen, um Strategien und die benötigte Infrastruktur - angeknüpft an das Experimentierfeld Digitalisierung Best-SH - für milchviehhaltende Betriebe praxisreif zu machen.
Forschungsprojekt „RindforNet_SH"

Experimentierfelder: DaVaSus

Im Kern soll der Nutzen der Digitalisierung für die heimische Landwirtschaft erforscht werden, damit Betriebe produktiver und wettbewerbsfähiger werden und gleichzeitig Nachhaltigkeit, Tierwohl, Umwelt-, Natur- und Klimaschutz fördern und verbessern. Das Projekt DaVaSus zielt darauf ab, regenerative und multifunktionale Bewirtschaftungsmaßnahmen zu testen, deren Effekte möglichst digital und automatisiert zu messen und Trade-Offs zwischen Nachhaltigkeits- und wirtschaftlichen Indikatoren abzubilden.

DaVaSus wird als Verbundprojekt der Finck Stiftung, dem Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB), dem Julius-Kühn-Institut (JKI) und dem Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL) durchgeführt und läuft vom 10.02.2023 bis zum 31.12.2025. 
DaVaSus - Data and value-based decision-making for a sustainable land use

Experimentierfelder: DigiMilch

Im Projekt wurden von 2019 bis 2025 in fünf Demonstrationsprojekten die Praxistauglichkeit digitaler Lösungen in familiengeführten Betrieben dokumentiert, Erfahrungen aus dem praktischen Einsatz gesammelt und kontinuierlich kommuniziert. Im vorliegenden Endbericht sind Ablauf und Ergebnisse aus sechs Jahren DigiMilch zusammengefasst. Dieser Endbericht enthält etwa Ergebnisse zur Praxistauglichkeit von NIRS zur Düngestoffbestimmung oder der NIR Trockenmasseermittlung bei Häckslern, zum Nutzen digitaler Systeme für das Grünlandmanagement, zum Dateneinsatz beim Fütterungscontrolling, zum Bedarf an Vernetzungen im Stall und zur tierindividuellen Gesundheitsüberwachung.
Ergebnisse und Empfehlungen – der Endbericht von DigiMilch - LfL

Experimentierfelder: DigiMilch pro

Das Projekt läuft von 01.12.2025 bis zum 30.09.2028 und gliedert sich in vier Teilprojekte: Datenmanagement und Datenvernetzung im Feld, KI-Einsatz zur Verbesserung des Tierwohls, Weidemanagement im Milchviehbetrieb und Wissenstransfer. Die Koordination des Projektes liegt bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). DigiMilchPro wird mit den wissenschaftlichen Partnern Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT), Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Hochschule Osnabrück durchgeführt.
DigiMilchPro folgt auf DigiMilch - LfL

Virtuelle Weidezäune

Virtuelle Weidezäune gelten als zukunftsweisende Lösung für ein flexibles, zeitsparendes und kosteneffizientes Weidemanagement. Statt physischer Barrieren definieren digitale Systeme die Weidegrenzen. In Deutschland ist der Einsatz dieser Technik bislang nicht erlaubt, in anderen europäischen Ländern wird sie allerdings schon erfolgreich eingesetzt.

Die Grundlage sogenannter Virtual fencing-Systeme bildet ein GPS-fähiges Halsband, das jedes Tier um den Hals trägt. Über eine App oder Webanwendung legen Halterinnen und Halter auf einer Karte die virtuellen Weidegrenzen fest. Nähert sich ein Tier dieser definierten Linie, ertönt zunächst ein akustisches Warnsignal, das in Lautstärke und/oder Frequenz zunimmt, je näher das Tier der virtuellen Zaunlinie kommt. Für die Tiere ist dieses anschwellende Tonsignal ein klarer Hinweis auf eine Grenze, vergleichbar mit dem Anblick eines physischen Zauns.
Virtuelle Zäune: Die smarte Zukunft der Weidetierhaltung

Digitale Systeme für Weide und Stall

Zukünftig könnten digitale Tools helfen Managemententscheidungen in Sachen Weidehaltung zu treffen. Denn sie können zahlreiche Einflussfaktoren berücksichtigen und gewichten.

Einfache elektronische Weidetagebücher oder Weidetools auf der Basis von Exceltabellen erlauben bereits heute die Berechnung von Futterkeilen (feed wedge). Auf deren Basis kann der Tierhaltende eine Entscheidung für die Beweidung oder Futterkonservierung einer bestimmten Fläche treffen. Diese Tools unterstützen auch die Dokumentation des Betriebes.

Derzeit sind Weidemanagementsysteme in Entwicklung, die auch die heterogenen Anforderungen der Milch- und Grünlandwirtschaft in Deutschland erfüllen können. Dazu zählen Belegung von Weideflächen, Prognosen von Futtermengen und -qualität, von Pflege-, Dünge- und Nachsaatbedarf. Solche Tools sollen Tierhaltende zukünftig bei der Planung und Dokumentation im Rahmen verschiedener Agrarumweltprogramme oder der Düngeverordnung unterstützen. 

Außerdem sind Schnittstellen zur tierspezifischen Leistungserhebung sinnvoll und erwünscht.

Erfahrung im Weidemanagement kann künftig mehr und mehr digital ergänzt und unterstützt werden.

Letzte Aktualisierung 21.10.2026

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