Langlebigkeit durch ManagementLanglebigkeit durch Management

Hohe Lebensleistungen sind kein Zufall

Damit Kühe viele Laktationen erreichen, spielen neben der genetischen Veranlagung auch die Aufzucht und die Haltung der Tiere eine entscheidende Rolle.

Hohe Lebensleistungen sind meist mit einer langen Nutzungsdauer und einem längerem Leben der Kuh verbunden. Aus verschiedenen Gründen scheiden Kühe allerdings schon im jüngerem Alter aus. So erreichen Kühe der Rasse Schwarzbunte Holstein im Mittel eine Nutzungsdauer von 38,9 Monaten. Dabei liegt Fachleuten zufolge schon allein aus ökonomischer Sicht die optimale Nutzungsdauer von Milchkühen bei vier bis sechs Laktationen, was einer Nutzungsdauer von 48 bis 72 Monaten entspricht.

Dass Kühe früher ausscheiden, kann viele Ursachen haben. Als Hauptabgangsursachen werden Unfruchtbarkeit, Euter- und Klauenprobleme genannt.  Doch lässt sich die Nutzungsdauer und damit Lebensleistung von Kühen steuern.

Eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Langlebigkeit spielt die Gesundheit einer Milchkuh, deren Basis schon in der Aufzucht gelegt wird. Einige neuere, wissenschaftliche Studien haben sich mit genau diesem Einfluss beschäftigt und Langzeiteffekte einer optimalen Kälberaufzucht analysiert.

Kälber nicht restriktiv füttern

Die Grundlagen für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit einer Kuh wird bereits in den ersten Lebenstagen und -wochen des Kalbes gelegt und hier vor allem mit der Fütterung bzw. Tränke.

Wird den Kälbern die Milch oder der Milchaustauscher in den ersten Lebenswochen ad libitum angeboten, erreichen sie hohe tägliche Zunahmen von rund 1.000 Gramm. Auf diese Weise intensiv getränkte Kälber sind weniger krankheitsanfällig als restriktiv gefütterte Kälber.

Desweiteren bilden Kälber, die höhere Milchmengen erhalten, auch mehr Zellen in ihren Organen aus, wie beispielsweise im Eutergewebe.

Die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern hat 27.664 Erstkalbskühe auf ihre Geburtsgewichte und tierindividuelle Zunahmen bis zum Absetzen untersucht. Es wurde festgestellt, dass die Jungkühe, die als Kalb mit viel Milch oder Milchaustauscher aufgezogen wurden und 1.000 Gramm tägliche Zunahmen erzielten, etwa 500 kg mehr Milch je 305-Tageleistung gaben.

Die Untersuchung bestätigte auch, dass so gefütterte Kälber als Kühe eine deutlich geringere Abgangswahrscheinlichkeit in der ersten Laktation hatten als andere. Im Umkehrschluss blieben diese Kühe länger im Betrieb und erreichten in der Folge eine höhere Lebensleistung.

Robuste Kälber nach langer Tränkephase

Aber nicht nur die Tränkemenge allein ist entscheidend für ein optimales Wachstum der Kälber. Auch die Dauer der Tränkephase wirkt sich aus. Deshalb sprechen sich Wissenschaftler heute für eine intensive und lange Tränkephase von mindestens 90 bis 100 Tagen mit einer Tränkemenge von mindestens 8 bis 10 Litern oder besser noch ad libitum aus.

An der Universität Höhenheim wurden zwei Tränkeregime miteinander verglichen:

In der einen Gruppe wurden die Tiere nach sieben Wochen abgesetzt. In der anderen Gruppe durften die Kälber über 17 Wochen, also mehr als doppelte so lange, Milch trinken.

Bei den Kälbern mit der kürzeren Tränkedauer zeigten sich nach dem Absetzen bis zum 100. Lebenstag zu niedrige Glucose- und Insulinspiegel. Diese Kälber litten häufiger unter einer subklinischen Pansenazidose und waren anfälliger gegenüber Krankheiten.

Die intensiver und länger mit Tränke gefütterten Kälber wiesen nicht nur höhere Glucose- und Insulinspiegel im Blut auf, sondern zusätzlich bessere Leptinwerte. Das Hormon Leptin ist wichtig für den Energie- und Fettstoffwechsel sowie für das Immunsystem.

Studien der kanadischen Universität in Guelph belegen zudem bei intensiv getränkten Kälbern eine bessere Wundheilung.

Viel Platz und Kuhkomfort

Neben der Fütterung ist die Haltungsumgebung der Tiere ein wichtiger Faktor für ein langes Leben. In einer Studie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf nahm das Forschungsteam gezielt Milchviehbetriebe unter die Lupe, deren Kühe eine hohe Lebensleistung erreichten.

Die Kühe hatten eine durchschnittliche Lebensleistung von mindestens 35.000 kg Milch und stammten aus 60 ausgewählten Betrieben in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Viele dieser Kühe fielen sowohl durch eine hohe Einzellaktationsleistung als auch durch eine hohe Nutzungsdauer auf, was zusammen die Lebensleistung ausmacht.

Es stellte sich heraus, dass drei Viertel der befragten Betriebe ihren Kühen mit durchschnittlich acht Quadratmetern je Kuh im Stall viel Platz gaben.

Die untersuchten Betriebe boten ihren Kühen zudem ein hohes Maß an Kuhkomfort. Neben einem Tier-Liegeplatz-Verhältnis von 1:1 mit überwiegend Tiefboxen fiel auf, dass viele Betriebe in Bayern und Baden-Württemberg Gummibeläge auf den Laufflächen hatten. Gummibeläge wirken sich positiv auf die Klauengesundheit aus, was sich in einer geringeren Anzahl von Kühen mit Klauenproblemen niederschlug.

Bei den in der Studie befragten Betrieben wirkte sich vor allem der Weidegang positiv auf die Gesundheit der Kühe aus.  Die Weide bietet mehr Platz, Anreiz zur Bewegung und rangniedere Tiere können durch das Flächenangebot sozialem Stress kurzerhand aus dem Weg gehen, was Verletzungen reduziert. 

Gesundheit als Schlüssel für Nutzungsdauer und Lebensleistung

Die Gesundheit der Kühe ist für eine erfolgreiche Milchviehhaltung von zentraler Bedeutung. Tierbeobachtung und die Auwertung  von Gesundheitsdaten sind hier wertvolle Hilfen.

Das Auftreten von Klauen- und Eutererkrankungen kann durch tiergerechte Haltungsumgebungen reduziert werden und sind damit steuerbar. Fruchtbarkeitsstörungen sind oftmals eine Folge von Stoffwechselstörungen und somit ebenfalls durch gutes Management beeinflussbar. 

Letztlich kommt es auf den Faktor Mensch an. Milchviehprofis, die bei ihren Entscheidungen die Bedürfnisse ihrer Tiere berücksichtigen, haben häufiger Kühe mit hoher Lebensleistung im Stall. Mit der Fütterung der Kälber wird der Grundstein für eine hohe Leistung und eine lange Nutzungsdauer gelegt. Später lässt sich mit einer Haltungsumgebung, die den Kühen Platz bietet und Klauen sowie Euter schont, frühen Abgängen vorbeugen.


Letzte Aktualisierung 28.03.2024

Tierwohl-Kompetenzzentrum Schaf

Beratung & Wissenstransfer

Entwaldungsfreie Produkte

Abgeholzte Fläche. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.

EUDR: Infos & Regelungen

Netzwerk Fokus Tierwohl

Logo des Netzwerks Fokus Tierwohl

Zu den Veranstaltungen

Nach oben
Nach oben